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Wirtschaft Bitcoin steht wegen Öko-Bilanz in Kritik
Nachrichten Wirtschaft Bitcoin steht wegen Öko-Bilanz in Kritik
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14:39 13.12.2017
Immer mehr Bitcoin-Investoren verlegen ihre Transaktionen mit der Kryptowährung in Länder mit günstigem Strom, in China boomt der Bitcoin-Handel. Quelle: AP
Berlin

Der Hype um die Digitalwährung Bitcoin bricht trotz Kursschwankungen nicht ab. Dabei ist selbst aktiven Investoren klar – der aktuelle Umgang mit der Währung schadet der Umwelt erheblich. Um die mittelfristige Liquidität der Bitcoins gewährleisten zu können, ist eine enorme Rechenleistung notwendig.

Bitcoin-Gewinne erfordern enorme Rechenleistung

Die aktiven Bitcoin-Gewinner blenden oft aus, unter welchen ökologischen Umständen die Digitalwährung „geschürft“, also gewonnen, wird. Die Investoren stellen dafür ein gigantisches Computernetzwerk zur Verfügung, mit dem die Integrität der Währung gewährleistet wird. Sie verifizieren sämtliche Bitcoin-Transaktionen und speichern das unendliche Logbuch („Blockchain“) in Datenbanken. Sie bilden quasi das technische Rückgrat des Zahlungssystems Bitcoin und werden dafür mit Einheiten der Digitalwährung belohnt.

Großinvestoren weichen auf Länder mit günstigem Strom aus

Damit sich das Schürfen langfristig lohnt, weichen vermehrt Großinvestoren auf Länder aus, in denen Strom nicht viel kostet. Mittlerweile wird dadurch der Großteil aller Bitcoin-Transaktionen in China ausgeführt, wo Mining-Farmen im Zweifelsfall mit Kohlestrom gespeist werden und zwei Drittel des Stroms aus fossilen Brennstoffen erzeugt wird. Der Anteil, der hingegen auf Länder mit günstigem Öko-Strom ausweicht, hält sich in Grenzen.

Laut Kryptowährungs-Experte Alex de Vries würden auch pro Bitcoin-Transaktion 237 Kilowattstunden verbraucht, was in etwa dem monatlichen Durchschnittsverbrauch in einem kleineren deutschen Einfamilienhaus entspricht. Das Gesamtausmaß der weltweiten Bitcoin-Aktivitäten kann durch den steten Wandel nicht exakt bestimmt werden, in seinem Blog Digiconomist hat de Vries eine alarmierende Schätzung angegeben. Derzeit verbraucht das Bitcoin-System 32,5 Terawattstunden im Jahr, so viel, wie ganz Serbien.

Zahlen von de Vries stehen in der Kritik

Nicht alle Experten sind allerdings mit den Zahlen von de Vries einverstanden: Der französische Bitcoin-Experte Marc Bevard bezweifelt die Berechnungsgrundlage, wonach 60 Prozent der Bitcoin-Erlöse beim Schürfen für den Strombedarf draufgehen. Doch selbst, wenn die Stromrechnung nur 20 oder 30 Prozent der geschürften Bitcoin-Erträge frisst, bleiben die grundsätzlichen Zweifel an der ökologischen Nachhaltigkeit des Bitcoin. Denn durch die tägliche Beschränkung auf 3600 verteilte Bitcoins greifen die „Miner“, also Investoren, öfter auf die enorme Rechenleistung zu, um einen Teil der wenigen Bitcoins zu bekommen. Dieses Prinzip schützt zum einen das System vor Angriffen von Betrügern. Es treibt aber auch die erforderliche Rechenleistung nach oben, was langfristig der Umwelt erheblich schadet.

Digitalwährung Chia Network soll umweltfreundliche Alternative werden

Bram Cohen, der Erfinder des Filesharing-Systems BitTorrent, möchte nun eine umweltfreundliche Alternaive auf den Markt bringen. Sein „Chia Network“ setzt zwar wie Bitcoin auch auf die Blockchain-Technologie, soll aber bei den Transaktionen mit deutlich weniger Energie auskommen. Bei der Verifizierung der Investoren soll dafür nicht die Prozessorleistung eine Rolle spielen, sondern der Speicherplatz. „Die Idee ist, einen besseren Bitcoin zu schaffen“, sagte Cohen dem Portal „TechCrunch“. Außerdem könne man mit dem Chia-System die Instabilität des Bitcoin beseitigen, die auf die Abhängigkeit von wenigen Investoren zurückzuführen sei, die Zugang zu den billigsten Energiequellen haben.

Von lf/dpa/RND

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