Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Greenpeace will höhere Dieselsteuer
Nachrichten Wirtschaft Greenpeace will höhere Dieselsteuer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:57 15.11.2015
Greenpeace fordert die Abschaffung der Dieselsteuer-Begünstigung. Quelle: Jan Woitas/Illustration
Anzeige
Berlin

Angesichts erhöhter Schadstoff-Messwerte in vielen deutschen Städten fordert Greenpeace eine höhere Dieselsteuer.

Finanzielle Privilegien von Dieselautos gegenüber Benzinern seien nicht mehr tragbar, sagte Energieexperte Andree Böhling der Deutschen Presse-Agentur zu einer Umfrage, welche die Umweltorganisation beim Emnid-Institut in Auftrag gegeben hatte. "Dieselfahrzeuge sind nachweislich umwelt- und gesundschädlicher als vergleichbare Benziner. Die Dieselsteuer-Begünstigung muss endlich fallen." Der Autoverband VDA sieht dies kritisch - denn zumindest beim CO2-Ausstoß schnitten moderne Diesel sogar deutlich besser ab als Benziner.

Die Diesel-Verbrennung setzt in älteren Motoren oft mehr Emissionen gefährlicher Stickoxide frei als in vergleichbaren Ottomotoren. Daher dürfe man Diesel nicht durch geringere Steuern subventionieren, argumentiert Greenpeace: "Diesel ist der dreckigste Kfz-Kraftstoff." Mit Mehreinnahmen aus einer stärkeren Diesel-Besteuerung ließen sich Projekte etwa im öffentlichen Nahverkehr fördern. Die aktuelle Diesel-Begünstigung liege bei mehr als 7 Milliarden Euro pro Jahr.

Die Umweltschützer sehen sich dabei auch von der öffentlichen Meinung unterstützt. So lehnten in der Emnid-Befragung 62 Prozent der Teilnehmer die steuerliche Begünstigung von Diesel gegenüber Benzin ab, nur 31 Prozent sprachen sich dafür aus. Zudem hielt eine Mehrheit (55 Prozent) Benzin für umweltfreundlicher als Diesel (25 Prozent).

Allerdings ist unter Autoexperten umstritten, ob Benzin insgesamt "sauberer" ist als Diesel. Zwar hat Diesel-Sprit selbst einen höheren CO2-Gehalt und erzeugt meist mehr Stickoxide. Bei der Verbrennung erzeugen moderne Dieselantriebe bei vergleichbaren Motorgrößen in der Regel aber tendenziell weniger CO2 als entsprechende Benziner. Sowohl Autobauer und -zulieferer als auch Fachleute des Umweltbundesamts sehen bezogen auf die Klimabilanz daher Vorteile beim Diesel.

"Wer das CO2-Thema ernst nimmt, macht einen großen Fehler, wenn er den Diesel belastet", hieß es aus dem Verband der Automobilindustrie (VDA). Es treffe zwar zu, dass vor allem ältere Dieselmotoren mehr Stickoxide ausstoßen als Benziner ähnlicher Leistung. Ganz anders sei das aber beim Treibhausgas CO2 - dort seien jedenfalls moderne Diesel beim Spritverbrauch um bis zu 25 Prozent und beim CO2-Ausstoß um bis zu 15 Prozent gegenüber dem Ottomotor im Vorteil.

Eine pauschale höhere Besteuerung des Diesels könne daher aus klimapolitischer Sicht nicht die Lösung sein, betont der Autoverband: "Jeder Prozentpunkt, den der Diesel in den Neuzulassungen zurückgeht, entfernt Deutschland von der Erreichung der CO2-Ziele."

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Insolvenz des Karstadt-Mutterkonzern Arcandor ist jetzt schon mehr als sechs Jahre her. Doch der Insolvenzverwalter ist noch immer mit der Aufarbeitung der Pleite beschäftigt. Fest steht jedoch: Die Gläubiger dürften kaum etwas von ihrem Geld wiedersehen.

15.11.2015

Die in Portugal aus der Milliarden-Rettung der Großbank BES hervorgegangene Novo Banco ist bei Stresstests der Europäischen Zentralbank (EZB) durchgefallen. Das Institut habe zwar die Anforderungen beim sogenannten Basis-Szenario erfüllt, würde aber bei einer schärferen Problemlage mit einer harten Kernkapitalquote von nur 2,4 Prozent im Jahr 2017 deutlich unter die von der EZB geforderten 5,5 Prozent rutschen.

14.11.2015

Noch sind die Bremsspuren der Diesel-Affäre in den VW-Verkäufen eher gering. Von "Absatzkrise" will man nichts wissen. Doch auch auf der zweiten Großbaustelle - den falschen CO2-Angaben - droht neuer Ärger.

14.11.2015
Anzeige