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Tödliche Prügelattacke - Busfahrer beklagen Aggressionen

Tödliche Prügelattacke - Busfahrer beklagen Aggressionen

Ein tödlicher Angriff auf einen Nahverkehrsmitarbeiter am Samstag vor Ostern hat Brüssel erschüttert. Der 56-jährige Familienvater - kurz vor dem Ruhestand - starb, als er einen Busfahrer vor einem aufgebrachten Freund des Unfallgegners schützen wollte.

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Nach dem gewaltsamen Tod eines Nahverkehrsangestellten in Brüssel am Osterwochenende sucht Belgien nach Erklärungen. Busfahrer und Polizisten klagen über Aggressionen - und Statistiker stellen dem kleinen Königreich kein gutes Zeugnis aus.

Quelle: dpa

Brüssel. Es kostete ihn selbst das Leben. Seine Kollegen wehren sich dagegen, zur Normalität überzugehen. Am Dienstag standen Busse und Bahnen in Belgiens Hauptstadt am vierten Tag in Folge still.

Ein Extremfall - aber auch nicht völlig aus der Welt, schon gar nicht im Nahverkehr, dessen Mitarbeiter so einiges an Pöbeleien über sich ergehen lassen müssen. Auf einer Liste der europäischen Hauptstädte mit den meisten Morden pro Einwohner landet die Europahauptstadt Brüssel auf Platz fünf, haben die EU-Statistiker von Eurostat für die Jahre 2006 bis 2009 errechnet - Trend allerdings fallend. Die Anzahl vieler anderer Delikte hat indes zugenommen.

Die Statistiker stellen dem kleinen Königreich generell kein gutes Zeugnis aus. Auch bei weniger schwerwiegenden Vergehen legte Belgien zwischen 2003 und 2009 zu. So nahmen Fälle von Drogenhandel um 14 Prozentpunkte zu, Einbruchsdelikte stiegen um 8 Punkte, gewaltsame Vergehen wie Vergewaltigung und Raub um 7 Prozentpunkte. „Belgien, der schlechte europäische Schüler“ titelte die Tageszeitung „Le Soir“ vor Ostern. Immerhin: Die Zahl der gemeldeten Diebstähle von Autos, Motorrädern und sonstigen motorisierter Fahrzeugen fiel um bemerkenswerte 19 Prozentpunkte.

Doch ein klares Bild gibt es nicht, andere Untersuchungen sprechen eine andere Sprache. Die Tageszeitung „Le Soir“ schrieb am Dienstag, Brüssel unterscheide sich kaum von anderen großen Städten und berief sich dabei auf eine Bürgerbefragung der belgischen Bundespolizei. Kriminologen warnen ohnehin stets vor voreiligen Zahlen-Schlüssen. Trends bei gemeldeten Fällen müssen nicht einem Zuwachs an Taten entsprechen. Vielleicht hat die Polizei über die Jahre bessere Arbeit geleistet. Und die Angst geht im Lande auch nicht um.

Neun von zehn Belgiern fühlen sich zumindest meistens sicher, hat die Bundespolizei bei ihrer letzten Befragung aus den Jahren 2008 und 2009 herausgefunden. Viele lassen jedoch Vorsicht walten: So gab über ein Viertel an, Unbekannten nicht die Tür zu öffnen, mehr als jeder Zehnte vermeidet bestimmte, als bedrohlich empfundene Orte.

Aber tut die Staatsmacht genug gegen die Gewalt? „Es gibt Ecken, wohin sich die Polizei nicht mehr traut“, sagte der Kriminologe Brice de Ruyver gegenüber „Le Soir“ (Dienstagsausgabe). Mitarbeiter des öffentlichen Nahverkehrs wissen Ähnliches zu berichten.

Ein Klima der Aggression beklagten die Angestellten der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft STIB nach dem tödlichen Faustschlag gegen ihren Kollegen. Allzu oft eskalierten eigentlich banale Vorkommnisse wie Unfälle mit Sachschaden, berichtete ein hoher Brüsseler Polizeibeamter am Dienstag in der Zeitung „La Libre“. „Es ist zunehmend so, dass vor allem mein Auto zählt. Und innerhalb dieser Logik ist der Verletzte nichts“, beklagte Jean-Marie Brabant.

„Am Ende geht es ums Geld“, sagte ein junger STIB-Mitarbeiter am Rande des Trauermarschs am Montag. Das will die Regierung nun in die Hand nehmen: 400 neue Polizeibeamte hat Belgiens Innenministerin Joëlle Milquet der Hauptstadt unter anderem versprochen. Nach anderthalb Jahren unter Führung einer Übergangsregierung ist das Land zum Glück wieder handlungsfähig.

Martina Herzog, dpa

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