Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Früherer SachsenLB-Vorstand weist Vorwürfe zurück
Nachrichten Wirtschaft Früherer SachsenLB-Vorstand weist Vorwürfe zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:20 05.10.2015
Kreditersatzgeschäfte über irische Zweckgesellschaften hatten die Bank 2007 an den Rand des Ruins gebracht. Quelle: Waltraud Grubitzsch/Archiv
Anzeige
Leipzig

Rund acht Jahre nach der Beinahe-Pleite der SachsenLB muss sich erstmals ein früherer Vorstand vor einem Strafgericht verantworten.

Dem Mann wird Bilanzfälschung vorgeworfen. Der 54-Jährige meldete sich am Montag im Landgericht Leipzig ausführlich zu Wort - und wies die Vorwürfe energisch zurück. Vorsätzlich habe er niemals Bankbilanzierungsregeln verletzt.

Die Staatsanwaltschaft hat den ehemaligen Firmenkunden-Vorstand der sächsischen Landesbank wegen unrichtiger Darstellung im Jahresabschluss 2005 angeklagt. Dort sollen Risiken verschleiert worden sein, die durch fragwürdige Kreditersatzgeschäfte über irische Gesellschaften entstanden waren. Diese Investmentgeschäfte brachten die Bank im Sommer 2007 an den Rand des Ruins.

Immer wieder betonte der 54 Jahre alte Banker, dass er kein Bilanzfachmann sei. Der fragliche 130-seitige Jahresabschluss trage zwar seine Unterschrift, aber er habe fast keinen Einfluss auf dessen Inhalt genommen. Unrichtigkeiten habe er nie vermutet und auch nie nachgeprüft. "Das hätte ich auch niemals bemerken können", sagte er.

Sein Kerngeschäft sei die Unternehmensfinanzierung gewesen. Mit den spekulativen Geschäften über die irische Tochter Sachsen LB Europe habe er kaum zu tun gehabt. "Meine Verantwortungsbereiche hatten mit dem traurigen Niedergang der SachsenLB nichts zu tun."

Der Mann war von 2004 bis 2006 Vorstandsmitglied der SachsenLB. Dann verließ er die Bank. Das habe aber nichts mit den Finanzproblemen zu tun gehabt - sondern mit dem "Arbeitsklima, der Gruppendynamik und persönlichen Reibereien innerhalb des Vorstandes", wie der Anwalt des 54-Jährigen sagte.

Im November soll in Leipzig ein weiterer Prozess gegen drei ehemalige Manager der SachsenLB beginnen. Sie sind ebenfalls wegen unrichtiger Darstellungen, aber auch noch wegen Untreue angeklagt.

Die SachsenLB stand im Sommer 2007 vor dem Kollaps. Sie wurde an die Landesbank Baden-Württemberg notverkauft. Der Freistaat Sachsen bürgt und zahlt bis heute für die Risiken - bisher schon 1,37 Milliarden Euro. Der Prozess gegen den Firmenkunden-Vorstand wird am 6. Oktober fortgesetzt.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Gläubiger im Flowtex-Skandal hoffen auf Schadenersatz in Millionenhöhe aus der Schweiz. Doch im Strafverfahren um Geldwäsche lässt der Richter keine Forderungen deutscher Insolvenzverwalter zu.

05.10.2015

Bei American Apparel standen einst die Hipster Schlange, heute sind es Gläubiger. Die kriselnde Modefirma flüchtet ins Insolvenzverfahren und will sich durch eine Umschuldung sanieren. Im Hintergrund tobt ein erbitterter und teurer Machtkampf mit Ex-Chef Dov Charney.

05.10.2015

Erst vor wenigen Monaten sorgte ein Streit mit wichtigen Lieferanten wie Dr. Oetker und Müller Milch für sichtbare Lücken in den Regalen der SB-Warenhauskette Real.

05.10.2015
Anzeige