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Wirtschaft Bauernverband fordert Schadenersatz für Hühnerbetriebe
Nachrichten Wirtschaft Bauernverband fordert Schadenersatz für Hühnerbetriebe
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10:19 05.08.2017
ier Betriebe sind in Deutschland wegen Fipronil-Funden gesperrt.  Quelle: dpa
Berlin

 Im Eier-Skandal fordert der Deutsche Bauernverband (DBV) Schadenersatz für alle Hühnerbetriebe, die von dem illegalen Einsatz des Insektizids Fipronil betroffen sind. „Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden“, sagte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Bei dem Fipronil-Einsatz handele es sich „um ein klares Fehlverhalten eines Dienstleisters, der dieses Insektizid illegal einem legalen Desinfektionsmittel untergemischt hat“, betonte Hemmerling. Er forderte von Bund und Ländern eine schnelle Aufklärung des Falls.

Aktuell sind bundesweit vier Betriebe wegen Fipronil-Funden gesperrt, weitere werden überprüft. „Einem typischen gesperrten Betrieb entsteht täglich ein Schaden von rund 4000 Euro an Umsatzverlust. Der Verursacher muss diesen finanziellen Schaden begleichen“, forderte Hemmerling. Rund zehn Millionen Eier könnten deutschlandweit betroffen sein, vielleicht aber auch mehr. Dass Aldi Süd und Aldi Nord sämtliche Eier aus dem Verkauf genommen hat, hält der DBV „zum jetzigen Zeitpunkt für eine überzogene Reaktion“. Das Bundesinstituts für Risikobewertung habe den Verzehr deutscher Eier als unbedenklich eingestuft, hieß es zur Begründung.

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Wirkung von Fipronil auf Menschen unbekannt

Vermutlich wurde das Fipronil von einem belgischen Hersteller beigemischt - es handelt sich um ein Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wirkt. Die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren ist nicht erlaubt. In hohen Dosen kann Fipronil auch für Menschen gefährlich sein. Wie genau es auf Menschen wirkt, ist nicht bekannt.

Lebensmittelskandale um Geflügel und Eier

Giftfunde in Geflügel und Eiern haben in Deutschland schon einige Lebensmittelskandale ausgelöst.

DIOXIN: Mit dem als krebserregend geltenden Gift belastete Eier sorgten mehrfach für Schlagzeilen. Unter anderem schrecken Ende 2010 Dioxinfunde in Eiern und Geflügel die Verbraucher auf. Tausende Bauernhöfe werden bundesweit gesperrt, Legehennen getötet und der Verkauf von Eiern aus betroffenen Betrieben gestoppt. Als Auslöser gilt verunreinigtes Futtermittel. Auch 2012 werden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Dioxin und dem dioxinähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) verunreinigte Eier entdeckt und aus dem Handel zurückgerufen.

NIKOTIN: 2006 werden Millionen Eier aus einem niedersächsischen Unternehmen nach Nikotinfunden vernichtet. Zwei Männer werden beschuldigt, illegal Nikotinsulfat bei der Reinigung von Ställen eingesetzt zu haben.

NITROFEN: 2002 müssen Zehntausende Legehennen getötet und Eier von Öko-Bauernhöfen vernichtet werden, nachdem bei Tests das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen nachgewiesen worden ist. Händler stoppen vorsorglich den Verkauf von Eiern und Geflügel aus ökologischem Landbau. Quelle ist Futtergetreide, das in einer Halle gelagert wurde, in dem zu DDR-Zeiten Pestizide aufbewahrt worden waren.

Von RND/dpa/are