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Wirtschaft EU nimmt Monsanto-Bayer-Fusion ins Visier
Nachrichten Wirtschaft EU nimmt Monsanto-Bayer-Fusion ins Visier
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17:35 22.08.2017
Die EU-Kommission will die Risiken des Zusammenschlusses für den Wettbewerb in der Agrarchemie genauer unter die Lupe nehmen. Bayer reagiert gelassen. Der Konzern hält an seinem Zeitplan fest – obwohl der nun eng wird. Quelle: dpa
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Brüssel

Es wäre bereits die dritte Megafusion innerhalb eines Jahres: Wenn der deutsche Pharmakonzern Bayer das US-amerikanische Landwirtschaftsunternehmen Monsanto übernehmen darf, könnte es praktisch diktieren, welches Saatgut auf den europäischen Äckern landet und mit welchem Gift Unkraut und Ungeziefer bekämpft werden. Doch noch ist der 62-Milliarden-Euro-Deal nicht durchgewunken. Am gestrigen Dienstag leitete die EU-Kommission, die als Aufsichtsbehörde für den Wettbewerb im Binnenmarkt wacht, eine eingehende Untersuchung an. Dabei hatten Kritiker gar nicht mit Widerstand aus Brüssel gerechnet.

„Ich habe Postkarten, E-Mails, Tweets von besorgten Menschen bekommen“, schreibt Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager schließlich selbst auf dem Kurznachrichtendienst Twitter und verwies auf die nun eingeleitete eingehende Prüfung. „Wir waren überrascht“, sagte Gentechnikexpertin Heike Moldenhauer vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dieser Zeitung: „Wir hatten eher befürchtet, dass die Kommission grünes Licht gibt“, so die Umweltaktivistin. Mit der Untersuchung hat sich die EU-Wettbewerbsbehörde stattdessen eine weitere Bedenkzeit erkauft. Die endgültige Entscheidung muss bis spätestens zum 8. Januar 2018 fallen – 90 Arbeitstage nach der Anmeldung des geplanten Zusammenschlusses am 30. Juni dieses Jahres.

Das weltweit größte integrierte Pestizid- und Saatgut-Unternehmen

Dabei sind die Bedenken groß, nicht nur in der EU-Institution. Europaabgeordnete aus verschiedenen Mitgliedstaaten hatten sich bereits vor Monaten an die Kommission gewandt mit der Forderung, sie möge die Fusion verbieten. Der Grünenabgeordnete Sven Giegold begrüßte im Gespräch mit dieser Zeitung die angekündigte Untersuchung als „ersten richtigen Schritt“: „Jetzt darf es keinen wachsweichen Deal zwischen Bayer und EU Kommission geben. Bauern und Verbraucher leiden im Agrarbereich schon heute unter zu viel Machtwirtschaft“. Tatsächlich hatte die Behörde zuvor bereits die Übernahme der beiden US-Chemieunternehmen Dow und Dupont sowie des Schweizer Saatgutherstellers Syngenta durch den Konzern Chem China, wenn auch unter strengen Auflagen, bewilligt. Der Markt wird immer kleiner und von immer größeren Konkurrenten beherrscht – so es sie noch gibt.

Denn selbst die EU-Behörde befürchtet einschlägige Wettbewerbsbeschränkungen: „Die geplante Übernahme würde das weltweit größte integrierte Pestizid- und Saatgut-Unternehmen schaffen“, heißt es in der Erklärung der Kommission. Dabei geht es nicht nur um Herbizide und Gemüsesamen. Denn längst investieren beide Unternehmen auch in anderen Bereichen – vor allem bei den sogenannten agronomischen Merkmalen. Diese Charakteristika von Pflanzen werden in Laboren entwickelt und können natürlichen Arten zugeführt werden, wie etwa Resistenzen gegen Schädlinge oder Pflanzengifte.

Sorge um marktbeherrschenden Stellung

Bayer galt bislang als einer der wenigen Wettbewerber von Monsanto in diesem Bereich. Auch bei Forschungs- und Innovationsprogrammen von Weizen sind beide Konzerne aktiv, bei der Pflanzenzucht hat Monsanto die Nase vorne: In Europa sind seine Rapssamen führend, während Bayer weltweit den größten Marktanteil besitzt. Beide zählen zudem zu den wichtigsten Lizenzgebern bei Baumwollsaatgut. Selbst bei biologischen Pestiziden wie der Entwicklung von Produkten gegen die bienentötende Varroamilbe stehen Monsanto und Bayer im Konkurrenzkampf, der durch die Megafusion zu einer marktbeherrschenden Stellung werden könnte.

Als wahrscheinlich gilt, dass beide Unternehmen Bereiche werden verkaufen müssen, um die Zustimmung der Kartellbehörde in Brüssel zu erlangen. Bisherige Vorschläge gingen dieser nicht weit genug. BUND-Expertin Moldenhauer geht davon aus, dass Bayer seinen Glyphosat-Konkurrenten Glufosinat – einer der wenigen Alternativen zur Monsanto-Allzweckwaffe gegen Unkraut – abstoßen wird. „Bayer würde damit gut leben können, das war kein Verkaufsschlager“. Der BUND fürchtet, dass sich die Kommission von solchen Zugeständnissen überzeugen lassen wird. „An unserer Kritik, dass nach einer solchen Fusion Saatgut, Pestizide und Betriebssysteme zur Erfassung von Argrardaten aus einer Hand kommen, wird sich nichts ändern“, fürchtet man bei der Berliner Umweltbehörde schon jetzt.

Von Mirjam Moll

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