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Eurokrise bringt deutschen Arbeitsmarkt (noch) nicht aus dem Takt

Arbeitsmarkt Eurokrise bringt deutschen Arbeitsmarkt (noch) nicht aus dem Takt

Erst sorgte der milde Winter für Schub, dann ließ ein unerwartet kräftiger Frühjahrsaufschwung die Zahl der Arbeitslosen sinken. Und auch im Juni lag die Zahl der Jobsucher mit 2,711 Millionen deutlich niedriger als im Vorjahr. Gemessen an den eher skeptischen Prognosen zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt zur Jahresmitte in einer ungewöhnlich robusten Verfassung - und das trotz vieler weltweiter Krisen und ungelöster Probleme im Euroraum.

Mit 2,711 Millionen Jobsuchern verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) die niedrigste Juni-Arbeitslosigkeit seit 1991.

Quelle: Jens Büttner

Nürnberg. m. Für Fachleute wird damit abermals deutlich: Den deutschen Stellenmarkt bringen auch heftigere Turbulenzen nicht mehr so leicht ins Wanken.

Seit Monaten vermeldet die Bundesagentur für Arbeit (BA) bei der Arbeitslosigkeit Rekordtiefstände. Lediglich kurz nach der Wiedervereinigung im Jahr 1991 weist die BA-Statistik eine niedrigere Erwerbslosigkeit aus - die Aussagekraft der in den turbulenten Nachwendejahren geführten Arbeitslosenstatistik ist freilich von zweifelhaftem Wert. Auf jeden Fall gibt es seit der zurückliegenden Jahreswende in Deutschland monatlich rund 100 000 bis 120 000 Arbeitslose weniger als im Flautejahr 2014. Und auch die Zahl der regulären Jobs liegt inzwischen um mehr als eine halbe Million höher als im Vorjahr.

Trotzdem zeigt sich auch die Bundesagentur nicht mehr so optimistisch wie noch vor ein paar Monaten. Ebenso wie Volkswirte deutscher Großbanken geht sie davon aus, dass der gegenwärtige Jobaufschwung im zweiten Halbjahr an Tempo verlieren wird. Erste Vorzeichen sind bereits spürbar. So sind für den kräftigen Schub im Juni fast nur noch saisonale Faktoren verantwortlich. Ohne diese Effekte wäre die Zahl der Erwerbslosen nur um 1000 gesunken; noch vor ein paar Monaten waren es bis zu 24 000.

Auch scheint bei der Beschäftigungsentwicklung vorerst das Ende der Fahnenstange erreicht zu sein: Die Zahl der Erwerbstätigen wuchs zuletzt kaum noch. Einige Ökonomen machen dafür hauptsächlich den Mindestlohn verantwortlich, der vor allem zum Verlust von Minijobs geführt hat. Nach Angaben der Minijob-Zentrale in Bochum gab es Ende März fast 190 000 Minijobs weniger als ein Jahr zuvor. Einige Volkswirte sehen in dem gebremsten Beschäftigungsaufbau aber auch eine Folge der wachsenden Unsicherheit in manchen Chefetagen - vor allem in jenen Betrieben, die ihre Produkte weltweit exportieren und für die weltweite Krisen rasch zur Absatzbremse werden können.

Nach Ansicht des Chefvolkswirts der KfW-Bankengruppe, Jörg Zeuner, könnte dagegen vor allem der zunehmende Fachkräftemangel zum Bumerang für den deutschen Arbeitsmarkt werden. "Die Klagen von Unternehmen über zunehmende Personalengpässe und unbesetzte Lehrstellen sollten ernst genommen werden. Sie werden in den nächsten Jahren noch lauter werden", betonte er am Dienstag in einer Kurzanalyse. Allein mit Zuwanderung werde man das Problem nicht lösen können, zeigte sich Zeuner überzeugt. Neben der stärkeren Rekrutierung von Frauen und Älteren sollte auch die gezielte Fortbildung von Arbeitslosen forciert werden.

Das hat man inzwischen auch bei der Bundesagentur erkannt. BA-Vorstandsmitglied Raimund Becker präsentierte am Dienstag ein ganzes Bündel von Maßnahmen, mit denen die Arbeitsagenturen Langzeitarbeitslosen, Behinderten und auch Flüchtlingen Jobbrücken bauen sollen. Vor allem Flüchtlinge geraten derzeit immer stärker in den Fokus der Nürnberger Bundesbehörde. Jobvermittler sollen daher künftig nicht mehr warten, bis Asylbewerber sich bei den Agenturen melden. Stattdessen sollen sie aktiv in die Flüchtlingsheime gehen und sich dort nach geeigneten Kräften umschauen. Diese werden dann aktiv von den Agenturen gefördert.

dpa

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