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Wirtschaft Die Bewährungsprobe kommt erst noch
Nachrichten Wirtschaft Die Bewährungsprobe kommt erst noch
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21:45 23.02.2017
Börse in New York. Quelle: imago/UPI Photo
Hannover

Eine Menge Menschen leben davon, vorauszusagen, wie sich die Finanzmärkte entwickeln werden. Ein gewisses Misstrauen ist da immer angebracht, denn wenn sie es wirklich wüssten, müssten sie ja nicht von ihren Prognosen leben. Doch so drastisch wie in den vergangenen Monaten haben die Experten selten danebengelegen. Ob Brexit-Entscheidung, Italien-Referendum oder US-Wahl – der befürchtete Börsenuntergang fiel aus. Nach der Wahl Donald Trumps trat sogar das glatte Gegenteil ein: Die Aktienkurse stürzten nicht ab, sondern begannen Anfang November einen Aufstieg, der den Deutschen Aktienindex und den amerikanischen Dow Jones seitdem um 15 Prozent nach oben getrieben hat, auf Rekordniveau. Das Kapital, dieses angeblich scheue Reh, schlug sich nicht in die Büsche, sondern wurde angelockt.

Im Nachhinein ist das – wie meistens – einfach zu erklären. Trump kündigt ein riesiges Ausgabenprogramm an, das Aufträge für Unternehmen bedeutet. Er sagt Steuererleichterungen zu, die steigende Gewinne bringen. Und er will die Bankenregulierung lockern, was dem Finanzsektor das Verdienen erleichtern wird. Das galt lange als Wahlkampfgeklingel, wie man den ganzen Kandidaten nicht ernst nahm. Doch als sich der Eindruck verfestigte, dass es wahr werden könnte, strebten die Börsianer Richtung Geldquelle. Liefern die Finanzmärkte dem US-Präsidenten nun jene Bestätigung, die ihm der größte Teil der restlichen Welt verweigert?

Kein Vertrauensvotum für die US-Politik

Nein, es hat sich noch kein Wirtschaftsexperte gefunden, der in Trumps Ankündigungen eine Lösung struktureller Probleme der USA sieht. Alles, was bisher zu hören ist, lässt ein klassisches Strohfeuer erwarten, einen allenfalls kurzfristigen Profit. Das Konjunkturprogramm mag zunächst Wirkung zeigen, wird aber rasch eine ungesunde Dollar-Stärke und wachsende Haushaltsdefizite nach sich ziehen. Die von Trump geplanten Handelsbarrieren würden sich anfangs in steigenden Verbraucherpreisen in den USA niederschlagen und, wegen internationaler Gegenmaßnahmen, nach und nach die gesamte Wirtschaftswelt verdüstern.

Das sieht man an den Börsen nicht anders. Aber das hindert niemanden daran, erst einmal am erwarteten Strohfeuer mitzuverdienen. Immerhin: Die letzten Schritte in Richtung Rekordkurse sind bereits kleiner geworden, offenbar trauen die ersten Anleger der Sache selbst nicht mehr so recht.

Der Höhenflug der Börsen seit November ist jedenfalls kein Vertrauensvotum für die US-Politik. Das Geld nutzt einfach nur kurzfristige Chancen und reagiert dabei genauso schnell und spontan, wie Trump twittert. Und es kann eines Tages vor den Folgen seiner Politik schnell wieder fliehen. Die eigentliche Bewährungsprobe für die amerikanische Wirtschaft kommt nach dem Strohfeuer.

Von RND/Stefan Winter

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