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Wirtschaft Air Berlin spricht gleich mit zehn Interessenten
Nachrichten Wirtschaft Air Berlin spricht gleich mit zehn Interessenten
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17:06 20.08.2017
Die Air-Berlin-Konzernführung will die Gespräche innerhalb weniger Wochen abschließen. Quelle: dpa
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Berlin

Air-Berlin-Chef Thomas Winkelmann will die Übernahme der insolventen Fluggesellschaft innerhalb weniger Wochen unter Dach und Fach bringen. „Wir wollen den Verkauf spätestens im September abschließen. Sonst schwindet das Vertrauen der Kunden in die Airline“, sagte Winkelmann der Zeitung „Bild am Sonntag“.

Bestätigt sind bislang Gespräche mit Lufthansa, die seit Freitag konkret geführt werden. Als Interessenten gelten zudem die britische Billigfluggesellschaft Easyjet, Tuifly sowie die Thomas-Cook-Tochter Condor.

Air Berlin habe „mit mehr als zehn Interessenten gesprochen, darunter mit mehreren Fluglinien“, sagte der Airline-Chef der Zeitung. Wie viele davon derzeit noch dabei sind, wollte ein Unternehmenssprecher nicht preisgeben. Winkelmann erwartet keine komplette Übernahme durch nur einen Bieter. „Es wird nicht einen, sondern zwei oder drei Käufer geben“, sagte er.

Kritik an Besetzung des Gläubigerausschusses

Bei den Konkurrenten der Lufthansa herrscht derweil Unmut über die Besetzung des Gläubigerausschusses, der letztlich über den Verkauf entscheidet. Denn in den Gremium sitzt auch ein Vertreter der Lufthansa-Billigtochter Eurowings. Das ist so, weil Eurowings von Air Berlin 38 Flugzeuge angemietet hat.

Der Gläubigerausschuss müsse die Nachhaltigkeit der verschiedenen Angebote überprüfen, schilderte ein Insider die Situation. „Die Bieter müssen dort komplett die Hosen runterlassen, und die Lufthansa kann in Ruhe die Geschäftsmodelle studieren“, sagte er.

Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind die Bücher von Air Berlin für Interessenten, nicht nur die Lufthansa, in geschützten Datenräumen bereits seit Ende Mai einsehbar. Die „Bild am Sonntag“ hatte berichtet, dass Lufthansa seit Mai die Finanzdaten von Air Berlin prüfe. Winkelmann hatte Ende April davon gesprochen, das Unternehmen sei „offen für neue Partnerschaften und neue Kooperationen“.

Eigenwilliges Angebot aus Nürnberg

Für Aufsehen sorgte ein Angebot des Nürnberger Unternehmers Hans Rudolf Wöhrl. Wöhrl hatte über eine Münchner Kanzlei ein formelles Angebot für die Fluggesellschaft abgegeben. Ziel der Offerte sei es, die Air Berlin Gruppe als Ganzes zu erhalten und als unabhängige Airline fortzuführen. Laut Air Berlin sei jedoch stellte bis Sonntagmittag keine Offerte von Wöhrl eingegangen sei. „Wir halten das für einen PR-Gag eines Trittbrettfahrers“, hieß es bei der Airline.

Die Bundesregierung lehnte eine Übernahme durch Wöhrl allein klar ab. „Das Modell Air Berlin als eine eigenständige Airline ist ja gescheitert“, sagte Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig am Sonnabend dem RBB-Inforadio. Man müsse „nüchtern zur Kenntnis nehmen, dass man jetzt mehrere Partner braucht“. Es werde auch keinen Zuschlag alleine an die Lufthansa geben. „Das wäre kartellrechtlich und wettbewerbsrechtlich gar nicht möglich.“

Warnungen vor Lufthansa-Monopol

Der Vorsitzende der Monopolkommission, Achim Wambach, warnte vor einer politisch motivierten Bevorzugung der Lufthansa bei der Zerschlagung von Air Berlin. Ein Ausbau der Lufthansa-Marktanteile in der internationalen Luftfahrt sei zwar grundsätzlich zu begrüßen. „Es überzeugt aber nicht, wenn dies dadurch erfolgen sollte, dass auf Wettbewerb auf deutschen Flugstrecken verzichtet würde“, sagte Wambach der „Welt am Sonntag“. In der Regel führe weniger Wettbewerb zu weniger Innovationen und zu unattraktiveren Produkten.

Von Bernd Röder/dpa

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