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Deutsche Stahlbranche beklagt "dramatische Entwicklung"

Stahl Deutsche Stahlbranche beklagt "dramatische Entwicklung"

Nun bekommen auch die deutschen Stahlkocher die Branchenkrise zu spüren: In den Auftragsbüchern herrscht zunehmend Ebbe. Die Branche redet bereits von einem "Schicksalsjahr". Gefordert werden weitere Schutzmaßnahmen gegen die Billig-Konkurrenz aus China.

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Arbeit am Hochofen: Die europäische Stahlbranche leidet unter dem heftigen Verfall der Preise.

Quelle: Holger Hollemann

Düsseldorf. Auch die deutsche Stahlindustrie kann sich nach Einschätzung ihres Branchenverbands der anhaltenden Krise auf dem Stahlmarkt nicht mehr entziehen.

Selbst die wettbewerbsfähigen deutschen Hersteller litten mittlerweile unter der "dramatischen Entwicklung", beklagte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans Jürgen Kerkhoff bei der Handelsblatt-Tagung "Stahlmarkt" in Düsseldorf.

So habe sich die Auftragslage der deutschen Stahlkocher in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres "deutlich verschlechtert", berichtete Kerkhoff.

Während die Bestellungen um sechs Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zurückgegangen seien, sei der Auftragsbestand sogar um 13 Prozent auf 7,2 Millionen Tonnen regelrecht eingebrochen.

Für das laufende Jahr rechnet der Branchenverband in Deutschland jedoch nur mit einem Rückgang der Rohstahlproduktion um drei Prozent auf 41,5 Millionen Tonnen.

Mit einem Wert von 86 Prozent befinde sich die Kapazitätsauslastung der deutschen Hersteller derzeit noch auf einem relativ hohen Niveau. "Dies darf jedoch nicht den Blick auf eine zunehmend als bedrohlich eingestufte wirtschaftliche Lage verstellen", so Kerkhoff. 2016 werde damit zum "Schicksalsjahr" der Branche.

Die deutsche Stahlindustrie fordert unterdessen weitere Schutzmaßnahmen gegen Billigimporte aus China. "Die Höhe der bisherigen Ausgleichszölle ist bei weitem nicht ausreichend, um die Flut von Importen einzudämmen", sagte Kerkhoff. Die EU müsse endlich die international möglichen Anti-Dumping-Spielräume voll ausschöpfen und schneller auf unfaire Einfuhren reagieren. Die USA gingen dabei viel strenger vor. In der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland vorläufig mit Einfuhrzöllen belegt.

Die europäische Stahlbranche leidet unter dem heftigen Verfall der Preise. Die Lage hat sich in den vergangenen Monaten weiter verschärft, weil China angesichts der Abkühlung der eigenen Wirtschaft massenhaft Stahl auf den Weltmarkt wirft. Branchengrößen wie ArcelorMittal und Thyssenkrupp sind deshalb zuletzt in die roten Zahlen gerutscht. Am Montag hatten mehrere Tausend Stahlarbeiter in Brüssel gegen Wettbewerbsnachteile für die Branche in Europa demonstriert.

dpa

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