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Wetterdienst: Höchstwahrscheinlich wütete ein Tornado über Hamburg

Sturm Wetterdienst: Höchstwahrscheinlich wütete ein Tornado über Hamburg

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) geht davon aus, dass am Dienstagabend ein Tornado über dem Hamburger Osten gewütet hat. Es «spricht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alles dafür», sagte eine DWD-Sprecherin am späten Dienstagabend.

Die Hamburger Feuerwehr hat wegen eines schweren Unwetters mit einer Windhose im Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklärt.

Quelle: Monika Zucker/dpa

Hamburg. Angesichts der Bilder und Berichte über entwurzelte Bäume, Hagel mit mehr als drei Zentimetern Größe und Starkregen, könne dies angenommen werden, sagte sie. Eine endgültige Bestätigung dafür werde es - wenn überhaupt - jedoch wohl erst später geben können. Damit von einem Tornado gesprochen werden kann, muss die Trichterwolke auch den Boden erreichen. Die Hamburger Feuerwehr rückte wegen dem Unwetter zu Hunderten Einsätzen aus und erklärte den Ausnahmezustand.

Feuerwehr ruft Ausnahmezustand in Hamburg aus

Die Hamburger Feuerwehr hat wegen eines schweren Unwetters mit einer Windhose im Osten der Stadt den Ausnahmezustand erklärt. «Bei zwei Hochhäusern drohen die Dächer abzustürzen», sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstagabend. «Es gibt unzählige abgedeckte Dächer und vollgelaufene Keller, mehr als 1000 Feuerwehrleute und das Technische Hilfswerk sind im Einsatz.» Angaben über Verletzte gab es zunächst keine.

Die Kräfte sind dem Feuerwehrsprecher zufolge bereits zu mehr als 200 Einsätzen ausgerückt. «Mehr als die Hälfte aller in Hamburg verfügbaren Feuerwehrkräfte ist im Einsatz, damit gilt der Ausnahmezustand», sagte er. Darüber hinaus warteten mindestens 200 weitere noch unbearbeitete Not- und Hilferufe auf die Hilfskräfte.

Mithilfe eines Helikopters der Bundespolizei versuchte die Feuerwehr am Abend sich ein Bild von der Lage zu machen. «Es gibt zahlreiche Blitzeinschläge», sagte der Sprecher. Viele umgestürzte Bäume blockierten Straßen.In Rahlstedt fing laut Feuerwehr ein Dachstuhl nach einem Blitzeinschlag Feuer, in Sasel wurde eine Straße überschwemmt. In Farmsen stürzte ein Baum auf ein Auto. Auch der Stadtteil Bramfeld war nach Angaben eines Polizeisprechers stark betroffen.

Der DWD gab eine Unwetterwarnung vor extrem starken Gewittern, Starkregen und Hagel heraus. Satellitenbildern zufolge seien örtlich teils mehr als 50 Liter Regen pro Quadratmeter niedergegangen, sagte der Sprecher.

Starkregen im Schwarzwald

Auch nahezu der gesamte Westen Deutschlands bekam die heftigen Unwetter zu Spüren: Vielerorts herrschte Land unter. Über eventuelle Verletzte lagen zunächst keine Berichte vor.

In Baden-Württemberg fielen nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Dienstag örtlich innerhalb einer Stunde mehr als 30 Liter Regen pro Quadratmeter. Sehr kleinräumig seien es sogar 40 Liter gewesen. Besonders betroffen war demnach die Region um den Schwarzwald, vor allem der Ortenaukreis und der Kreis Calw.

In Unterharmersbach schlug ein Blitz in ein Wohnhaus ein und verursachte mehrere tausend Euro Schaden. In Heidelberg wurde bei Unwettern außerdem ein Baum entwurzelt, mehrere Straßen waren überflutet. Auch im Rest des Landes drohten der Prognose zufolge bis in die Nacht immer wieder Gewitter. „Es ist einfach sehr viel Wasser, was da runterkommt“, sagte der DWD-Experte. Auch Hagel sei möglich.

Ruhrgebiet stark betroffen

In Nordrhein-Westfalen waren vor allem das Ruhrgebiet und das Münsterland betroffen. In einigen Städten fielen nach DWD-Angaben binnen einer Stunde 100 Liter Regen pro Quadratmeter. In Wuppertal schossen Fontänen aus den Kanälen, zahlreiche Autos standen im kniehohen Wasser. Blitze trafen einen Baum auf einem Kindergartenspielplatz und ein Haus. Über Verletzte wurde zunächst nichts bekannt. Nahe Essen und Recklinghausen liefen Keller und Unterführungen voll. Bis in die Nacht zum Mittwoch sei im Westen noch mit Gewittern zu rechnen, sagte eine DWD-Sprecherin.

„Die Warnlage war diesmal sogar deutlich extremer als vor dem Jahrhunderthochwasser“, sagte Brandschutz-Dezernent Wolfgang Heuer in Münster in einer Mitteilung. Stellenweise seien in Münster 70 Millimeter Regen niedergegangen. Besonders betroffen gewesen sei der Bereich Loddenheide: Straßen und eine Bahnunterführung wurden überflutet, Keller liefen voll. Das Fazit der Stadt war dennoch: „Münster ist glimpflich davongekommen.“

Auch in Niedersachsen stand eine Kleinstadt fast vollständig unter Wasser. In Damme seien innerhalb von 20 Minuten 70 Liter pro Quadratmeter gefallen. Ein Polizeisprecher in Damme sagte am Abend, der Regen habe inzwischen aufgehört. „Wir hatten hier schon mal Wasser auf den Straßen stehen, aber so etwas wie heute hatten wir noch nicht.“

Tägliche Unwetterwarnungen
Und auch im Saarland, Hunsrück und der Eifel richteten Unwetter mit Starkregen erhebliche Schäden an. In einem Ortsteil des saarländischen Eppelborn wurden am Dienstag mehrere Menschen aus Fahrzeugen gerettet, wie ein Sprecher des Lagezentrums in Saarbrücken sagte. Sie seien in Dirmingen von Wasser eingeschlossen worden. Ebenfalls in Dirmingen wurde ein Hang weggespült, fünf Häuser waren einsturzgefährdet.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet, dass die Gewitterserie mit Unwettern und Hagel in den kommenden Tagen zu Ende geht. Noch bis Donnerstag müsse aber mit heftigen Unwettern gerechnet werden. Beispielsweise in Nordrhein-Westfalen rechneten die Experten aber schon eher damit, dass sich das Wetter beruhige. Mittwoch und Donnerstag bleibe es dort voraussichtlich trocken.

Das Wochenende werde dann deutschlandweit deutlich kühler mit Regen, sagte Meteorologe Sebastian Schappert. „Nach den Modellrechnungen steht uns am Freitag endlich mal wieder ein weitgehend gewitterfreier Tag ins Haus.“ Seit dem 27. Mai habe der DWD täglich Unwetterwarnungen herausgegeben.

LVZ

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