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Deutsche Konjunktur verliert an Fahrt

Konjunktur Deutsche Konjunktur verliert an Fahrt

Der deutsche Konjunkturmotor ist zum Jahresauftakt etwas ins Stottern geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal um 0,3 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

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Containerumschlag im Hamburger Hafen.

Quelle: Christian Charisius

Wiesbaden/Luxemburg. Hingegen hat der Aufschwung im Eurogebiet im ersten Quartal 2015 an Fahrt gewonnen. Das BIP in den 19 Euro-Staaten stieg im Vergleich zu den drei Monaten davor um 0,4 Prozent, wie die Europäische Statistikbehörde Eurostat berichtete. Ende 2014 hatte das Quartalswachstum noch 0,3 Prozent betragen.

Allerdings sind Griechenland und Finnland in die Rezession gerutscht: Beide Länder verbuchten zwei Vierteljahre hintereinander eine schrumpfende Wirtschaft. "Wie erwartet hat der desaströse Start der griechischen Regierung das Land von einer beginnenden Erholung zurück in die Rezession geführt", unterstrich Ökonom Christian Schulz vom Bankhaus Berenberg.

Insgesamt habe sich der Trend im Euroraum aber eindeutig verbessert, erklärte Unicredit-Volkswirt Marco Valli. Als Wachstumslokomotive hat Frankreich Deutschland abgelöst. Das französische BIP stieg im ersten Quartal um 0,6 Prozent im Vergleich zum Vorquartal. "Die Zahlen zeigen: Frankreich ist nicht der kranke Mann Europas", sagte Allianz-Ökonom Rolf Schneider.

Zugleich ließ Italien die schlimmste Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg hinter sich. Im ersten Quartal legte die Wirtschaft um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone durchlebte zuvor eine lange Durststrecke ohne Wachstum in 14 aufeinanderfolgenden Quartalen.

Dagegen hat Deutschland seinen Aufschwung zum Jahresauftakt nur noch mit gedrosseltem Tempo fortgesetzt. Das BIP-Wachstum fiel kleiner aus als von Experten erwartet - und blieb deutlich hinter dem starken Plus von 0,7 Prozent zu Jahresende 2014 zurück.

Wachstumstreiber war hierzulande erneut vor allem der Inlandskonsum. Die privaten Haushalte steigerten ihre Ausgaben, weil einerseits Sparanlagen angesichts der mickrigen Zinsen unattraktiv sind und sie andererseits dank steigender Löhne und Rekordbeschäftigung mehr Geld in der Tasche haben. Zudem sei die Kaufkraft der Verbraucher durch den sehr moderaten Preisanstieg auch infolge rückläufiger Rohölpreise gestützt worden, betonte das Bundeswirtschaftsministerium. Positive Impulse kamen auch von den staatlichen Konsumausgaben.

Auch die Investitionen zogen an. "Sowohl in Bauten als auch in Ausrüstungen wurde deutlich mehr investiert als im vierten Quartal 2014", erklärten die Statistiker.

Hingegen bremste der Außenbeitrag - die Differenz der Entwicklung von Ex- und Importen - das Wachstum. Zwar wurden nach den vorläufigen Berechnungen mehr Waren und Dienstleistungen exportiert als Ende 2014. Deutschlands Importe stiegen den Angaben zufolge real aber noch sehr viel kräftiger. "Das ist die Schattenseite der stärkeren Binnennachfrage", sagte Ökonom Andreas Scheuerle von der Dekabank.

Es sei zwar enttäuschend, dass die Exporte trotz des schwächeren Euro noch nicht in den nächsthöheren Gang geschaltet hätten, sagte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar: "Die schwache Konjunktur in wichtigen Absatzmärkten (vor allem USA) dürfte hier zu Jahresbeginn spürbar gebremst haben, in den kommenden Quartalen jedoch als Bremsfaktor zunehmend wegfallen."

Trotz der Delle zum Jahresauftakt blicken Ökonomen mit Zuversicht auf die deutsche Wirtschaftsentwicklung im laufenden Jahr. "Der Aufschwung ist intakt. Wir erwarten ein solides Wachstum der deutsche Wirtschaft in den kommenden Quartalen", betonte Unicredit-Volkswirtin Martina von Terzi. Auch Scheuerle ist überzeugt: "Die Konjunktur wird wieder Fahrt aufnehmen."

Zuletzt hatten zahlreiche Konjunkturforscher ihre Wachstumsprognosen für 2015 angehoben. So erhöhte der Sachverständigenrat seine BIP-Prognose von 1,0 auf 1,8 Prozent für 2015. Im Vorjahr war die deutsche Wirtschaft um 1,6 Prozent gewachsen.

Für den Euroraum rechnet die EU-Kommission im laufenden Jahr mit einem BIP-Wachstum von 1,5 Prozent. Der Aufschwung in Europa wird vor allem von günstigen Ölpreisen und dem schwachen Euro angeheizt.

dpa

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