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EU-Regeln: Deutsche-Bank-Chefs kritisieren deutsches Vorpreschen

Banken EU-Regeln: Deutsche-Bank-Chefs kritisieren deutsches Vorpreschen

Dass bei Bankkrisen nicht mehr Steuerzahler, sondern Aktionäre und Gläubiger zahlen sollen, findet die Deutsche Bank grundsätzlich richtig. Doch die frühe Umsetzung europäischer Regeln habe Deutschland zum Sonderfall gemacht, klagen die Bankchefs.

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Die Bundesregierung habe «zwar das Problem des Haftungskapitals gelöst, aber andere Probleme geschaffen», sagt Cryan.

Quelle: Boris Roessler/Archiv

Frankfurt/Main. Die Deutsche-Bank-Spitze macht den Gesetzgeber und laufende Rechtsstreitigkeiten für das Misstrauen an den Märkten gegenüber dem Geldhaus mitverantwortlich.

Das Vorpreschen der Bundesregierung bei der Umsetzung neuer europäischer Haftungsregeln für Anleihegläubiger habe Deutschland in einem internationalen Markt zum Sonderfall gemacht, sagten die beiden Co-Chefs John Cryan und Jürgen Fitschen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die Bundesregierung habe "zwar das Problem des Haftungskapitals gelöst, aber andere Probleme geschaffen", sagte Cryan. "Das hat viele Investoren verunsichert, und uns ist es nicht gelungen, diese sehr technischen Aspekte klar und deutlich zu kommunizieren." Fitschen betonte: "Es ist wichtig, an globalisierten Kapitalmärkten einheitliche Regeln zu haben. Nationale Alleingänge bringen nichts. Das hat sich hier wieder einmal gezeigt."

Die neuen Regeln sollen sicherstellen, dass Banken im Fall einer Schieflage nicht mehr zuerst auf Hilfsgelder aus der Staatskasse bauen. In Deutschland gilt die vorrangige Haftung von Aktionären und Gläubigern seit 1. Januar 2015 - ein Jahr früher als die EU vorgegeben hatte. In der Folge wurden bestimmte Anleihen deutscher Banken von Ratingagenturen als riskanter eingestuft. "Das ist bislang nur in Deutschland so, was uns international zu einem Sonderfall macht", erklärte Fitschen. Grundsätzlich begrüßt Deutschlands größtes Geldhaus die neuen Haftungsregeln, die Steuerzahler schonen sollen.

Anfang Februar war der Druck auf die Deutsche Bank am Aktien- und Anleihenmarkt so groß geworden, dass sich der Dax-Konzern zu einem ungewöhnlichen Schritt genötigt sah: Die Bank gab ein öffentliches Bekenntnis zu ihrer Zahlungsfähigkeit ab und versicherte, genügend Geld zu haben, um die Zinsen auch auf neue, besonders riskante Schuldscheine zahlen zu können.

In dem Interview mit der "FAZ" bekräftigte Cryan nun, Zweifel an der Zahlungsfähigkeit der Bank seien "absurd": "Wir verfügten Ende 2015 über eine Liquiditätsreserve von 215 Milliarden Euro. Daran hat sich nicht viel geändert. Wir sind in der Lage, unseren gesamten Anleihenbestand von 107 Milliarden Euro zweimal zurückzukaufen. Unser Problem ist, dass wir über zu viel Barmittel verfügen, die uns viel Geld kosten. Aber die Regulatoren wünschen das so."

Für Misstrauen an den Märkten sorgt auch der nach wie vor gewaltige Berg an Rechtsstreitigkeiten, wie das Führungsduo einräumte. "Die Investoren wollen wissen, wie es hier weitergeht", sagte Fitschen. "Deshalb tun wir alles dafür, bis zum Jahresende hier mehr Klarheit zu schaffen." Fitschen scheidet nach der Hauptversammlung am 19. Mai aus, Cryan soll den Konzern dann als alleiniger Vorstandschef führen.

Im vergangenen Jahr war die Deutsche Bank wegen teurer Rechtsstreitigkeiten, Abschreibungen und Kosten für die geplante Streichung von netto 9000 Stellen mit 6,8 Milliarden Euro in die roten Zahlen gestürzt.

Die Gespräche zum Stellenabbau laufen. Verdi-Chef Frank Bsirske, der im Deutsche-Bank-Aufsichtsrat sitzt, sagte dem "Handelsblatt" (Montag): "Wir als Verdi werden alles daransetzen, den Personalabbau und die Filialschließungen so weit wie möglich zu reduzieren und personelle Maßnahmen nur auf freiwilliger Basis zustande kommen zu lassen." Er gehe davon aus, "dass wir weitestgehend ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen", sagte Bsirske.

dpa

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