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Wirtschaft Grundstein für das Milliarden-Bahnprojekt
Nachrichten Wirtschaft Grundstein für das Milliarden-Bahnprojekt
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12:39 16.09.2016
Wehren sich gegen den Bau von Stuttgart 21: Besorgte Bürger fordern einen Umstieg – und machen aus ihrer Ablehnung keinen Hehl. Quelle: dpa
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Stuttgart

Pfiffe und Proteste kamen nur noch von etwa 150 Gegnern, die gegen das Projekt protestierten. Vor sechs Jahren noch wollten Kritiker Stuttgart 21 mit Massenprotesten verhindern. Bahnchef Rüdiger Grube hat in der baden-württembergischen Landeshauptstadt den Grundstein für das Milliardenprojekt Stuttgart 21 gelegt.

„Das ist ein deutliches Zeichen, dass das Projekt unumkehrbar ist“, betonte Grube mit Blick auf Widerstände gegen das Vorhaben. Er sprach von einem „großen Geschenk“ an die Stadt.

Neue Spekulationen um Kostenexplosionen

Die Bahn wies Spekulationen um Kostenexplosionen zurück. Grube betonte, dass selbst bei Eintreten aller Risiken der Finanzierungsrahmen von 6,5 Milliarden Euro gewahrt bleibe. Dem Vernehmen nach kommt aber der Bundesrechnungshof in einem gesonderten Bericht auf Kosten von bis zu zehn Milliarden Euro.

Ende 2021 soll die unterirdische Durchgangsstation in Betrieb gehen - daher der Name Stuttgart 21. Startschuss für den Baubeginn war bereits im Februar 2010.

Durch Tieferlegung bekommt Stuttgart mehr Platz

Bei dem symbolischen Akt am Freitag legten Bahnvertreter auf dem ersten betonierten Abschnitt der Bodenplatte des Bahnhofs den Grundstein für das zentrale Bauwerk des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm. Der neue Bahnhof von Stararchitekt Christoph Ingenhoven ist Kern der Neuordnung des Bahnknotens Stuttgart. Durch die Tieferlegung des Bahnhofs samt Gleisen erhält die Schwabenmetropole zusätzliche Flächen.

Stuttgart 21 ist aus Sicht der Befürworter ein Zukunftsprojekt, weil es die umweltfreundliche Schiene stärke und Verkehr unter die Erde verlege. „Der Lärm verschwindet und Flächen werden frei, wo jetzt noch rostige Gleise liegen. Die Mehrheit der Bürger in Baden-Württemberg befürwortet aus diesen Gründen das Projekt“, sagte der CDU-Politiker Norbert Barthle, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister.

Proteste dauern seit Jahren an

Ministerpräsident Winfried Kretschmann sowie Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) hatten aus Termingründen abgesagt. Bei den Grünen ist das Vorhaben seit jeher umstritten. Die Proteste gegen den Tiefbahnhof Stuttgart 21 dauern seit Jahren an. „Gute Bahn statt Tunnelwahn“ stand auf einem Transparent der Gegner. Mit Tröten, Trillerpfeifen, Schildern und Fahnen protestierten sie für eine Modernisierung des bestehenden Kopfbahnhofs als Alternative zur geplanten halb unterirdischen Durchgangstation.

Viele bereits getätigte Bauarbeiten könnten beim Konzept „Umstieg 21“ genutzt werden, erklärte ein Sprecher des Aktionsbündnisses gegen S21. Einige Gegner blockierten kurzzeitig die Straße vor dem Bahnhof. Die Grundsteinlegung stand unter Polizeischutz. Vor sechs Jahren hatte es noch Massenproteste mit teils mehreren Zehntausend Demonstranten gegeben.

Auch die Elbphilharmonie in Hamburg sorgte schon für viele Proteste Quelle: dpa

BER und Elbphilharmonie sind auch schon lange Anlass für Ärger

Aber nicht nur Stuttgart 21 ist ein Dauerbrenner für Proteste und mediale Häme. Die Hamburger Elbphilharmonie und der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) können da sehr gut mithalten.

Seit 2006 entsteht vor den Toren Berlins ein Flughafen, der die Nummer drei hinter Frankfurt und München werden soll. Die Eröffnung wurde zunächst für Oktober 2011 angepeilt und wurde seitdem mehrfach verschoben - unter anderem wegen fehlendem Brandschutz, Baupfusch und Planungsfehlern.

Zuletzt war der Flughafen-Start für das zweite Halbjahr 2017 vorgesehen. Ob das zu schaffen ist, ist aber fraglich. Mittlerweile hat der Flughafen den dritten Chef, nun soll es Karsten Mühlenfeld richten. Die Kosten stiegen seit Baubeginn 2006 von 2,0 Milliarden Euro auf 5,4 Milliarden Euro. Weitere Finanzspritzen sind in Vorbereitung.

Elbphilharmonie schafft wohl als erste die Eröffnung

Der spektakuläre Bau der Elbphilharmonie ist das Prestigeprojekt im Hamburger Hafen. Grundsteinlegung für das Konzerthaus auf einem früheren Hafenspeicher war im April 2007, rund 114 Millionen Euro soll das Gebäude zu diesem Zeitpunkt dem Steuerzahler kosten.

Mittlerweile ist die Summe auf knapp 800 Millionen Euro angewachsen - unter anderem wegen unfertiger Planung, mangelnder Kontrolle und Chaos auf der Baustelle, wie ein Untersuchungsausschuss feststellte. Die Eröffnung wurde schrittweise von 2010 auf 2017 verschoben. Am 11. Januar soll es ein Eröffnungskonzert geben.

Auch bei anderen Großprojekten wurde Steuergeld verbrannt

Limburger Protzbau: Zu einem katholischen Kostendebakel führte der Protzbau des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, der sich einen dekadenten Luxuspalast errichten ließ.

Sanierung Alter Elbtunnel: Den Planern fehlten historische Unterlagen. Deshalb kam es bei der Sanierung des Tunnels, der die Landesbrücken mit der Elbinsel Steinwerden verbindet zu allerlei kostenerhöhenden Überraschungen.

Staatsbibliothek Unter den Linden: 326 Millionen Euro wurden zu Beginn vor über zehn Jahren für die Sanierung des Gebäudes aus der Kaiserzeit eingeplant. 2014 waren die Baukosten bereits um mehr als ein Drittel auf 442 Millionen Euro gestiegen.

Von RND/dpa

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