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Enttäuschung trotz Rekordgewinn: Börsianer strafen Amazon ab

Internet Enttäuschung trotz Rekordgewinn: Börsianer strafen Amazon ab

Der weltgrößte Online-Händler kann es Anlegern nicht Recht machen: Obwohl Amazon im Weihnachtsquartal einen Rekordgewinn schaffte, stürzte die Aktie. Dabei muss Amazon inzwischen schon eigene Lkw auf die Straße schicken, um den Nachfrageboom zu bewältigen.

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Blick in die Verpackungsebene des Amazon-Logistikzentrums.

Quelle: Peter Endig

Seattle. Gewinn mehr als verdoppelt, die Börsianer sind trotzdem enttäuscht: Der Online-Handelsriese Amazon hat zum Jahresende dank eines boomenden Weihnachtsgeschäfts soviel Geld verdient wie noch nie zuvor.

Doch die Erwartungen der Wall Street waren noch höher - die Aktie stürzte am Freitag vorbörslich um rund elf Prozent ab.

Der Gewinn sprang in dem Weihnachtsquartal auf 482 Millionen Dollar (440 Mio Euro) hoch, von 214 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Damit erzielte das Unternehmen das beste Quartalsergebnis seiner 19-jährigen Börsengeschichte. Analysten hatten jedoch mit einem deutlich höheren Gewinn gerechnet.

Auch der Umsatz blieb unter den Prognosen der Finanzprofis. Die Erlöse legten im Schlussquartal um 22 Prozent zum Vorjahr auf 35,7 Milliarden Dollar zu, wie Amazon am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Der starke Dollar, der Auslandseinnahmen nach Umrechnung in US-Währung reduziert, drückte die Zahlen. Ohne den Einfluss des Wechselkurses hätte das Umsatzplus bei 26 Prozent gelegen.

Das Geschäft brummte vor allem im nordamerikanischen Heimatmarkt, wo die Erlöse um 24 Prozent wuchsen. Finanzchef Brian Olsavsky sagte in der Telefonkonferenz nach Vorlage der Zahlen, Amazon baue eigene Logistik-Kapazitäten aus, weil die traditionellen Versanddienste in Spitzenzeiten von der Menge der Amazon-Lieferungen überfordert seien. Man wolle die Logistiker aber nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

Die Konkurrenz hatte zuletzt gemischte Ergebnisse vorgelegt - während die Quartalszahlen und der Geschäftsausblick vom deutlich kleineren Wettbewerber Ebay am Vortag enttäuschten, trotzte der große Rivale Alibaba den Konjunktursorgen in China und steigerte den Umsatz um über 30 Prozent.

Für das erste Quartal 2016 stellte Amazon einen Umsatz zwischen 26,5 und 29 Milliarden Dollar und ein operatives Ergebnis zwischen 100 und 700 Millionen Dollar in Aussicht.

In dem von Experten mit Argusaugen beobachteten Cloud-Geschäft, bei dem Daten, Dienste und Infrastruktur für Unternehmen ins Internet ausgelagert werden, verzeichnet Amazon zwar rasantes Wachstum. In der entsprechenden Sparte Web Services legten die Erlöse um 69 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar zu. Der operative Gewinn kletterte hier von 240 auf 687 Millionen Dollar. Doch viele Finanzprofis hatten mit einem noch größeren Anstieg gerechnet.

Dass Amazon überhaupt profitabel wirtschaftet, ist alles andere als die Regel. In der Vergangenheit hat das Unternehmen seine Aktionäre schon oft mit hohen Verlusten verprellt. Konzernchef Jeff Bezos investiert das Geld auch weiter mit vollen Händen, um die Vormachtstellung im E-Commerce zu verteidigen. Im Schlussquartal wuchsen die Ausgaben zum Vorjahr um gut 20 Prozent auf knapp 35 Milliarden Dollar.

Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 gelang es Amazon erstmals, bei Umsatz die Marke von 100 Milliarden Dollar zu knacken. Die Erlöse kletterten im Vergleich zum Vorjahr von 89 auf 107 Milliarden Dollar. Das Unternehmen verbuchte einen Nettogewinn von 596 Millionen Dollar. 2014 hatte Amazon noch mit einem Verlust in Höhe von 241 Millionen Dollar abgeschlossen.

dpa

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