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Flüchtlinge drängen ab Spätsommer auf den Arbeitsmarkt

Arbeitsmarkt Flüchtlinge drängen ab Spätsommer auf den Arbeitsmarkt

Noch stecken viele Flüchtlinge im Asylverfahren. Sobald das abgeschlossen ist, beginnt für sie die Jobsuche. Viele werden erst einmal arbeitslos sein. In der Statistik werde das vom Spätsommer an ablesbar sein, sind Volkswirte überzeugt.

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Ein Büro der Agentur für Arbeit in einer Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge.

Quelle: Sebastian Kahnert

Nürnberg/Berlin. Die deutschen Jobcenter müssen sich nach Experten-Einschätzung voraussichtlich vom Spätsommer an auf einen Andrang arbeitssuchender Flüchtlinge einstellen.

Bis dahin dürften viele der im Vorjahr nach Deutschland gekommenen Zuwanderer das Asylverfahren durchlaufen und sich arbeitslos gemeldet haben, prognostizierten Konjunkturforscher deutscher Großbanken in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Die Arbeitslosenzahl für Mai will die Bundesagentur für Arbeit an diesem Dienstag veröffentlichen.

Commerzbank-Volkswirt Eckart Tuchtfeld verweist dabei auf verschiedene von ihm durchgerechnete Szenarien. "Bei jedem Szenario kam ich zum Ergebnis, dass wir ab Spätsommer kräftige Impulse in Sachen Flüchtlingsarbeitslosigkeit sehen werden", berichtet er.

Ähnlich sieht das Heiko Peters von der Deutschen Bank. War die Zahl der Arbeitslosen aus den Asylzugangsländern seit Ende 2015 monatlich um rund 10 000 gestiegen, rechnet er künftig mit einem Anstieg von 15 000 bis 20 000 pro Monat. Im April waren 136 000 Männer und Frauen aus Asylzugangsländern in der Bundesrepublik arbeitslos gemeldet.

Felix Schröter vom Münchner Ifo-Institut unterstreicht die immer noch relativ lange Bearbeitungszeit von Asylanträgen beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): "Wenn man sich die jüngsten BAMF-Zahlen anschaut mit rund 50 000 Bescheiden im Monat, ist mit dem Flüchtlingseffekt auf dem Arbeitsmarkt wohl erst in der zweiten Jahreshälfte zu rechen", ist er überzeugt.

Spätestens zum Jahresende dürfte sich diese Entwicklung dann auch in den Arbeitslosenstatistiken stärker niederschlagen, glauben die Ökonomen. Fast alle von ihnen haben ihre Arbeitslosen-Prognose nach unten korrigiert. Die meisten rechnen nur noch mit einem Rückgang der durchschnittlichen Jahresarbeitslosigkeit um 50 000 bis 70 000 Menschen - statt 80 000 bis 100 000, wie bisher angenommen wurde.

Angesichts der stabilen Konjunktur, die nach Einschätzung von Allianz-Volkswirt Rolf Schneider derzeit besser als erwartet läuft, sehen die Ökonomen den Arbeitsmarkt weiter in guter Verfassung. Vor allem in den Dienstleistungsbranchen dürften in den kommenden Monaten neue Arbeitsplätze entstehen - allerdings nicht mehr in dem Tempo wie in den vergangenen Jahren, glauben die Fachleute.

Für den Mai gehen die Volkswirte von einem Rückgang der Arbeitslosigkeit um 70 000 bis 80 000 Menschen auf 2,66 bis 2,67 Millionen aus. Lediglich Deutsche-Bank-Ökonom Heiko Peters rechnet mit einer etwas gedämpfteren Entwicklung; nach seinen Berechnungen dürfte die Erwerbslosenzahl lediglich um 47 000 unter dem April-Niveau liegen - auch als Folge der verstärkt auf den Arbeitsmarkt drängenden Flüchtlinge.

Weitaus optimistischer ist Stefan Kipar von der BayernLB: Er rechnet im Mai mit einem Rückgang um 104 000 Menschen. Schließlich entstünden mit der rund laufenden Konjunktur weiterhin neue Jobs.

IG-Metall-Chef Jörg Hofmann appellierte an die Arbeitgeber, bei der Integration von Flüchtlingen stärker voranzugehen. Dem "Tagesspiegel" (Montag) sagte der Gewerkschaftsvorsitzende, die Unternehmen müssten hier noch zulegen: "Integration in Arbeit ist das beste Programm gegen Fremdenfeindlichkeit."

dpa

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