Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Frauenanteil in Vorständen steigt nur langsam
Nachrichten Wirtschaft Frauenanteil in Vorständen steigt nur langsam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:56 09.01.2017
Wenn der Anteil weiter so gering steigt, sind erst im Jahr 2047 ein Drittel der Vorstandsposten mit Frauen besetzt. Quelle: dpa
Frankfurt/Main

Die Führungsgremien der größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland sind trotz politischem Druck häufig eine reine Männerdomäne. Der Frauenanteil in den Vorständen wächst nur langsam, wie eine am Montag veröffentlichte Auswertung der Beratungsfirma EY zeigt. Demnach arbeiteten zum 1. Januar 2017 in den 160 börsennotierten Firmen aus dem Dax, MDax, SDax und TecDax nur 45 weibliche Vorstände. Das seien sechs mehr als ein Jahr zuvor. Knapp 76 Prozent der Gremien seien aber weiter rein mit Männern besetzt.

45 weibliche Vorstände in 160 börsennotierten Firmen

Den 45 Frauen stehen laut der Analyse 630 männliche Vorstände gegenüber. Das ergebe einen Frauenanteil von 6,7 Prozent. Anfang 2016 waren es 5,9 Prozent, ein Jahr zuvor 5,2 Prozent. Wenn die Zahl der Frauen in den Vorständen weiter so langsam steige wie im letzten Jahr, werde es bis 2047 dauern, bis ein Drittel der Posten mit Frauen besetzt sei, rechnet EY vor. „Deutsche Vorstandsetagen sind nach wie vor mehrheitlich männliche Monokulturen“, sagt Hubert Barth, Vorsitzender der Geschäftsführung in Deutschland.

Deutlich höher ist der Frauenanteil in Aufsichtsräten. Bei den 30 Dax-Konzernen überschritt er nach früheren Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) insgesamt bereits die 30-Prozent-Marke. Die Bundesregierung hatte im Mai 2015 mit dem Gesetz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen den Druck auf Wirtschaft und Verwaltung erhöht.

Frauenquote nur im Aufsichtsrat

Seit dem 1. Januar 2016 verpflichtet das Gesetz 101 börsennotierte, voll mitbestimmungspflichtige Firmen bei Neubesetzungen im Aufsichtsrat sicherzustellen, dass mindestens 30 Prozent der Posten von Frauen besetzt werden. Eine Quote für Vorstände gibt es nicht, von dem Gesetz sollte aber Signalwirkung ausgehen.

Die Entwicklung bei den Aufsichtsräten zeige, dass es keine Frage des Könnens der Frauen, sondern eine Frage des Wollens der Unternehmen sei, meint Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der EY-Geschäftsführung. „Es gibt genügend qualifizierte Frauen für Vorstandsposten.“ Gemischte Teams brächten zudem bessere Leistungen.

Bei der Präsenz von Frauen in Vorständen liegen die 30 Großkonzerne aus dem Dax vorne. Sie weisen einen Quote von 11,3 Prozent aus. Im SDax haben weibliche Vorstände hingegen einen Anteil von 5,9 Prozent, noch weniger sind es im MDax (4,3) und dem TecDax (3,9).

Den höchsten Frauenanteil im Vorstand haben laut der Analyse Firmen aus der Telekommunikations- und Finanzbranche (je 14 Prozent) sowie der Transport- und Logistiksektor (13). Das Schlusslicht bilden die Branchen Industrie und Rohstoffe (je 4) sowie Technologie (1).

Von RND/dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!