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Abgas-Skandal zwingt VW zu Kürzungen bei Investitionen

Auto Abgas-Skandal zwingt VW zu Kürzungen bei Investitionen

VW muss sparen - aber nicht auf Kosten der Zukunft. Das ist die Botschaft von Konzernchef Müller. Erneut kam in Wolfsburg der Aufsichtsrat zusammen. Es ging vor allem um Zahlen. Ein anderer wichtiger Termin stand in den USA an.

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Der neue VW-Konzernchef Müller hatte bereits kurz nach seiner Amtsübernahme angekündigt, wegen der Krise alle Investitionen auf den Prüfstand stellen zu wollen.

Quelle: Julian Stratenschulte

Wolfsburg. Angesichts der immensen Kosten für den Abgas-Skandal muss Volkswagen seine Investitionen kürzen. Die Streichungen fallen aber vorerst nicht massiv aus. 2016 sollen die Sachinvestitionen um eine Milliarde Euro verringert werden.

Der Konzern wolle nicht auf Kosten der Zukunft sparen, sagte VW-Chef Matthias Müller nach einer Aufsichtsratssitzung in Wolfsburg. Zugleich betonte er: "Wir fahren in den kommenden Monaten auf Sicht." Man werde in den nächsten Wochen weitere Ausgaben überprüfen und gegebenenfalls auch streichen oder strecken. In der Abgas-Affäre drohen Milliardenkosten in noch ungeahnter Höhe.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte, die Investitionen sollten in der ersten Aufsichtsratssitzung 2016 erneut überprüft werden: "Wir müssen in diesen Zeiten ein Stück weit auf Sicht fahren, wie wir es beispielsweise auch in der Krise 2008 gemacht haben." 2008 war der Automarkt infolge der weltweiten Finanzkrise eingebrochen.

Für das kommende Jahr will VW die Sachinvestitionen auf maximal 12 Milliarden Euro begrenzen. Das sei etwa eine Milliarde Euro weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Müller sagte, VW wolle sich auf die Technologien der Zukunft konzentrieren - das sind die Elektromobilität und die Digitalisierung der Branche mit immer mehr Internet im Auto.

So sollen im kommenden Jahr 100 Millionen Euro mehr als bisher geplant in alternative Antriebe gesteckt werden. Bereits vor Wochen hatte der Konzern für die Hauptmarke VW Einsparungen von einer Milliarde Euro angekündigt.

Gekürzt werden soll zum Beispiel bei einem geplanten Designzentrum in Wolfsburg. Der Bau soll verschoben werden, dies führe zu Einsparungen von 100 Millionen Euro, hieß es. Außerdem solle der Bau einer Lackiererei in Mexiko überprüft werden.

Bei der Modellpalette werde wie bereits bekannt der Nachfolger des Phaeton verschoben, der dann als Elektroauto auf den Markt kommen soll. Fast die Hälfte der Sachinvestitionen fließt laut VW in die deutschen Standorte. Dies sei auch ein Bekenntnis zum Heimatmarkt des größten europäischen Autobauers.

Noch vor einem Jahr hatte Volkswagen bis 2019 im Konzernbereich Automobile insgesamt Ausgaben von 85,6 Milliarden Euro angepeilt. Dabei beliefen sich die Sachinvestitionen auf 64,3 Milliarden Euro. Eine vergleichbare Fünf-Jahres-Planung gab VW diesmal nicht bekannt.

Trotz der gekürzten Investitionen sieht Müller nach wie vor keine akute Gefahr für die Jobs in der Kernbeschäftigung: "Gemeinsam mit den Arbeitnehmer-Vertretern werden wir weiterhin alles dafür tun, um die Stammbelegschaft an Bord zu halten." Ähnlich hatte sich bereits VW-Markenchef Herbert Diess geäußert.

Konzernbetriebsratschef Osterloh sagte, der Betriebsrat werde weiter ein "besonders wachsames Auge" auf die Beschäftigungssituation haben. Risiken gebe es vor allem bei den Jobs von Leiharbeitern.

In China hält VW die Investitionen stabil und plant 2016 Ausgaben von rund 4,4 Milliarden Euro. Diese Investitionen sind nicht in den genannten 12 Milliarden Euro enthalten, weil sie aus den Gemeinschaftsunternehmen von VW mit chinesischen Partnern aus den eigenen Mitteln finanziert werden.

Der 62-jährige Müller versprach außerdem erneut, VW werde "entschlossen" an Lösungen für Kunden arbeiten, deren Fahrzeuge vom Abgas-Skandal betroffen sind. Einzelheiten dazu nannte er aber nicht.

Der Konzern ist in einer schweren Krise, seitdem er Mitte September zugegeben hatte, mit Hilfe einer Software Abgastests bei Dieselwagen manipuliert zu haben. Dabei ging es um Werte gesundheitsschädlicher Stickoxide. Außerdem hat VW bei 800 000 Autos falsche Angaben zum Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) gemacht.

In einem ersten Schritt hatte VW 6,7 Milliarden Euro für technische Nachbesserungen der manipulierten Dieselautos zurückgelegt. Weitere Risiken durch die später hinzugekommenen falschen CO2-Werte wurden zunächst auf 2 Milliarden Euro veranschlagt. Daneben drohen aber hohe Kosten etwa für mögliche Strafzahlungen.

Auch in den USA stand am Freitag ein wichtiger Termin für VW an: Die kalifornische Umweltbehörde CARB erwartete Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500 000 Diesel-Fahrzeugen. Ohne einen akzeptablen Plan zur Beseitigung der Manipulationen drohen Volkswagen vonseiten der Regulierer "drakonische Strafen" bis hin zu Fahrverboten. Dazu gab es bis zum Abend keine Angaben seitens der Behörde.

Allerdings wurde deutlich, dass noch mehr Autos ins Visier der US-Aufseher geraten. Vertreter des Konzerns hätten bei einem Treffen eingeräumt, dass Diesel-Fahrzeuge der Marken VW und Audi mit 3,0-Liter-Motoren der Modelljahre 2009 bis 2016 mit einer verdächtigen Software ausgestattet seien, teilten die CARB und die US-Umweltbehörde EPA mit.

Bislang war in diesem Fall nur wegen dubioser Ergebnisse bei Emissionstests von Fahrzeugen der Baujahre 2014 bis 2016 ermittelt worden. Die Software ist eine andere, als die bereits als Schummel-Programm ("Defeat Device") überführte, deren manipulativen Einsatz bei Emissionstests VW bereits im September eingestanden hat.

CARB-Chefin Mary Nichols geht zudem davon aus, dass VW möglicherweise einen Teil der betroffenen Autos zurückkaufen muss. Erfahrungen aus der Vergangenheit hätten gezeigt, dass Nachrüsten oft nicht so gut funktioniere wie geplant, sagte sie dem "Handelsblatt": "Deshalb denke ich, es ist ziemlich wahrscheinlich, dass VW wenigstens einen Teil der Flotte von den Besitzern zurückkaufen muss."

Die EU-Kommission gab Volkswagen Zeit bis zum Jahresende für genaue Angaben zum CO2-Ausstoß. Eigentlich hatte die Brüsseler Behörde bis Donnerstag Auskunft verlangt. VW hatte um eine Verlängerung gebeten.

dpa

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