Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Baugewerbe sieht "organisierte Kriminalität" in der Branche
Nachrichten Wirtschaft Baugewerbe sieht "organisierte Kriminalität" in der Branche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:48 19.04.2016
Die Bauwirtschaft wird immer öfter zum Ziel der organisierten Kriminalität. Quelle: Arne Dedert/Symbolbild
Anzeige
Berlin

Hinter Lohndumping auf dem Bau stecken nach Branchenangaben verstärkt mafiöse Strukturen. "Wir beobachten in der Bauwirtschaft immer öfter Formen der organisierten Kriminalität", sagte der Geschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes, Harald Schröer, der "Berliner Zeitung".

Als Beispiel nannte er Firmen, in denen Beschäftigte bar mit Schwarzgeld bezahlt würden. "Die Arbeiter erhalten keinen Mindestlohn, Steuern und Sozialabgaben werden auch nicht entrichtet", erklärte Schröer. "Solche mafiösen Strukturen verbreiten sich in Deutschland nahezu flächendeckend."

Die Stundenverrechnungssätze dieser Unternehmen seien höchstens halb so hoch wie die Stundensätze von Betrieben, die Mindestlöhne zahlten oder die höheren Tariflöhne. "Unsere Betriebe konkurrieren tagtäglich auch mit solchen kriminellen Anbietern. In Ausschreibungen sind die legalen Angebote dann nicht konkurrenzfähig", sagte Schröer.

Andere Geschäftsmodelle bewegten sich in einer rechtlichen Grauzone. Handwerker gründeten Gesellschaften bürgerlichen Rechts (GbR), sie gelten dann als Selbstständige. Sie entrichteten keine Sozialabgaben und senkten ihren Preis bis zur Selbstausbeutung, erklärte Schöer.

Um Schwarzarbeit besser zu bekämpfen, seien mehr Kontrollen nötig, forderte Schröer. Zurzeit seien von den rund 6800 Planstellen bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit etwa 600 Stellen nicht besetzt.

Die beim Zoll angesiedelte Finanzbehörde hat nach Angaben der Bundesregierung im vergangenen Jahr knapp 43 700 Betriebe auf Einhaltung des Mindestlohns geprüft, 2014 waren es noch gut 63 000. In der Baubranche sei die Zahl der Kontrollen sogar um fast die Hälfte auf knapp 17 000 Arbeitgeber gesunken. Das geht aus einer im Februar veröffentlichten Antwort des Bundesfinanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen im Bundestag hervor.

Das Bundesfinanzministerium erklärte, es gehe darum, die "dicken Fische" zu bekommen. Die bloße Zahl der Überprüfungen sei nicht entscheidend. Die vorhandenen Ressourcen würden daher nicht für eine Maximierung der Kontrollzahlen genutzt. Ziel sei es, die großen Betrugsfälle aufzudecken.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die europäische Stahlbranche ächzt. Die Konkurrenz aus China sitzt ihr im Nacken. Dumping will sich Peking aber nicht vorwerfen lassen. EU-Industriekommissarin Bienkowska stellt derweil die europäischen Regeln für Staatsbeihilfen in Frage.

19.04.2016

Für Netflix bringt eine globale Reichweite zunächst keinen dauerhaft höheren Nutzer-Zustrom. Erst müsse der Videodienst in mehr Regionen in Landessprache verfügbar sein, sagt Gründer und Chef Reed Hastings.

19.04.2016

Ein Kompromiss zwischen Griechenland und seinen Geldgebern zu neuen Reformen ist nach Brüsseler Einschätzung rasch machbar. Bei der IWF-Tagung in der vergangenen Woche habe es guten Fortschritt und eine "grundsätzliche Einigung" gegeben, die jetzt weiter verhandelt werden müsse.

19.04.2016
Anzeige