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Klima-Kritik an Modellpolitik deutscher Autobauer

Auto Klima-Kritik an Modellpolitik deutscher Autobauer

Bequem einsteigen, mehr Komfort: Viele Kunden schätzen große Autos wie Gelände-Limousinen. Doch auch die Golf-Klasse sei inzwischen zu üppig, bemängeln Umweltschützer. Die Autobauer widersprechen.

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Vor der Automesse IAA werfen Umweltschützer den Herstellern vor, den Klimaschutz bei ihren Neuentwicklungen zu ignorieren.

Quelle: Sebastian Kahnert

Berlin. Am Auto scheiden sich die Geister: Für die einen haben die Modelle deutscher Hersteller unnötigen "Speck" angesetzt, die anderen sprechen lieber von "Premium-Ausstattung". Wieviel Auto ist nötig? Und welche Modelle sind zu groß, zu schwer, zu opulent für das Weltklima? Vor der weltgrößten Automesse IAA (17.-27. September) setzen Umweltschützer die Frage wieder auf die Agenda. Die Hersteller jedoch wehren ab: "Ein Auto muss auch sexy sein."

Welche Autos kaufen die Deutschen?

Drei Millionen Autos werden pro Jahr neu zugelassen. Im ersten Halbjahr 2015 zählte jeder vierte zur Kompaktklasse, der Golf-Liga. Jede siebte Neuzulassung zählte das Kraftfahrtbundesamt in der Mittelklasse, wo etwa der Mazda 6 und die C-Klasse von Mercedes beheimatet sind. Besonders große Wachstumsraten gab es zuletzt bei Sport Utility Vehicles (SUV), einem Geländewagen-Limousine-Mix.

Was haben Umweltschützer an der Modellpalette auszusetzen?

Die Autos sind ihnen zu groß geraten. "Sie setzen immer mehr Speck an und sollen gleichzeitig immer sportlicher bewegt werden", kritisiert Jens Hilgenberg, der Verkehrsexperte des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Zum Beispiel der VW Golf: 1978 wog er 805 Kilogramm, heute seien es 1375. Um dieses Gewicht über 100 Kilometer zu bewegen, seien 5,4 Liter Benzin nötig, heißt es in der Studie, die der BUND mit dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) nun vorlegte. Bei 800 Kilogramm Gewicht wären es mit heutiger Technik gut zwei Liter weniger.

Warum sind deutsche Autos für das Weltklima so entscheidend?

Jedes fünfte Auto gelangt aus Fabriken deutscher Konzerne auf den Weltmarkt, rechnet Studienautor Eckard Helmers vor. Damit bestimmten die Deutschen, welche Autos Menschen auf der ganzen Welt fahren. Sie brächten aber am liebsten schwere und komplexe Wagen auf den Markt - weil sich damit am meisten verdienen lasse. Für Spritspartechniken oder alternative Antriebe verlangten sie anders als etwa Japaner zu hohe Preise. Im sogenannten Premiumsegment beherrschen die Deutschen nach eigenen Angaben 80 Prozent des Weltmarktes.

Warum kommt Elektro nicht aus den Startlöchern?

Elektro kommt voran, aber viel langsamer als erhofft. Zu Jahresbeginn waren 19 000 reine Elektroautos zugelassen, geplant hatte die Bundesregierung mit fünf Mal so vielen. Ihr 2020er-Ziel von einer Millionen E-Autos auf deutschen Straßen nannte Daimler-Chef Dieter Zetsche kürzlich unerreichbar und forderte Steuervergünstigungen. E-Autos zu bauen, sei immer noch deutlich teurer und bringe den Autobauern bisher keine Gewinne. Der Autoexperte Stefan Bratzel sprach unlängst vom "R.I.P."-Problem. Solange Reichweite, Infrastruktur und Preis nicht besser würden, ruhe die E-Mobilität in Frieden.

Haben die Autobauer wirklich nichts für das Klima getan?

Der Vorwurf ist zu pauschal. Immerhin haben sie Milliarden in sparsamere Motoren investiert. In zehn Jahren senkten sie den Verbrauch und den Kohlendioxid-Ausstoß um ein Viertel. Gleichzeitig stieg aber die durchschnittliche Leistung - nach Branchenangaben von 131 PS auf 151 PS. Selbst das Statistische Bundesamt hielt den Autobauern vor, dass dadurch mehrere Milliarden Liter Kraftstoff zusätzlich verbrannt wurden - vor allem in SUV und Geländewagen.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die vergleichsweise günstigen Spritpreise die Bundesbürger nicht gerade zum Sparen zwingen. Hinzu kommt, dass die Ausstattung steigt. ABS ist selbstverständlich, fast alle Neuwagen haben Servolenkung und Klimaanlage, die meisten auch Schleuderschutz ESP und Seiten-Airbags - leichter wird ein Auto damit nicht. Aber was davon verzichtbar wäre, um Gewicht zu mindern, vermochten die Umweltverbände am Donnerstag nicht zu sagen.

Wie geht es weiter?

"Abspecken" scheint für die Hersteller keine Alternative zu sein. "Die Menschen wollen keine "rollende Verzichtserklärung"", sagte ein Branchensprecher. Ein Auto müsse auch "sexy" sein. Es sei wichtig, dass die Politik nun einen Rahmen für die E-Mobilität schaffe, denn beim Verbrennungsmotor seien die Sparmöglichkeiten nahezu ausgeschöpft.

Denn 2021 dürfen die Auto-Flotten laut EU-Vorgabe im Schnitt nur noch 95 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausstoßen - aktuell liegen die Autobauer nach Studien noch 40 Prozent über diesem Zielwert. Der VCD rechnet indes vor, dass die Vorgabe in Deutschland schon mit dem jetzigen Auto-Angebot erreichbar wäre. Dafür müssten die Deutschen aber mehr Hybrid-Antriebe ausländischer Hersteller kaufen.

dpa

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