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Wirtschaft Nur wenige Landwirte beantragen Dürrehilfen
Nachrichten Wirtschaft Nur wenige Landwirte beantragen Dürrehilfen
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12:18 13.10.2018
Die Dürre hatte auch die Obst- und Gemüsebauern in diesem Jahr hart getroffen, so auch den Obsthof Pohritzsch. Quelle: Obsthof Pohritzsch
Altenburg

Temperaturen bis zu 39 Grad Celsius haben diesen Sommer mancherorts Dorfteiche austrocknen und die Ernte auf den Feldern verkommen lassen. Mindestens 90 Millionen Euro Dürreschäden sollen Landwirten in Thüringen dadurch entstanden sein, 260 Betriebe in Thüringen seien in ihrer Existenz bedroht. Friedrichsthal bei Nordhausen machte Schlagzeilen als trockenster Ort der ganzen Republik. Um zu helfen, werden etwa 15 Millionen Euro je zur Hälfte von Erfurt und Berlin bereitgestellt. Das hatten die Thüringische Landesregierung und das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft beschlossen. Die Entschädigungssumme pro landwirtschaftlichem Betrieb ist dabei auf 500 000 Euro gedeckelt.

Aus dem Altenburger Land werden aber wohl nur wenige Landwirte diese Finanzspritze in Anspruch nehmen, meint Arnfried Völlm. Er ist Amtsleiter am Landwirtschaftsamt Zeulenroda, das für das Altenburger Land und den Saale-Orla-Kreis zuständig ist. Das habe aus seiner Sicht verschiedene Gründe. „Zum einen ist die Situation hier für die meisten Landwirte nicht existenzbedrohend, zum anderen sind vielen die bürokratischen Hürden zu hoch“, sagt Amtsleiter Völlm. Die Situation sei aber von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich.

Landwirte beklagen hohe Kriterien für Dürrehilfen

Erste Voraussetzung dafür, dass Landwirten der Antrag auf Dürrehilfe gewährt wird, ist ein nachweisbarer Ernteausfall von 30 Prozent gegenüber den drei Vorjahren. „Diesen Wert erreichen wir im Altenburger Land vermutlich nur bei Weide- und Feldgräsern“, sagt Bernd Apel, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Altenburger Land. „Bei Getreide und Mais kommen wir vielleicht auf Ernteverluste von 15 bis 20 Prozent gegenüber den Vorjahren.“ Auch Apel glaubt, dass die Kriterien für die finanzielle Hilfe sehr hoch gesetzt sind. „Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe im Altenburger Land erfüllen sie womöglich nicht“, sagt er.

Dürrehilfen gibt es außerdem nur für Landwirte, die unterhalb der Prosperitätsgrenze liegen und über kein großes Privatvermögen verfügen. Die Prosperitätsgrenze orientiert sich an der Summe der positiven Einkünfte gemäß des Steuerbescheids und darf nicht 120 000 Euro für Eheleute und 90 000 Euro für Alleinstehende überschreiten. Die privaten Finanzen offen zu legen, hat auch Familie Geier vom gleichnamigen Obstgut aus Lumpzig vom Beantragen der staatlichen Hilfen abgeschreckt. „Das grenzt ja schon an nackig machen“, sagt Manja Köhler-Geier vom Obstgut.

Manche Schäden werden erst in Folgejahren sichtbar

Obwohl die Familie in diesem Jahr große Ernteausfälle beim Obst erlebt hatte (die OVZ berichtete), sei es schwer, dies auf dem Papier nachzuweisen. „Bei den Johannisbeeren lag unser Ernteausfall bei über 50 Prozent. Äpfel konnten wir ernten, aber sie waren sehr klein und nur für die Produktion von Mus oder Saft geeignet“, erzählt Köhler-Geier. Welchen dauerhaften Schaden die Obstbäume durch die Dürre genommen haben, zeige sich außerdem erst in den kommenden Jahren. „Es ist kompliziert. Ich denke daher nicht, dass wir die Voraussetzungen erfüllen würden“, meint die Landwirtin.

Bernd Apel hofft darauf, dass Landwirten, die alle Kriterien erfüllen, noch dieses Jahr Geld ausgezahlt wird. Das hatte auch Staatsekretär Klaus Sühl angekündigt, als er beim Tag der Altenburger zu Besuch war. Sühl hatte in einer kurzen Rede beim Bauernmahl in der Orangerie die hohen bürokratischen Anforderungen der Dürrehilfen kritisiert. Auch er sei nicht zufrieden mit den Entscheidungen aus Berlin gewesen und habe sich ein einfacheres Verfahren gewünscht. Bis zum 2. November können Landwirte, die schwere Verluste bei den Ernteerträgen durch die Dürre zu verzeichnen haben, einen Antrag auf finanzielle Hilfe bei der Thüringer Aufbaubank stellen.

Von Pia Siemer

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