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Deutsche Wirtschaft trotzt Krisen

Konjunktur Deutsche Wirtschaft trotzt Krisen

China schwächelt, Millionen von Flüchtlingen stellen ganz Europa auf eine Belastungsprobe - und über allem schwebt ständige Terrorgefahr. Aber die deutsche Wirtschaft präsentiert sich als Fels in der Brandung. Die Industrie ist zuversichtlich, dass 2016 prächtig läuft.

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ZEW-Chef Clemens Fuest: «Wenn uns die Flüchtlingswelle schon trifft, dann ist jetzt allerdings ein guter Moment. Wir können es uns leisten zu helfen».

Quelle: Uli Deck

Berlin. Die deutsche Wirtschaft lässt sich von Flüchtlingskrise, Terrorgefahr und China-Schwäche nicht beirren - und schafft nach Einschätzung der Industrie 2016 ein Wirtschaftswachstum von knapp zwei Prozent.

Als Treibstoff gelten günstige Ölpreise, niedrige Zinsen und der schwache Euro zum US-Dollar, was deutsche Exporte billiger macht. Das treibe den Konsum an: "Wer weniger Geld fürs Tanken und Heizen braucht und fürs Sparen nicht belohnt wird, der gibt mehr Geld aus", sagte der Präsident des Industrieverbandes BDI, Ulrich Grillo, am Mittwoch in Berlin. Die Industrie ist mit ihrer Prognose deutlich zuversichtlicher als andere Ökonomen oder die Bundesregierung.

Treffen die BDI-Prognosen ein, würde der kräftige Aufschwung der deutschen Wirtschaft 2016 bereits ins dritte Jahr gehen. 2014 schaffte sie bereits 1,6 Prozent Wachstum, nach mageren 0,3 Prozent 2013. Für 2015 rechnen Ökonomen mit einem Plus der Wirtschaftsleistung von 1,7 Prozent. Wie es im abgelaufenen Jahr genau lief, wird das Statistische Bundesamt am Donnerstag bekanntgeben.

Die Konjunktur wird laut BDI von der guten Lage am Arbeitsmarkt - wo 2015 mehr als 700 000 sozialversicherungspflichtige Jobs geschaffen wurden - und weiter steigenden Einkommen der Privathaushalte angetrieben. "Nachhaltig ist dieser Trend nicht. Vor allem darf er kein Ruhekissen für unsere Politik sein", meinte Grillo. Es müsse dringend mehr Geld in die Sanierung der maroden Infrastruktur gesteckt werden.

Der Leiter des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Clemens Fuest, rechnet auf dem Arbeitsmarkt 2016 mit einer weiteren Erholung. Da sich die Wirtschaft sehr solide entwickle und die deutsche Wettbewerbsfähigkeit durch die niedrige Bewertung des Euro noch verbessert werde, sei die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin groß. "Wir erreichen bei der Beschäftigung wohl neue Höchststände", prognostizierte Fuest.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger schlug derweil die Einführung einer Anleihe zur Verbesserung von Infrastruktur und Bildung vor. "Wenn der Staat mehr Investitionen durchführen würde, wäre das eine Win-Win-Situation. Die Sparer würden höhere Zinsen bekommen, und auf der anderen Seite hätten wir auch eine bessere Infrastruktur, von der alle profitieren würden", sagte er dem ARD-Wirtschaftsmagazin "Plusminus".

Neben der immer noch steigenden Rekordbeschäftigung in Deutschland gelten die niedrigen Spritpreise als Treibstoff für den ohnehin starken Konsum der privaten Haushalte. Diesel ist derzeit so günstig wie seit Jahren nicht. An einigen Tankstellen kostete am Mittwochmittag ein Liter mit 0,899 Euro sogar weniger als 90 Cent, wie aus den Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts hervorgeht.

Keine Probleme erwartet die Wirtschaft wegen der Milliardenkosten für die Integration Hunderttausender Flüchtlinge und Asylbewerber. "Kurzfristig werden die Ausgaben für Neuankömmlinge die Konjunktur sogar ankurbeln", glaubt BDI-Präsident Grillo. Die Unternehmen wüssten aber noch zu wenig über die Qualifikation der Migranten. Klar sei, es werde lange dauern, viele Flüchtlinge "mit dem Betriebssystem Deutschland" vertraut zu machen und in den Arbeitsmarkt zu bringen. Der Staat müsse Sprachkurse und genügend Wohnraum anbieten.

Das deutsche Baugewerbe rechnet in diesem Jahr mit einem Umsatzplus von drei Prozent - auch wegen der vielen Flüchtlinge, die untergebracht werden müssen. "Die Auftragsbücher sind für die nächsten Monate gut gefüllt. Ein Orderzuwachs um 14 Prozent belegt die gute Auftragslage", berichteten Spitzenvertreter des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie (HDB) und des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB) in Berlin. HDB-Präsident Thomas Bauer betonte allerdings, die Baufirmen seien keine Profiteure der Flüchtlingskrise. "Natürlich wird am Bau zur Zeit sehr, sehr viel verdient, aber nicht mit dem Herstellen von Gebäuden, sondern mit dem Handel mit Immobilien", sagte er. 

Wirtschaftliche Gewinne für Deutschland durch die steigenden Flüchtlingszahlen erwartet Fuest, indes nicht. Die Zuwanderung sei zunächst einmal eine finanzielle Belastung für den deutschen Staat, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Ausgaben wirkten zwar wie ein Konjunkturprogramm, doch das allein sei weder positiv noch eine Chance. "Konjunkturimpulse und ökonomische Gewinne für Deutschland sind zwei verschiedene Dinge, die man auseinanderhalten muss", sagte er. "Deutschland braucht derzeit keine Konjunkturstütze, die Wirtschaft läuft gut."

dpa

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