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IG Metall mit geringerer Lohnforderung und neuer Streiktaktik

Tarife IG Metall mit geringerer Lohnforderung und neuer Streiktaktik

Die IG Metall zieht mit einer etwas niedrigeren Gehaltsforderung in die Tarifrunde Metall und Elektro. Dafür will sie die Kampfzone ausweiten auf Betriebe, die sich bislang dem Tarif entzogen haben.

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Sollte sich die IG Metall Ende Februar erwartungsgemäß auf 5 Prozent festlegen, wäre dies die geringste Forderung in einer Tarifrunde seit 2006.

Quelle: Jens Büttner/Archiv

Frankfurt/Main. In der anstehenden Tarifrunde für die deutsche Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall ein geringeres Lohnplus fordern als im Vorjahr.

Nach den Regionen hat sich am Dienstag auch der Bundesvorstand der Gewerkschaft für eine Forderung zwischen 4,5 und 5 Prozent mehr Geld ausgesprochen. Bei der vorangegangenen Tarifrunde 2015 hatte die IG Metall noch 5,5 Prozent und zusätzliche Arbeitszeitverkürzungen verlangt.

Die Gewerkschaft will bei den im März beginnenden Verhandlungen stärker Betriebe einbeziehen, die bislang nicht an den Flächentarif gebunden sind. Es gehe für die Beschäftigten um mehr Gerechtigkeit, erklärte der neue IG-Metall-Chef Jörg Hofmann am Dienstag in Frankfurt. "Immer mehr Arbeitgeber haben sich aus der Verantwortung gezogen." Das werde man nicht länger hinnehmen.

"Für nicht tarifgebundene Betriebe gibt es keine Friedenspflicht", sagte Hofmann. Die Gewerkschaft kündigte an, bundesweit zwischen 300 und 500 bislang nicht tarifgebundene Unternehmen mit Forderungen nach einem Vertragsabschluss zu konfrontieren. Dem solle mit verschiedenen Mitteln bis hin zum Warnstreik Nachdruck verliehen werden. "Geringe Tarifbindung ist nicht gerecht.(...) Gerecht geht nur mit Tarifvertrag", erklärte Hofmann. Nicht tarifgebundene Unternehmen zahlten geringere Löhne, behandelten Frauen schlechter und ließen zudem ihre Leute länger arbeiten.

In den Verhandlungen mit Gesamtmetall geht es in diesem Jahr ausschließlich ums Geld, nachdem die IG Metall dieses Mal auf weitergehende Forderungen verzichtet hat. Zur Arbeitszeit laufen noch bis Ende 2016 Gespräche mit den Arbeitgebern. Trotz der Beschränkung auf Entgeltfragen rechne er nicht unbedingt mit einem schnellen Abschluss, sagte Hofmann. Manchmal erleichtere eine Vielzahl von Themen die Kompromissfindung. Warnstreiks kündigte der IG-Metall-Chef nicht an, sondern bemerkte nur: "Es braucht auf beiden Seiten entsprechenden Schmerz, um zu Ergebnissen zu kommen."

Die im Vergleich zum Vorjahr abgesenkte, noch vorläufige Forderung begründete Hofmann mit den etwas schlechteren Produktivitätsaussichten in diesem Jahr. Sollte sich die IG Metall Ende Februar erwartungsgemäß auf 5 Prozent festlegen, wäre dies die geringste Forderung in einer Metall-Tarifrunde seit 2006. Nur mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise hatte die Gewerkschaft für das Jahr 2010 ganz auf eine konkrete Zahl verzichtet.

Die Arbeitgeber kritisierten die Größenordnung der Forderung. Sie lasse befürchten, dass die Gewerkschaft den Ernst der Lage nicht erkannt habe, sagte Gesamtmetall-Chef Rainer Dulger in Heidelberg. Vor allem die Produktivität sei in den vergangenen Jahren kaum noch gewachsen, während die Lohnstückkosten allein in den ersten elf Monaten 2015 um 2,7 Prozent angestiegen seien. "Unser Standort bröckelt massiv", warnte Dulger. Die IG Metall wecke bei ihren Mitgliedern falsche Erwartungen. "Aber die Wettbewerber werden nicht nur deutlich besser, sondern werden damit immer günstiger."

 

Der aktuelle Tarifvertrag für rund 3,8 Millionen Beschäftigte läuft Ende März aus, Warnstreiks sind vom 29. April an möglich. Erstmals könnte die IG Metall eine neue Streiktaktik mit eintägigen Warnstreiks ohne Urabstimmung anwenden. Im vergangenen Jahr hatten sich die Tarifparteien auf 3,4 Prozent mehr Geld bei einer auf 15 Monate verlängerten Laufzeit geeinigt. Gefordert hatte die IG Metall ein Lohnplus von 5,5 Prozent.

dpa

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