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Wirtschaft Flughafen Hahn „lebt vielleicht wieder auf“
Nachrichten Wirtschaft Flughafen Hahn „lebt vielleicht wieder auf“
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18:41 02.03.2017
Der angeschlagene Hunsrück-Airport Hahn soll mit dem neuen Investor aus China wieder ordentlich Aufwind bekommen. Quelle: dpa
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Hahn

Ein chinesischer Megakonzern übernimmt einen flügellahmen deutschen Provinzflughafen – ist der Hunsrück-Airport Hahn wieder im Aufwind? Nach dem ersten gescheiterten Verkaufsversuch mit der mutmaßlich betrügerischen Firma SYT 2016 ist am Donnerstag das Interesse am neuen Investor HNA in der Region um so größer. Manager der chinesischen Firmengruppe und der rheinland-pfälzische Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) informieren in einer Mitarbeiterversammlung und bei einem Treffen mit regionalen Firmenvertretern über die Pläne von HNA. Danach sind viele positive Töne zu hören – aber auch Skepsis und Unsicherheit. 

Der Mischkonzern HNA hat am Vorabend die rheinland-pfälzischen Anteile am defizitären Hahn für 15,1 Millionen Euro erworben. 82,5 Prozent sind das, somit haben die Chinesen hier nun das Sagen. Von sofort an seien HNA-Manager ständig an dem ehemaligen US-Fliegerhorst präsent, sagt Hahn-Sprecherin Hanna Hammer. „Das war bei SYT nicht so.“ Beim Verkauf der restlichen hessischen Anteile für um die zwei Millionen Euro an die pfälzische ADC GmbH hakt es dagegen nach einem geplatzten Notartermin noch im Detail. Auch der vollständige Eigentümerwechsel bei HNA wird erst im April erwartet.

„Der richtige Weg für Hahn“

Staatssekretär Stich sagt nach der Hahn-Mitarbeiterversammlung: „Ich hatte das Gefühl, dass die Informationen von HNA gut aufgenommen wurden.“ Und auch Hahn-Chef Markus Bunk betont: „Ich bin überzeugt, dass das der richtige Weg für den Hahn ist.“ Mehr als 300 Mitarbeiter hat der Airport - ob alle bleiben können, steht noch in den Sternen. Betriebsratschef Thomas Dillmann jedenfalls zeigte sich im Südwestrundfunk (SWR) optimistisch: „Sie haben zugesagt, dass keine Kündigungen ausgesprochen und alle Arbeitsverträge weiter Bestand haben werden.“

Der Geschäftsführer eines großen örtlichen Busunternehmens, Timo Bohr, sagt nach dem Firmentreffen, HNA wolle nach eigenen Angaben das Frachtgeschäft (2016: rund 73 000 Tonnen) ausbauen und das Passagieraufkommen (2016: etwa 2,5 Millionen) stabilisieren. „HNA macht einen guten und professionellen Eindruck“, sagt Bohr.

Skepsis hinsichtlich Ryanair-Zukunft

Dem schließt sich Martin Maser an, Kreisgeschäftsführer vom Deutschen Roten Kreuz: „Wahrscheinlich könnte man sich hier kaum einen besseren Investor aus dem Ausland vorstellen. Nach eigener Darstellung gehört HNA zu den 100 größten Unternehmen der Welt.“

Die Chinesen sind neben ihrem Tourismus- und Immobiliengeschäft viel in der Luftfahrt unterwegs. Sie verfügen nach eigenen Worten über zahlreiche Flughäfen und eine Flotte von mehr als 1250 Maschinen – und sind auch Großaktionär bei der Deutschen Bank.

Der Leiter des Zollamts am Flughafen Hahn, Klaus-Peter Müssig, hat ebenfalls einen guten Eindruck von HNA. „Ich bin beeindruckt, dass sie auch sagen, es soll bei 2,5 Millionen Passagieren im Jahr bleiben.“ Er sei aber „etwas skeptisch, wie es mit Ryanair weitergeht“. Europas größter Billigflieger ist am Hahn Platzhirsch, kreist sich dort aber selbst ein: Von Köln/Bonn und Luxemburg startet Ryanair bereits, Frankfurt/Main kommt Ende März hinzu.

Bäckereiverkäuferin Simone Drumm ist sich daher nicht sicher, ob HNA langfristig das Passagiergeschäft im Hunsrück aufrecht erhält. Für offizielle neue Informationen wäre sie dankbar. Drumm macht sich Mut: „Der Hahn ist schon so oft gestorben, vielleicht lebt er wieder auf.“ Bei Zustimmung ihres Chefs könnte es künftig vielleicht auch chinesische Backwaren bei ihr geben für neue Gäste aus dem Reich der Mitte.

„Besseres Gefühl, als beim ersten Verkaufsversuch“

Hotelier Michael Willwerth sagt, er habe ein besseres Gefühl als beim ersten Verkaufsversuch im Sommer 2016. Sehr in die Tiefe sei HNA bei der Vorstellung der Pläne aber nicht gegangen. Hier müsse genau auf die künftigen Investitionen geschaut werden.

Auch der Geschäftsführer der Hunsrück-Tourismus GmbH, Jörn Winkhaus, erwartet neues Wachstum am Hahn: „Sonst hätte der Kauf eines Flughafens keinen Sinn, wenn er nicht weiter entwickelt werden soll.“ Zum Glück sei HNA ein „sehr großer Player“.

Antonia Getmann, die ganz in der Nähe „Antonias Nähstube“ betreibt, freut sich, dass die Chinesen den Airport übernehmen: „Ich sehe eine gute Zukunft für den Hahn.“ Auch weiterhin glaube sie, dass viele Touristinnen und Flugbegleiterinnen zu ihr kämen.

Den neuen Optimismus am Hahn - Keli Kuloglu symbolisiert ihn in eigener Person. Der arbeitssuchende Mann sagt: „Ich habe mich hier gerade bei einer Sicherheitsfirma beworben. Sie haben mir Hoffnung für eine Stelle gemacht. In vier Wochen soll es mit einem Lehrgang losgehen.“

Von RND/dpa

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