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Wirtschaft Griechenland lockt mit „Goldenem Visum“
Nachrichten Wirtschaft Griechenland lockt mit „Goldenem Visum“
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16:44 27.10.2017
Der Immobilienmarkt in Griechenland kriselt - mit einem Visa-Programm lockt die Athener Regierung neue Investoren aus dem Ausland. Quelle: dpa
Athen

„Geschafft“ sagt Kanat D. zufrieden, als er die letzte Unterschrift geleistet und der Notar sein Siegel unter die Verträge gesetzt hat. Damit ist der 45-jährige Türke jetzt Eigentümer einer Wohnung im Athener Stadtteil Pangrati. Nutzen will Kanat das 90 Quadratmeter große Penthouse, für das er 265.000 Euro bezahlt hat, vorerst nicht. „Ich betrachte die Immobilie als eine Art Versicherung für die Zukunft“, sagt der Istanbuler Geschäftsmann. Seinen vollen Namen will er nicht nennen, bittet um „Diskretion“. Ihm geht es bei dem Wohnungskauf vor allem um die Aufenthaltsgenehmigung, auf die er nun Anspruch hat. „In zwei, drei Monaten sollte das Papier vorliegen“, verspricht ihm der Notar. Dann kann sich Kanat D. nicht nur in Griechenland aufhalten. Die Genehmigung ermöglicht ihm auch freie Reisen innerhalb der ganzen EU.

Mit solchen „goldenen Visa“ versucht die Athener Regierung, den krisengeplagten Immobilienmarkt zu neuem Leben zu erwecken. Die Rezession hat die Immobilienpreise in Griechenland zwischen 2008 und Mitte 2017 um durchschnittlich 43 Prozent abstürzen lassen, so jüngste Berechnungen der EU-Statistikbehörde Eurostat. In einigen Athener Stadtvierteln ist der Markt völlig zusammengebrochen. Dort gibt es Altbauwohnungen bereits für 15.000 Euro. Griechische Medien berichteten dieser Tage von einem chinesischen Investor, der im Athener Viertel Exarchia gleich 100 leerstehende Wohnungen gekauft hat.

Visa-Programm lockt ausländische Investoren

Angelockt durch die niedrigen Preise, beginnen jetzt vermehrt ausländische Käufer zuzugreifen. Nach Angaben der griechischen Notenbank stiegen die Kapitaleinfuhren für Immobilienkäufe in den ersten vier Monaten 2017 um fast 52 Prozent. Nachdem ausländische Immobilienkäufer im vergangenen Jahr 270 Millionen Euro ins Land brachten, rechnet man in Finanzkreisen für 2017 mit einem Zufluss von rund 450 Millionen.

Der Anstieg ist nicht zuletzt dem Visa-Programm zu verdanken. Wer als Bürger eines Nicht-EU-Staates mindestens 250.000 Euro in eine Immobilie investiert und nicht vorbestraft ist, kann die begehrte Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Sie gilt für fünf Jahre und wird verlängert, sofern der Ausländer seine Immobilie nicht verkauft. Auch Ehepartner und Kinder bis zum 21. Lebensjahr kommen in den Genuss der Genehmigung. Der Käufer muss die Wohnung nicht selbst nutzen. Viele Ausländer vermieten ihre Immobilien über Portale wie Airbnb oder HomeAway tageweise an Touristen und Geschäftsreisende. Sie erzielen so eine gute Rendite.

Käufliche Staatsangehörigkeiten

Zwischen 2013, als das Programm aufgelegt wurde, und Ende September 2017 hat Griechenland fast 4200 solcher „Goldenen Visa“ ausgestellt. Davon entfällt jeweils rund die Hälfte auf die Käufer und auf ihre Angehörigen. Chinesische Käufer liegen mit 850 Aufenthaltsgenehmigungen an der Spitze, gefolgt von Russen mit 388. Auf Platz drei haben sich inzwischen die Türken vorgeschoben. Wie der Geschäftsmann Kanat D., wollen sich offenbar viele mit einer Immobilie in Griechenland und einem EU-Visum für den Fall absichern, dass sie ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen möchten oder müssen.

Auch andere EU-Staaten wie Malta, Portugal, Ungarn und Bulgarien vergeben Aufenthaltsgenehmigungen an Immobilienkäufer und Investoren. Die Praxis ist in Brüssel aber umstritten, weil die Papiere eine Eintrittskarte für alle EU-Länder sind. Wer in Zypern mindestens 300.000 Euro in Immobilien investiert, darf sogar außer Frau und Kindern auch Eltern, Schwiegereltern sowie Omas und Opas mitbringen. Für eine Investition von 2,5 Millionen Euro gibt es sogar die zyprische Staatsangehörigkeit für die ganze Familie. Damit bekommt man das Recht, auch in anderen EU-Staaten zu leben. Nach Angaben von Finanzminister Harris Georgiades haben die zyprischen Behörden bereits rund 2000 Pässe an ausländische Investoren vergeben, vor allem an Russen. Investitionen von vier Milliarden Euro hat das Programm bereits auf die Insel gespült. Das entspricht immerhin fast einem Viertel des zyprischen Bruttoinlandsprodukts.

Von Gerd Höhler

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