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Suche nach Opfern von Flug 4U 9525 – deutsche Experten an der Unfallstelle in den Alpen

Suche nach Opfern von Flug 4U 9525 – deutsche Experten an der Unfallstelle in den Alpen

Frankfurt/Main/Seyne-les-Alpes. Hubschrauber donnern am Mittwochmorgen über Seyne-les-Alpes. Von dem kleinen Ort aus nehmen sie Kurs auf den Schauplatz der Germanwings-Katastrophe in den französischen Alpen.

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Experten werden mit Hubschraubern zur Unglücksstelle in den Alpen gebracht.

Quelle: dpa

Der Felsen, an dem am Dienstag der Airbus A320 der Lufthansa-Tochter zerschellte, liegt nur 15 Kilometer entfernt. Bilder der Flüge vom Vortag zeigen unzählige Trümmerteile in den Felsen. Auf einem Video scheint sogar ein Teil des Germanwings-Logo zu erkennbar zu sein. 

Der Zugang ist extrem schwierig. Das Gelände ist unwegsam. „Wir sind hier im Hochgebirge“, sagt Polizeichef David Galtier über den Unfallort. Er koordiniert die mehr als 500 Einsatzkräfte - und bleibt kurz angebunden. Der Einsatz hat Priorität.  Am Mittwochmorgen sind die Gipfel weiß überzuckert. Es hat in der Nacht geschneit. Das dürfte die Suche zusätzlich erschweren. Am Unfallort gab es am Vorabend noch rauchende Trümmerteile. „Man muss mit äußerster Vorsicht vorgehen“, sagt Galtier. Alle 150 Menschen an Bord sind bei dem Absturz am Dienstag wohl ums Leben gekommen, unter ihnen vermutlich 67 Deutsche. Es ist einer der schwersten Unfälle in der deutschen Luftfahrtgeschichte. „Das Wichtigste ist, das Gebiet abzusichern und die Körper zu bergen“, sagt Galtier. 

Am Dienstagabend waren rund 50 Spezialkräfte zu Fuß von Seyne gestartet, um zur Unglücksstelle vorzudringen. Sie hätten über Nacht biwakiert - bei Temperaturen um oder unter dem Gefrierpunkt. „Sie wollten kein Risiko eingehen“, sagt Innenministeriumssprecher Pierre-Henri Bardet. An den Untersuchungen sind auch drei Experten aus Braunschweig beteiligt. Die Mitarbeiter der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung sollen im Laufe des Mittwochmorgen an der Unfallstelle eintreffen, sagte Sprecher Germout Freitag. Die deutschen Fachleute werden gemeinsam mit ihren französischen Kollegen das Trümmerfeld an der Absturzstelle untersuchen. Bei der ersten Phase gehe es um die Leichenbergung, so Freitag. In der zweiten Phase würden die Experten untersuchen, ob alle Teile des Flugzeugs vorhanden seien. „In der dritten Phase prüfen wir, welche Aussagen sich anhand der Einzelteile treffen lassen.“ So lasse sich bei einem Fund der Turbine beispielsweise klären, ob sie sich zum Zeitpunkt des Aufschlags noch gedreht habe.

Angehörige der Opfer werden in dem 1500-Seelen-Ort erwartet. Sie werden psychologisch betreut, sagte Innenministeriumssprecher Pierre-Henri Bardet. Für sie wurde eine Art Kapelle eingerichtet - ein Ort zum Trauern. Wann die sterblichen Überreste ihrer Angehörigen geborgen werden können, ist unklar. „Ein Timing zu geben, ist unmöglich“, sagt Bardet. Unklar ist auch, wo sie aufgebahrt werden.  Die ganze Gemeinde ist unter Schock. „150 Tote, das ist furchtbar“, sagt Taxifahrer André Mathieu. Am Mittag wollte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Mittwoch zur Absturzstelle reisen. Dort trifft sie sich mit Rajoy und Frankreichs Präsident François Hollande. Sie sollen voraussichtlich in Autos in die Nähe des Unfallortes gebracht werden.

Der Absturz des Airbus A320 verunsichert auch viele Flugreisende. Germanwings bietet seinen Kunden deshalb kostenlose Stornierungen und Umbuchungen für alle Flüge an. Das erklärte ein Sprecher der Fluggesellschaft am Mittwoch. Die Airline bietet damit eine Kulanzregelung für Kunden, die nach dem Unglück erst einmal nicht mehr fliegen möchten. Rein rechtlich ist Angst vor dem Fliegen kein Grund, um einen bereits gebuchten Flug kostenfrei stornieren zu können. Darauf macht die Verbraucherzentrale Brandenburg aufmerksam. Für die kostenlose Flugstornierung muss eine „objektive und hinreichend konkrete Gefahr im Einzelfall“ vorliegen. Angst vor einem möglichen Absturz ganz allgemein reicht dafür nicht. 

Allerdings können Reisende ihren Flug aus persönlichen Gründen jederzeit stornieren - das kostet allerdings Geld, so die Verbraucherschützer. Die Airline muss aber zumindest Steuern, Flughafengebühren und eingesparte Kosten für Verpflegung und Kerosin komplett zurückzahlen. Das macht oft einen großen Teil des Ticketpreises aus - vor allem, wenn der Reisetag noch weit in der Zukunft liegt. Nach einem Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main (Az.: 2-24 S 152/13) aus dem Jahr 2014 muss eine Fluggesellschaft sogar den gesamten Ticketpreis erstatten, wenn sie nicht nachweisen kann, welche Kosten ihr durch die Stornierung wirklich entstanden sind. Denn die Fluggesellschaften könnten den freigewordenen Platz schließlich weiterverkaufen. Ob die Airline den Nachweis führen kann, muss dann allerdings unter Umständen vor Gericht geklärt werden.

LVZ

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