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Wirtschaft Draghi kriegt nicht die Kurve
Nachrichten Wirtschaft Draghi kriegt nicht die Kurve
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17:27 08.12.2016
EZB-Präsident Mario Draghi. Quelle: dpa
Hannover

Überraschungen sollte ein Notenbankpräsident nicht liefern. Nichts bringt Finanzmärkte so leicht durcheinander, wie Unberechenbarkeiten in der Geldpolitik. Also ist die EZB in dem Rahmen geblieben, den man erwartet hatte, und die Aktienmärkte danken es mit weiterem Anstieg. Die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihekäufe werden verlängert, dafür aber im monatlichen Umfang reduziert. Das Signal ist klar: Europa wird noch sehr lange mit extrem billigem Geld leben. Ein Ausstieg aus dieser Politik, das sagte EZB-Präsident Mario Draghi klipp und klar, ist nicht in Sicht.

Was Bauherren, Finanzminister und andere Kreditnehmer freut, ist für Sparer, Versicherer und Pensionskassen eine schlechte Nachricht. Sie werden für ihr Geld auch weiterhin kaum Rendite bekommen und schlimmer noch: Weil die Inflation langsam anzieht, wird der reale Wert des zurückgelegten Geldes immer öfter schrumpfen. Draghi nimmt das hin, für ihn ist es Teil des Konzepts: Die Leute sollen nicht sparen, sondern ihr Geld ausgeben. Nur so ist aus seiner Sicht die seit Jahren schwache europäische Wirtschaft wieder in Gang zu bringen. Dass die EZB damit vor allem in Deutschland immer mehr Rückhalt verliert, nimmt er in Kauf.

In den vergangenen Wochen war immer wieder über eine sanfte Rückkehr zu „normaler“ Geldpolitik spekuliert worden. Die ist jetzt wieder in weitere Ferne gerückt. Vor allem die politische Unsicherheit in seiner italienischen Heimat hindert Draghi daran, das Risiko eines Kurswechsels einzugehen. Allerdings muss man sich langsam fragen, ob er überhaupt noch die Kurve bekommt. Irgendwas ist schließlich immer.

Von Stefan Winter

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