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Wirtschaft Dürre ist nur eines von vielen Problemen in der Landwirtschaft
Nachrichten Wirtschaft Dürre ist nur eines von vielen Problemen in der Landwirtschaft
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13:25 31.07.2018
Die Dürre hat die Milchbauern in Deutschland im Griff: Wegen der ausgedorrten Felder muss im Juli Winterfutter verfüttert werden. Quelle: dpa
Hannover

Die Landwirte in Deutschland haben große Angst um ihre Ernte. Was für ambitionierte Freizeitgärtner schon eine Herausforderung ist, treibt vielen Landwirten angesichts verdorrender Felder Kummerfalten auf die Stirn. Bauernverbände rechnen etwa bei der Getreideernte in vielen Regionen des Landes mit Ausfällen. Bauernverbands-Präsident Joachim Rukwied fürchtet gar ein „existenzbedrohendes Ausmaß“ in Teilen der Bundesrepublik. Die Landwirte fordern deshalb rasche Nothilfen von der Bundesregierung. Doch die anhaltende Dürre ist nicht das einzige Problem der Bauern.

Handelskrieg

Landwirtschaftliche Produkte sind längst Spielball der Globalisierung. Schweinehälften werden von Deutschland nach China exportiert, das Soja-Futter für die Tiere kommt aus den USA. Währungsschwankungen und Zölle haben deshalb einen großen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg der Bauern. Gerade im aktuellen Handelsstreit sind deshalb auch viele Bauern besorgt. Letzter Akt: US-Präsident Donald Trump verlangt von der EU, der USA mehr Soja abzunehmen, weil der bisherige Großabnehmer China die Zölle für Soja-Importe aus den USA erhöht hat.

Preisdumping beim Fleisch

Die großen Lebensmittelketten werben mit Dumpingpreisen für Fleisch. Die Erzeuger sind in einer Zwickmühle: Auf der einen Seite bekommen sie beim Lebensmittelhandel wenig Geld für ihr Fleisch, auf der anderen Seite stehen sie wegen der Haltungsbedingungen immer wieder bei Umweltschützern in der Kritik. Um niedrige Preise anbieten zu können, pferchen sie Hühner, Schweine oder Kühe in immer größere Ställe. Kleinere Betriebe bleiben dabei auf der Strecke. So hat sich etwa die Zahl der Schweinehalter seit 2010 halbiert.

Kürzung der EU-Agrarsubventionen

Viele Landwirte sind von der Förderung der Europäischen Union abhängig. Pro Jahr fließen etwa 58 Milliarden Euro aus der EU zu den europäischen Landwirten, der Großteil davon als Direktzahlungen. Hierzulande erhält jeder Agrarbetrieb im Schnitt etwa 280 Euro pro Hektar an Direktzuschüssen. Die Sorge der Bauern: EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger will den Agraretat ab 2021 deutlich kürzen. Die Direktzahlungen an Landwirte sollten dann um 4 Prozent, die Gelder für den gesamten Agrarbereich unterm Strich um 5 Prozent gekürzt werden. Zudem könnten die Direktzahlungen für einzelne Betriebe künftig ab einer bestimmten Summe gedeckelt werden.

Milchkrise

Seitdem es die Milchquote der EU nicht mehr gibt, wird wesentlich mehr Milch erzeugt – und die Preise fallen. Vor zwei Jahren waren sie so niedrig, dass sie viele Landwirte in eine existenzielle Krise gestürzt haben. Auch Anfang dieses Jahres gab es Warnungen, die Preise könnten wieder abstürzen. Aber der Markt hat sich erholt und soll in der zweiten Jahreshälfte besser werden. Im Mai lag der Erzeugerpreis pro Liter Milch bei 32 Cent. Experten sprechen oft davon, dass Mindestens 35 Cent je Liter nötig sind, um die Kosten zu decken.

Ende der Zuckerquote

Seit dem Ende der EU-Zuckerquote im Oktober 2017 ist der bis dahin streng reglementierte Markt international geöffnet. Die Zuckerrübenbauern haben seit dem keinen garantierten Mindestpreis mehr – dürfen aber anbauen, soviel sie wollen. Für die Rübenbauern eine völlig neue Situation – denn der Zuckpreis befindet sich seitdem im Sinkflug.

Wetterextreme

Die derzeitigen Wetterextreme bedeuten für Landwirte erhebliche Risiken bis hin zum Totalausfall der Ernte. An diesem Dienstag wollen Bund und Länder eine erste Bestandsaufnahme machen, was die anhaltende Hitze auf den Feldern und Wiesen angerichtet hat. Außerdem kommen Ministeriumsexperten von Bund und Ländern in Berlin zusammen, um über die Lage zu beraten. Am Mittwoch will Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) dann auch das Kabinett informieren. Beschlüsse über mögliche Bundeshilfen werden von beiden Terminen nicht erwartet. Das Agrarministerium hat bereits mitgeteilt, dass über besondere Bundeshilfen erst nach der für Ende August geplanten Abschlussbilanz der Ernte entschieden werden soll.

Von ang/RND/dpa

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