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Wirtschaft Indien überrascht mit radikaler Bargeldreform
Nachrichten Wirtschaft Indien überrascht mit radikaler Bargeldreform
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10:00 09.11.2016
Alle Banknoten über 100 Rupien wurden von der indischen Regierung für ungültig erklärt. Quelle: EPA
Neu Delhi

Im Kampf gegen Schwarzgeld hat Indien überraschend alle großen Banknoten für ungültig erklärt. Ministerpräsident Narenda Modi sagte am Dienstagabend in einer Fernsehansprache, 500- und 1.000-Rupien-Scheine seien ab Mitternacht keine legalen Zahlungsmittel mehr. Damit ist die 100-Rupien-Note (umgerechnet 1,35 Euro) der größte gültige Geldschein, der in Indien nun im Umlauf ist.

Kein Bargeld am Mittwoch

„Um uns aus dem Griff von Korruption und Schwarzgeld zu befreien, haben wir entschieden, dass die aktuellen 500- und 1000-Rupien-Noten nicht mehr gültig sind“, sagte Modi.

Noch am Dienstagabend bildeten sich lange Schlangen an Geldautomaten und Tankstellen. Menschen versuchten dort, Geldscheine zu wechseln oder auf ihr Konto einzuzahlen. Großen Andrang gab es auch bei den Juwelier-Geschäften, wo Bargeld in Gold und Schmuck eingetauscht wurde.

Am Mittwoch blieben alle Banken geschlossen, Geldautomaten wurden gesperrt. Erst am Donnerstag sollen sie wieder in Betrieb gehen. Auch dann sind Geldabhebungen vom Bankkonto zunächst auf umgerechnet 260 Euro pro Woche beschränkt.

Neue Scheine ab Donnerstag

Die alten Scheine können noch bis Ende des Jahres auf ein indisches Bankkonto eingezahlt oder gegen neue 500- und 2000-Rupien-Scheine umgetauscht werden, die die indische Notenbank ab Donnerstag schrittweise ausgeben soll.

Lokale Medien zitieren Studien, nach denen illegale Schattenwirtschaft rund ein Fünftel der indischen Wirtschaftsleistung ausmacht. Demnach könnten sich in Indien zwischen 160 Milliarden und 1,6 Billionen Euro an Schwarzgeld in Umlauf befinden.

Premierminister Modi hat seit seinem Amtsantritt 2014 der Schattenwirtschaft und Korruption den Kampf angesagt. Die Regierung hat es für Arme leichter gemacht, ein Bankkonto zu eröffnen. Zugleich wurde ein Programm gestartet, mit dem Bürger ihr Schwarzgeld straffrei deklarieren können. Dieses Angebot endete am 30. September. Im Juni hatte Modi in einer Radio-Ansprache gewarnt, dass dies die letzte Chance sei, unversteuertes Bargeld zu deklarieren.

Von dpa/afp/RND/zys

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