Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft In Leipzig-Heiterblick entsteht das Babybett der Zukunft
Nachrichten Wirtschaft In Leipzig-Heiterblick entsteht das Babybett der Zukunft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:21 12.07.2018
Das NEL-Team zeigt die aktuellen Modelle des Babynel-Bettes (v.l.): Nancy Leune (37), Luisa Körner (25), Dr. Uwe Teichert (56), Corinna Lentz (51) und Isabell Apel (21). Quelle: André Kempner
Anzeige
Leipzig

Dass in der Deybestraße in Heiterblick moderne Leuchtsysteme entstehen, ist vielen bekannt. Die Neontechnik Elektroanlagen Leipzig (NEL) ist Spezialist für LED- und Lichtwerbung, die Lichtinszenierung von Bauwerken, Weihnachtsmarktbeleuchtung, Neonkunst sowie digitale Leit- und Orientierungssysteme. Gerade wurde der historische Leuchtschriftzug an der Alten Hauptpost saniert. Doch das Unternehmen, 1961 als Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH) gegründet, ist seit zehn Jahren auch auf einem völlig anderen Markt unterwegs: Hier entstehen Babybetten für Kinderstationen. Dass es dazu kam, war reiner Zufall. Doch wenn Geschäftsführer Uwe Teichert und sein Team etwas anfangen, dann auch richtig: Schon wird eine Generation von Kinderbetten entwickelt, die den Markt kräftig aufmischen könnte.

Anfrage aus Frankfurt am Main macht den Anfang

Es ist mehr als zwölf Jahre her, da erreicht die NEL-Leute eine Anfrage des Bürgerhospitals Frankfurt/Main: Das Unternehmen soll die Kunststoffwannen von mehreren Babybetten reparieren. Diese Wannen durchlaufen ruppige Reinigungs- und Desinfektionsprozesse, müssen einiges aushalten. Mit Stabilität kennen sie sich aus in Heiterblick – schließlich sind Werbeanlagen auch immer wieder Ziel von Vandalismus.

Skaterrollen sind nicht nur schick

„Erst haben wir nur Ersatzwannen geliefert“, erinnert sich Uwe Teichert. Doch das ganze entpuppt sich als gutes Geschäft; der Geschäftsführer setzt sich mit einem Designer hin, kreiert erst die „Leipziger Wanne“ – und dann ein ganzes Babybett. Nicht nur robust soll es sein, sondern auch leicht in der Anwendung – für Klinikpersonal und Eltern. Im St. Georg kommen die NEL-Leute mit Hebammen ins Gespräch. Wie kann ein Babybett besser gemacht werden? Teichert und sein Team erfahren, worauf es ankommt bei der Pflege des Säuglings, beim Wäschewechsel, wie breit das Bett sein darf. „Wir haben all das einfließen lassen in unser neues Produkt“, erzählt Teichert. Der Designer stattet das erste Modell mit Skaterrollen aus – schließlich soll es ja auch schick sein. Die flotte Optik hat aber noch einen anderen Effekt: Das Bett rollt weicher, federt Erschütterungen ab.

Medica-Messe bringt den Durchbruch

Mit dem Prototypen fahren die Leipziger im Jahr 2006 auf die Fachmesse Medica nach Düsseldorf. Das Säuglingsbettchen schlägt sofort ein, mehr als 40 potenzielle Kunden zeigen Interesse. „Da hatten wir aber noch gar keine Vertriebsstruktur“, berichtet Teichert, „wir sind ja in einen völlig fremden Markt gegangen.“ An diesem Markt dominieren kleine Anbieter mit kleinen Stückzahlen. 2008 beginnt die Produktion der „Babynel-Betten“, da gehen gerade die Geburten zurück, viele Kliniken schließen ihre Stationen. Und trotzdem beginnt das Geschäft zu laufen. In verschiedenen Ausführungen, darunter eine für Zwillinge, hat die Unternehmenstochter Tech-NEL inzwischen 2000 Betten verkauft. Exportquote: 30 bis 40 Prozent. Kunden sind zum Beispiel Kliniken in den Beneluxländern, in Großbritannien, Finnland, Norwegen, Österreich, der Schweiz und Griechenland. Aber auch durch die Flure des Uniklinikums (UKL) und im St. Elisabeth rollen die Betten aus Heiterblick.

Alles made in Sachsen

Das Babynel-Bett ist ein echt sächsisches Produkt: Die Metallkonstruktion kommt aus Grimma, die Kunststoffwanne aus Neustadt in Sachsen, der Schaumstoff für die Matratze aus Leipzig, wo auch die Endmontage erfolgt. Ein Exemplar kostet zwischen 770 und 1250 Euro. Film-Dekorateure nutzen die farbenfrohen Klinikmöbel übrigens auch gern; so waren die Betten schon als Requisite in Werbespots zu sehen sowie in der MDR-Krankenhausserie „In aller Freundschaft“.

Das Bett der Zukunft ist schon in der Entwicklung

Jetzt wird in Heiterblick an einer völlig neuen Generation getüftelt. Uwe Teichert geht davon aus, dass das Babybett der Zukunft berührungslos Vitalparameter erfassen kann. „Ohne Intensivmedizin, ohne Elektroden: Eine hochauflösende Kamera kann durch die dünne Kinderhaut erkennen, ob Blut zirkuliert.“ Mit der HTWK gibt es ein Forschungsprojekt dazu. Es gibt noch einiges zu tun und einige Hürden zu überwinden. Aber einen Prototypen könnte es noch nächstes Jahr geben. Bis das Babybett der Zukunft marktreif ist, wird es aber noch mindestens zwei Jahre dauern.

Von Björn Meine

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Qualifizierte Arbeitsmigranten zieht es vor allem in wirtschaftsstarke Süd-Bundesländer – Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen haben dagegen einen überproportionalen Flüchtlingsanteil.

08.07.2018

Der US-Präsident provoziert China. Als Reaktion auf seine Strafzölle verhängt Peking eigene Abgaben auf Einfuhren aus den USA. Schlittern die zwei größten Wirtschaftsnationen in einen Handelskrieg?

07.07.2018

In vielen Regionen Deutschlands leidet die Landwirtschaft unter Hitze und Trockenheit. Die Getreideernte droht schlecht auszufallen, auch Kühe geben weniger Milch. Werden nun auch Brot und Quark teurer?

07.07.2018
Anzeige