Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Das soll bei Rossmann anders werden
Nachrichten Wirtschaft Das soll bei Rossmann anders werden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:11 06.04.2017
Die Drogeriemarkt-Kette Rossmann will ihr Lebensmittel-Angebot ausbauen (Symbolbild). Quelle: dpa
Anzeige
Burgwedel

Wenn zwei sich zerstreiten, profitiert zuweilen der Dritte: Nachdem der Konkurrent dm die Bio-Marke Alnatura aus seinen Regalen geräumt hat, will der Drogeriekonzern Rossmann deren Sortiment nun vollständig in seinem Internet-Shop anbieten und auch das Angebot in den Filialen erweitern. Zusammen mit der Eigenmarke Enerbio werde der Bereich Lebensmittel deutlich wachsen, sagte Einkaufschef Raoul Roßmann am Donnerstag bei der Bilanzvorlage in Burgwedel.

Derzeit stehen Lebensmittel für etwa ein Zehntel des Rossmann-Umsatzes, auf längere Sicht könnte sich dieser Anteil verdoppeln, hieß es. Insbesondere der Bio-Bereich passe gut zum übrigen Drogeriesortiment. „Das übergeordnete Thema ist Schönheit von innen und außen“, sagte der Sohn von Konzernchef Dirk Roßmann. Dass der Konzern dieses Geschäft ausgerechnet mithilfe der Alnatura-Produkte stärken will, gilt in der Branche auch als Spitze gegen den Dauerrivalen dm.

Roßmann: „Es wird ein bisschen schwieriger“

Im Wettbewerb mit dem Konkurrenten aus Karlsruhe hat Rossmann zuletzt an Boden verloren. Während der deutsche Marktführer im vergangenen Jahr fast eine halbe Milliarde an Umsatz hinzugewonnen hat, waren es bei der Nummer zwei nur 300 Millionen Euro. Gleichwohl ist man in Burgwedel mit der Bilanz insgesamt zufrieden: Bei einem Konzernumsatz von 8,4 Milliarden Euro sei 2016 unter dem Strich mehr übrig geblieben als im Vorjahr, sagte Dirk Roßmann, ohne konkret zu werden. 2015 lag der Gewinn bei rund 208 Millionen Euro.

Die beiden Branchenführer waren jahrelang zweistellige Wachstumsraten gewohnt – diese Zeiten seien jedoch vorbei, sagte der Konzernchef. „Es wird für uns ein bisschen schwieriger.“ Roßmann sieht dafür vor allem drei Gründe: Zum einen profitiere die Konkurrenz nicht länger von der Schlecker-Pleite, zum anderen bauten die Lebensmittelhändler ihr Drogeriesortiment aus. Darüber hinaus bekämen auch Rossmann und Co. den Erfolg der Online-Konkurrenz zu spüren: Weil immer mehr Kunden bei Portalen wie Amazon oder Zalando einkaufen, leerten sich die Innenstädte. „Das trifft dann auch unsere Filialen“, sagte Roßmann.

Drogerieketten wollen mehr Wärme ausstrahlen

Dennoch will der Konzern hier weiter expandieren. In Deutschland betreibt Rossmann inzwischen mehr als 2000 Filialen – in diesem Jahr sollen 137 hinzukommen. In Polen, Ungarn, Tschechien, der Türkei und Albanien sind es fast 1600 Geschäfte, weitere 110 sind für 2017 geplant. Aber nicht nur die Zahl der Filialen wächst, auch die Fläche der einzelnen Niederlassungen nimmt zu – Neueröffnungen bieten mindestens 700 Quadratmeter. Mehr als 400 Filialen seien zudem schon auf das neue Konzept umgerüstet, hieß es. Wie dm will auch Rossmann weg vom kalten Image des klinisch Reinen und mehr Wärme ausstrahlen.

Der Konkurrenzkampf unter den großen Drogerieketten hat auch kuriose Konsequenzen. „Wir kannibalisieren uns zuweilen selbst“, sagte Roßmann. Wenn Rossmann in einer Stadt am jeweiligen Ende einer Fußgängerzone bereits zwei gut gehende Filialen betreibe und dann noch Geschäftsräume in der Mitte angeboten bekomme, übernehme man diese, selbst wenn sich das nicht sofort rechne – aus Sorge, dass sonst der Konkurrent dm dort einziehen könnte.

Die Burgwedeler können sich solche Durststrecken leisten: Der Konzern sei schuldenfrei, das Eigenkapital werde 2017 auf mehr als eine Milliarde Euro steigen, sagte Roßmann. „Aber unser Ziel bleiben immer solide Gewinne.“ Mit einer Umsatzrendite von 4 Prozent sei man sehr zufrieden, der Konzern komme aber auch mit etwas weniger aus: „Wir sind ein Familienunternehmen.“

Von Jens Heitmann/HAZ/RND

Anzeige