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Hälfte der Beschäftigten durch Digitalisierung mehr belastet

Arbeitsmarkt Hälfte der Beschäftigten durch Digitalisierung mehr belastet

Ständige Erreichbarkeit, Arbeitsverdichtung oder Entgrenzung der Arbeitszeiten - Digitales Arbeiten mit Tablet oder Smartphone beschert nicht nur Freude. Es kann auch die Belastung erhöhen.

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Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles spricht im April 2015 bei der Auftaktveranstaltung "Arbeiten 4.0" des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in Berlin.

Quelle: Bernd von Jutrczenka

Berlin. Der zunehmende Einsatz digitaler Technik bringt aus Sicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Beschäftigten nicht automatisch bessere Arbeitsbedingungen. Im Gegenteil.

Von den Arbeitnehmern, die in hohem oder sehr hohem Maß digitalisiert arbeiten, geben 46 Prozent an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch größer geworden ist. 45 Prozent sehen keine Veränderung und lediglich 9 Prozent fühlen sich durch die Digitalisierung entlastet. Die Zahlen seien erste Ergebnisse aus der repräsentativen Beschäftigtenbefragung zum DGB-Index "Gute Arbeit 2016" mit Schwerpunkt "Digitalisierung der Arbeitswelt".

"In der Debatte um "Arbeiten 4.0" wird meist der Eindruck erweckt, als wären die Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt gleich verteilt", sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. "Die aktuelle Befragung zeigt allerdings, dass digitales Arbeiten bislang für fast die Hälfte der Beschäftigten dazu führt, dass die Belastungen steigen." Die höheren Belastungen seien "eine Folge der Entgrenzung und Verlängerung der Arbeitszeiten, der permanenten Erreichbarkeit und der Arbeitsverdichtung".

Buntenbach verwies dabei auf ähnliche Ergebnisse einer Umfrage des Bundesarbeitsministeriums vom Januar, nach der zwei Drittel der Beschäftigten eine Intensivierung der Arbeit durch technologische Neuerung beklagen. Das Haus von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) führt bereits seit vergangenem Jahr einen Dialog "Arbeiten 4.0". Mit einem "Grünbuch" sollte eine Diskussion darüber in Gang gesetzt werden, "wie wir arbeiten wollen und welche Gestaltungschancen es für Unternehmen, Beschäftigte, Sozialpartner und Politik gibt". Der Dialog soll Ende 2016 mit einem "Weißbuch Arbeiten 4.0" abgeschlossen werden.

Buntenbach unterstrich: "Die Digitalisierung führt also nicht im Selbstlauf zu Entlastungen. Es braucht einen politischen Gestaltungsrahmen, damit der Trend, nach dem sich Arbeit zum Stressfaktor Nummer Eins entwickelt hat, gedreht werden kann und durch die Digitalisierung nicht auch noch verstärkt wird. Es ist deshalb notwendig, dass die neuen Freiheiten durch Tablet und Smartphone ermöglicht, aber auch ausreichend abgesichert werden."

Insbesondere neue Arbeitsformen wie mobiles Arbeiten und Home Office müssten politisch gestaltet werden, um - in der Regel unbezahlte - Überstunden und Stress zu vermeiden, mahnte Buntenbach. Im Rahmen des Dialoges des Arbeitsministeriums sollen auch Fragen flexiblerer Arbeitszeiten erörtert werden. Der übliche strukturierte Acht-Stunden-Tag funktioniere nicht mehr in allen Branchen, heißt es dort.

dpa

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