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Tausende Flüchtlinge in Seenot - Migranten überrennen Stacheldraht

Festung Europa Tausende Flüchtlinge in Seenot - Migranten überrennen Stacheldraht

Tausende Flüchtlinge sind vor der libyschen Küste in Seenot geraten. Hunderte durchbrachen den Stacheldraht an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien. Angesichts täglicher Dramen wird der Ton im europäischen Flüchtlingsstreit schärfer.

Erschöpfte Flüchtlinge werden an der mazedonischen Grenze versorgt.

Quelle: dpa

Rom/Skopje . Großeinsatz im Mittelmeer: Mindestens 2000 Bootsflüchtlinge sind nach Angaben der italienischen Küstenwache am Samstag vor der Küste Libyens in Seenot geraten. Auch an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien spielten sich Dramen ab. Hunderte Migranten rissen den Stacheldraht nieder, um auf der „Balkan-Route“ weiter Richtung Deutschland, Schweden, Norwegen oder in die Niederlande zu gelangen. Laut Medienberichten setzte die Polizei erneut Blendgranaten und Tränengas ein.

Ein Sprecher der italienischen Küstenwache sagte, binnen kurzer Zeit seien Notrufe von 18 verschiedenen Flüchtlingsbooten eingegangen. Etwa 1000 Schiffbrüchige hätten bei ruhiger See rasch gerettet werden können, auch die anderen sollten bald an Bord genommen werden, hieß es am Nachmittag. An der Aktion im Mittelmeer waren die italienische Marine und Schiffe der EU-Grenzschutzmission „Triton“ beteiligt. Bei weiteren Einsätzen wurden mehr als 400 Flüchtlinge gerettet, wie die Marine mitteilte.

Fast eine Viertelmillion Menschen sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) seit Jahresbeginn über das Mittelmeer nach Europa geflohen. Nahezu täglich gingen im Sommer rund 1000 Migranten an den Küsten Italiens und Griechenlands an Land. Etwa 2300 Flüchtlinge kamen laut IOM seit Jahresbeginn im Mittelmeer ums Leben.

Mazedonien macht Grenzen dicht

Mazedonien hatte wegen der Lage an seinen Grenzen zu Griechenland und Serbien am Donnerstag den Notstand erklärt und den Übergang an einer Hauptroute blockiert. Die Regierung rechtfertigt ihr Vorgehen damit, den Flüchtlingszustrom besser bewältigen und die Sicherheit in den Grenzregionen erhöhen zu wollen. Die Polizei erhielt zudem Unterstützung durch die Streitkräfte. Am Freitag war die Lage an dem Grenzübergang bei Gevgelija eskaliert, als die mazedonische Polizei mit Blendgranaten und Tränengas versuchte, Hunderte Flüchtlinge am Überschreiten der Grenze von Griechenland nach Mazedonien zu hindern.

Griechenland verstärkt Grenzsicherungen

Allein auf der „Balkan-Route“ sind derzeit Tausende Richtung Norden und Westen unterwegs. An der griechisch-mazedonischen Grenze drängten sich nach Schätzungen der griechischen Behörden mehr als 5000 Migranten. Augenzeugen berichteten, fast stündlich kämen mit Bussen und Zügen weitere Flüchtlinge aus Südgriechenland am Grenzübergang bei Idomeni (Griechenland) und Gevgelija (Mazedonien) an. Auf der Ostägäisinsel Lesbos sammelten sich laut Behörden mehr als 9000 Migranten.

Wie das staatliche griechische Fernsehen (ERT1) berichtete, kam es während der Essensausgabe in einem Flüchtlingslager zu Rangeleien zwischen Migranten verschiedener Nationalitäten. Zur Entlastung der Lage lief am Samstag die Fähre „Eleftherios Venizelos“ von Piräus zur Insel Kos aus. Sie sollte von dort und von von den nahegelegenen Inseln rund 2500 Migranten, die meist aus dem Bürgerkriegsland Syrien stammen, abholen und nach Piräus bringen.

Angesichts Tausender Flüchtlinge verstärkten mazedonische Sicherheitskräfte nach Medienberichten die Absperrungen entlang der griechischen Grenze. So wurde am Samstag eine zweite Stacheldraht-Begrenzung zwischen mazedonischem Territorium und dem Gebiet gezogen, auf dem Tausende Flüchtlinge ausharrten, wie der mazedonische Sender A1 berichtete. Etwa 500 Menschen - zumeist Frauen und Kinder - durften weiter zum nahe gelegenen Bahnhof von Gevgelija. Von dort fahren Züge Richtung Serbien. Derweil erreichten medizinische Helfer das provisorische Flüchtlingslager an der mazedonisch-griechischen Grenze und versorgten Kinder und Kranke, meldete A1.

CSU-Minister fordert Milliarden von der EU für Flüchtlinge

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) warf der EU-Kommission vor dem Hintergrund steigender Flüchtlingszahlen Untätigkeit vor. „Die Zögerlichkeit der EU ist unerträglich“, sagte der Politiker der „Bild“-Zeitung (Samstag). Er verlangte von Brüssel ein Sofortprogramm über zehn Milliarden Euro, um unter anderem Notaufnahmezentren in EU-Staaten mit EU-Außengrenzen einzurichten. Die EU-Kommission wies den Vorwurf der Untätigkeit zurück. Die Behörde habe schon im Mai eine Migrationsagenda vorlegt, sagte eine Sprecherin. „Wir können nur Erfolg haben, wenn wir miteinander arbeiten, nicht gegeneinander.“

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