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Börsenbeben in China rüttelt die Weltmärkte durch

Börsen Börsenbeben in China rüttelt die Weltmärkte durch

Es war ein heißer Ritt an den Börsen. Chinas unklare wirtschaftliche Lage versetzt Anleger rund um den Globus in Alarmstimmung. Die Kurse fallen teils deutlich. Doch sind die extremen Reaktionen berechtigt?

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Erneut musste Chinas Börsenhandel ausgesetzt werden.

Quelle: Long Wei China

Frankfurt/Main. Die Kurseinbrüche an Chinas Börsen greifen auf die weltweiten Finanzmärkte über. In Frankfurt knickte der Dax ein, in Japan der Nikkei, und auch die Wall Street startete deutlich tiefer.

Die Anleger flüchteten in vermeintlich sichere Anlageformen wie Gold. Der bekannte Hedgefonds-Manager George Soros fühlte sich bereits an die Anfänge der schweren Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 erinnert.

Der deutsche Leitindex Dax fiel schon am Morgen deutlich unter die Marke von 10 000 Punkten und stand zum Handelsschluss mit 2,29 Prozent im Minus bei 9979,85 Punkten. Zwischenzeitlich war er gar um annähernd 4 Prozent gefallen. Selbst die am späten Vormittag veröffentlichten, sehr freundlichen Konjunkturdaten aus der Eurozone konnten die Stimmung nicht nachhaltig heben.

"Ich würde sagen, das wächst sich zu einer Krise aus", sagte Soros auf einer Veranstaltung in Sri Lanka. "Wenn ich mir die Finanzmärkte anschaue, dann gibt es dort ernste Probleme. Das erinnert mich an die Krise, die wir 2008 hatten."

Hintergrund der anhaltenden Turbulenzen sind die Sorgen vor einer harten Landung der chinesischen Wirtschaft - mit entsprechenden negativen Konsequenzen für deutsche Unternehmen. Auch Chinas Devisenberg schmilzt: Wie die Notenbank in Peking mitteilte, betrugen die Währungsreserven im Dezember 3,33 Billionen US-Dollar. Das waren 108 Milliarden Dollar weniger als im Vormonat und der niedrigste Stand seit drei Jahren.

"Der Einbruch an den Börsen im Fernen Osten trifft den deutschen Aktienindex zu einem Zeitpunkt, an dem er ohnehin bereits angeschlagen ist", gab Chartexperte Franz-Georg Wenner vom Börsenstatistik-Magazin "Index-Radar" zu bedenken. So lasten unter anderem die Spannungen zwischen den Ölförderern Saudi-Arabien und Iran sowie der Atomstreit mit Nordkorea auf den Kursen. Zusammen mit dem Kurssturz vom Jahresauftakt hat der Dax inzwischen über 8 Prozent an Wert verloren. Damit hat das wichtigste deutsche Börsenbarometer nunmehr einen Großteil seines Jahresgewinns 2015 eingebüßt.

Im Dax-Kurstableau zeigten sich abermals alle Titel im Minus. Die China-Problematik belastete insbesondere die Autowerte, die bereits nach mauen US-Absatzzahlen am Vortag unter Druck geraten waren. BMW, VW und Daimler verloren jeweils deutlich über 4 Prozent. Als weltweit größter Automarkt ist China für die deutschen Hersteller enorm wichtig. Auch die Kurse der Zulieferer rutschen ab.

Vor diesem Hintergrund waren die als "sichere Häfen" geltenden Anlageformen gefragt: Der Preis für eine Feinunze Gold (etwa 31,1 Gramm) kletterte auf 1103 US-Dollar. Seit dem Jahreswechsel ist der Goldpreis damit um etwa 42 Dollar gestiegen. Auch Staatsanleihen von als solide angesehenen Ländern wie Deutschland, Großbritannien oder der Schweiz wurden zwischenzeitlich von den Anlegern angesteuert.

Die Preise für Rohöl fielen mit rund 32 Dollar auf den tiefsten Stand seit fast zwölf Jahren. Auch andere Rohstoffe wie Industriemetalle oder Agrarprodukte gerieten unter Druck - denn China ist einer der größten Abnehmer. Währungen von Ländern, die stark in der Rohstoffproduktion engagiert und wirtschaftlich mit China verflochten sind, gaben ebenso nach. Das galt besonders für den Australischen sowie den Kanadischen Dollar.

Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des deutschen Groß- und Außenhandels, sieht aber keinen Grund zur Panik: Mögliche Absatzeinbußen in China könnte die deutsche Wirtschaft in den USA oder in Europa ausgleichen, sagte er dem "Tagesspiegel". Beide Regionen entwickelten sich bis zuletzt positiv - so ist die Arbeitslosenquote in der Eurozone im November auf den niedrigsten Stand seit 2011 gefallen, und die Stimmung in der Wirtschaft ist so gut wie seit vier Jahren nicht mehr.

Konkreter Auslöser des erneuten Börsendramas in China war eine neuerliche Abwertung der Landeswährung Yuan (Renminbi) durch die chinesische Notenbank. Der Schritt könnte auf eine noch größere Schwäche der chinesischen Wirtschaft hindeuten als aus offiziellen Statistiken hervorgehe, sagte Marktanalyst Angus Nicholson vom Broker IG. Eine schwächere Währung erleichtert den Export.

Der Börsenhandel in China selbst wurde bereits nach kurzer Zeit wegen zu hoher Verluste zunächst ausgesetzt und dann ganz beendet für den Tag. Damit griff bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr ein neuer Mechanismus, nach dem der Handel bei Verlusten von mehr als 7 Prozent beendet wird. Die chinesische Börsenaufsicht CSRC will diese automatische Aussetzung aber zunächst abschalten, wie die Behörde mitteilte. Der Mechanismus habe nicht den gewünschten Effekt gehabt und solle weiterentwickelt werden, hieß es in der Mitteilung. Zudem wurde betont, dies sei nicht der Hauptgrund für den Kurssturz gewesen.

An den anderen asiatischen Börsen wie in Japan ging es in Folge des "China-Schocks" ebenfalls deutlich abwärts. Der US-Leitindex Dow Jones verlor zum Handelsauftakt rund 1,7 Prozent.

dpa

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