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Kreise: VW streicht jede zehnte Stelle in der Verwaltung

Auto Kreise: VW streicht jede zehnte Stelle in der Verwaltung

Die Einschläge der zuerst in den USA ausgebrochenen Diesel-Krise bei VW kommen auch in Deutschland immer näher. Intern spielt der Konzern nun doch einen Stellenabbau durch - zumindest in der Verwaltung. Und in den Vereinigten Staaten wirft der Landeschef das Handtuch.

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Wegen der Beschäftigungssicherung muss niemand fürchten, arbeitslos zu werden, heißt es.

Quelle: Julian Stratenschulte

Wolfsburg/Herndon. Im Abgas-Skandal bringt der verschärfte Sparkurs bei VW hierzulande Tausende Bürojobs in der Stammbelegschaft unmittelbar in Gefahr.

Wegen tarifvertraglicher Regeln muss zwar kein Mitarbeiter aus dem VW-Haustarif die Arbeitslosigkeit fürchten. Doch klar ist nun erstmals: Das Management will mehr als 3000 Stellen in den Bereichen fern des Fließbands abbauen; etwa über Altersteilzeit oder fehlende Nachbesetzung.

Schlechte Nachrichten gab es zudem auch aus Übersee: In den USA, wo die Affäre um manipulierte Diesel ausgebrochen war, tritt VW-Landeschef Michael Horn überraschend ab.

VW setzt nach Informationen aus Konzernkreisen den Rotstift bei einem Teil der Stammpersonals an. Unter den Mitarbeitern im Haustarif soll in den Büro-Abteilungen außerhalb der Produktion bis Ende 2017 jeder zehnte Job wegfallen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus sicherer Quelle erfuhr. Aufgrund der laufenden tarifvertraglichen Beschäftigungssicherung müsse aber niemand Arbeitslosigkeit fürchten.

IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine betonte den Wert dieser Beschäftigungssicherung angesichts der aktuellen Lage: "Der Zukunftstarifvertrag schützt die Stammbeschäftigten von Volkswagen vor Entlassungen. Wir sind froh, dass wir ihn abgeschlossen haben."

Der geplante Jobabbau der Bürokräfte soll den Informationen zufolge über Personalschwankungen, Altersteilzeit oder die Zuweisung neuer Aufgaben für die betroffenen Kollegen möglich. Es dürfte dabei laut den Unternehmenskreisen um "deutlich mehr" als 3000 Stellen gehen.

Ein Konzernsprecher sagte, das bekannte Programm zur Steigerung der Effizienz der Kernmarke VW treffe alle Bereiche - also auch die Personalkosten. Die ließen sich zum Beispiel verringern über weniger Zeitarbeit und Zurückhaltung bei Einstellungen oder Wiederbesetzen freier Stellen. Auch Qualifizierungen wie Wanderjahre für die dual Studierenden oder Pausen für ein Studium zählten dazu. VW habe zudem "gute Erfahrungen mit Altersteilzeitangeboten gemacht". Außerdem betonte der Sprecher, die mehrfach getätigte Aussage von VW-Markenchef Herbert Diess habe weiter Bestand, "dass wir fest zu unserer Stammbelegschaft stehen".

Das Effizienzziel von zehn Prozent ist schon seit Ende 2015 bekannt, jedoch ohne Details zu möglichen Jobverlusten. Mögliche Wege sind laut dem Sprecher weniger Zeitarbeitsverträge oder etwa "zurückhaltende Einstellungen und Wiederbesetzung freier Stellen". Diess' Aussage, dass man "fest zu unserer Stammbelegschaft" stehe, gelte weiterhin.

VW hat im Skandal um manipulierte Abgaswerte von weltweit mehr als 11 Millionen Dieselautos Rückstellungen von 6,7 Milliarden Euro gebildet. Neben den Kosten des Rückrufs betroffener Fahrzeuge dürften viele Prozesse und Strafen teuer werden. Zwischen dem Betriebsrat und dem Vorstand der VW-Kernmarke gibt es aber große Differenzen über die genaue Umsetzung eines ergänzenden, verschärften Sparkurses.

Die Marke VW mit Modellen wie Golf und Passat ist im Vergleich zu Branchenkonkurrenten ertragsschwach. Diess hatte bereits angekündigt, sie umzustrukturieren. Außerdem soll die Effizienz in der Produktion steigen. Vor dem Beginn des Genfer Autosalons hatte Diess sich noch zuversichtlich gezeigt, dafür auch die Zustimmung des Betriebsrats zu bekommen: "Ich glaube schon, dass wir da große Einigkeit haben."

Betriebsratschef Bernd Osterloh wirft dem Manager nun aber Handeln nach Gutsherrenart vor. Diese im Ansatz bekannte Kritik eskalierte am Dienstag vor 20 000 VW-Mitarbeitern während des nicht-öffentlichen Teils der Betriebsversammlung im Wolfsburger Stammwerk. "Machen Sie die 215 000 Beschäftigten der Marke Volkswagen nicht zu Versuchskaninchen für wirtschaftswissenschaftliche Experimente", sagte er nach Informationen der dpa, der eine Mitschrift vorlag.

Zwar meinte Osterloh in der Versammlung in Bezug auf ein Gespräch mit Diess: "Wir [Herr Diess und ich] sind uns darüber einig, dass sich die Stammbelegschaft keine Sorgen um ihre Arbeitsplätze machen muss." Das schließt jedoch den möglichen Abbau etwa über Nicht-Nachbesetzung von Stellen oder die Verlagerung von Aufgaben nicht aus.

Diess war Mitte 2015 - noch vor dem Ausbruch der Diesel-Krise - von BMW zu VW gewechselt. Osterloh warf ihm auch fehlendes Wissen vor: "Wer seine Botschaften so verteilt, als würden sie wie Weisheiten vom Himmel regnen, der hat noch nicht verstanden, was wir bei Volkswagen brauchen: zum Beispiel Führungskräfte, die tatsächlich Bescheid wissen und im wahrsten Sinne des Wortes im Film sind." Zu Konzernchef Matthias Müller wird Osterloh ein gutes Verhältnis nachgesagt.

In den Vereinigten Staaten, wo noch kein genehmigter Rückruf-Plan für die dort betroffenen rund 580 000 Dieselwagen vorliegt, muss sich Volkswagen mitten im Abgas-Skandal einen neuen Problemlöser suchen. US-Chef Horn verließ das Unternehmen am Mittwoch mit sofortiger Wirkung, wie VW mitteilte. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt.

Übergangsweise soll Volkswagens künftiger Nordamerika-Chef Hinrich Woebcken die Aufgaben Horns erfüllen. Er muss damit schneller Verantwortung übernehmen als ursprünglich geplant, denn als Leiter der Region (USA, Mexiko, Kanada) ist Woebcken noch gar nicht im Amt. Die Funktion soll er erst Anfang April übernehmen.

Der aus Hamburg stammende Horn hatte das Amt erst im Januar 2014 übernommen. In die Zeit des 54-Jährigen fiel das Bekanntwerden der Abgas-Affäre. Der ehemalige Konzernchef Martin Winterkorn war bereits im September zurückgetreten, wenige Tage vorher hatte das US-Umweltamt EPA den Skandal öffentlich gemacht.

Welche Rolle Horn bei der Entstehung des Skandals spielte, ist unklar. Er musste in den USA aber häufig den Kopf für den Konzern hinhalten, US-Abgeordneten in einem Untersuchungsausschuss unangenehme Fragen beantworten und sich öffentlich entschuldigen.

In Aufsichtsratskreisen sorgte die Nachricht aus den USA durchaus für Überraschung - vor allem mit Blick auf den Zeitpunkt. Immerhin seien seit dem Beginn der Affäre fast sechs Monate vergangen, hieß es. Einige Aufseher hätten mit dem Rücktritt deutlich früher gerechnet.

dpa

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