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Ex-Porschechefs Wiedeking und Härter beteuern Unschuld

Prozesse Ex-Porschechefs Wiedeking und Härter beteuern Unschuld

Der kleine Luxusauto-Hersteller Porsche wollte einst Europas Branchenprimus VW schlucken - die Übernahmeschlacht war ein Wirtschaftskrimi erster Güte. Doch der Plan ging nicht auf. Nun stehen der frühere Porsche-Chef Wiedeking und seine Vize vor Gericht.

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Wendelin Wiedeking (l), der damalige Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, und der damalige Finanzvorstand Holger Härter (r).

Quelle: Bernd Weißbrod

Stuttgart (dpa) - Juristische Aufarbeitung der gescheiterten VW-Übernahmepläne durch Porsche: Der frühere Vorstandschef Wendelin Wiedeking und sein ehemaliger Finanzvorstand Holger Härter haben vor dem Stuttgarter Landgericht alle Vorwürfe zurückgewiesen.

"Ich habe mir in der Sache nichts vorzuwerfen und bin davon überzeugt, von den haltlosen Vorwürfen freigesprochen zu werden", sagte der 63-jährige Wiedeking zum Prozessauftakt. Später beteuerte auch der 59 Jahre alte Härter seine Unschuld. Wiedeking und sein damaliger Vize sind wegen Marktmanipulation angeklagt. 

Wiedeking und Härter sollen 2008 verschleiert haben, beim Branchenriesen VW eine Dreiviertelmehrheit von Porsche angestrebt zu haben. Dadurch hätte Porsche massiven Einfluss auf die VW-Führung haben können. Der Plan scheiterte, Volkswagen drehte den Spieß um und machte den hoch verschuldeten Sportwagenbauer Porsche zu seiner Konzerntochter. Härter sagte, es habe nie einen Geheimplan zur VW-Übernahme gegeben. Der Einstieg sei damals notwendig gewesen, um die bestehenden Kooperationen anzusichern.

In der Anklage geht es um Verlautbarungen von Porsche im Zeitraum März 2008 bis Oktober 2008. In Pressemitteilungen, Zeitungsinterviews und Statements sollen die beiden Porsche-Manager und ihre Sprecher dementiert haben, die Aufstockung der Anteile auf 75 Prozent anzustreben. Die Verlautbarungen enthielten laut Staatsanwalt Aniello Ambrosio erhebliche unrichtige Angaben und sie waren "zudem geeignet, auf den inländischen Börsenpreis der VW AG einzuwirken".

Ende Oktober 2008 räumte die Porsche-Führung die Übernahmepläne öffentlich ein. Eine entsprechende Pressemitteilung war aus Sicht der Staatsanwaltschaft aber unvollständig, weil sie große finanzielle Risiken für den damaligen Übernahmepoker nicht enthielt.

Härter verteidigte die damalige Optionsstrategie. Um die schrittweise Aufstockung der Beteiligung an VW einigermaßen planbar zu machen, hatte sich Porsche mit Finanzinstrumenten gegen hohe Kursschwankungen abgesichert. Diese Optionen hätten die Kosten für den Beteiligungserwerb kalkulierbar gemacht, sagte Härter.

In der heißen Phase der Übernahme gab es heftige Kursausschläge der Aktie von Europas größtem Autobauer. Ende Oktober erreichte die VW-Aktie mit 1005 Euro ihr Allzeithoch, danach brach sie ein.

Einige Hedgefonds hatten 2008 auf fallende VW-Kurse gewettet. Nach einer Porsche-Pressemitteilung Ende Oktober, 2009 unter bestimmten Umständen auf einen VW-Anteil von 75 Prozent kommen zu wollen, griffen Anleger beherzt zu - im Glauben, es seien kaum noch VW-Aktien am Markt verfügbar. Der Kurs ging durch die Decke. "Es kam den Angeklagten darauf an, den Eindruck der dauerhaften Marktenge zu vermitteln", sagte Staatsanwalt Heiko Wagenpfeil. Später konnte Porsche seine Pläne doch nicht einlösen, die Firma kam nur auf einen VW-Anteil von etwa 51 Prozent.

Durch die Schwankungen an der Börse verloren vor allem Hedgefonds viel Geld. Im Publikum bei dem Prozess saßen zahlreiche Anwälte, unter ihnen auch Vertreter dieser Fonds. Dem Strafprozess wird eine gewisse Signalwirkung für parallel laufende Zivilverfahren zugerechnet, bei denen Anlegervertreter auf mehr als fünf Milliarden Euro Schadenersatz klagen.

Wiedeking warf der Staatsanwaltschaft Schützenhilfe für diese Vertreter hochspekulativer Anlagen vor, welche die Finanzkrise mitverursacht hätten. "Dass gerade diese "Spezialisten" von der Staatsanwaltschaft zu Opfern stilisiert werden, kann ich nicht nachvollziehen", sagte Wiedeking.

Der Prozess läuft planmäßig bis Januar. Im Falle einer Verurteilung wegen Marktmanipulation droht dem Duo eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren. Dies gilt aber als unwahrscheinlich. Nach Einschätzung von Juristen müssen sie allenfalls eine Geldstrafe befürchten.

dpa

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