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Kreuzfahrtboom beschert Werften volle Auftragsbücher

Schiffbau Kreuzfahrtboom beschert Werften volle Auftragsbücher

Die Kreuzfahrtbranche wächst weiter rasant und beschert auch deutschen Werften volle Auftragsbücher. Laut einer Studie könnte das auch so bleiben - sofern Trends nicht verschlafen werden.

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Trotz rosiger Aussichten bei den Kreuzfahrtschiffen rechnen Schiffbauexperten mit Konkurrenz aus China.

Quelle: Maurizio Gambarini

Hamburg. Die bei Urlaubern immer beliebter werdenden Kreuzfahrten bescheren deutschen Werften volle Auftragsbücher.

Weltweit gebe es Aufträge für 55 Kreuzfahrtschiffe mit einer Tonnage von knapp sieben Millionen Tonnen, sagte der Schifffahrtsexperte von der Bremer Agentur für Struktur- und Personalentwicklung (AgS), Thorsten Ludwig, am Freitag in Hamburg. Nur eins werde dabei in Japan gefertigt. Alle anderen entstünden in Europa, wobei allein auf die niedersächsische Meyer-Werften-Gruppe 19 und auf die sich neu im Markt etablierende Lloyd Werft Gruppe 3 Modelle entfielen.

Bis 2018 kämen voraussichtlich rund 30 Schiffe auf den Markt, sagte Ludwig, der seine Studie im Auftrag der IG Metall erstellt hat. Im Vergleich zu anderen Schiffbausparten sei das "exorbitant toll". Und auch für die Zukunft sei er zuversichtlich: "Wir gehen davon aus, dass sich dieses Niveau, (...) zehn Schiffe pro Jahr weltweit, bis ins nächste Jahrzehnt fortsetzen wird." Fast die Hälfte sei dabei für den asiatischen Markt bestimmt. Seien dort Anfang des Jahrtausends noch vorwiegend Schiffe genutzt worden, die auf den Nordamerika- und Europarouten ausgedient hätten, würden nun "große Neubauen mit exklusiven Angeboten speziell für den asiatischen Markt produziert".

Der große Wettbewerbsvorteil für die deutschen und europäischen Kreuzfahrtschiff-Werften bestehe in ihrem hohen Spezialisierungsgrad, "dass man hier langjährige Erfahrung im Bau komplexer, großer Systeme hat", sagte Ludwig. Hinzu komme, dass auch die Zulieferindustrie auf höchstem Niveau arbeite. Möglich sei dies jedoch nur mit qualifiziertem Personal, vor allem Facharbeitern, betonte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken. "Es reicht nicht aus, wenn man Ingenieure hat, die durch ihre Ingenieurskunst ganz tolle Sachen entwickeln. Man muss auch Menschen in den Betrieben haben, die diese Ingenieurskunst umsetzen können."

Trotz rosiger Aussichten rechnet Schiffbauexperte Ludwig perspektivisch mit Konkurrenz aus China. "Man geht davon aus, dass 2030 zwischen 7,5 und 8 Millionen Chinesen im Jahr eine Kreuzfahrt buchen werden." Derzeit seien es noch rund eine Million. Es sei also davon auszugehen, dass China diesen Markt auch mit dem Bau von Kreuzfahrtschiffen bedienen wolle. Ein Indiz sei, dass sich schon 2014 der größte chinesische Schiffbaukonzern CSSC, die italienische Fincantieri und die britisch-amerikanische Carnival Corporation als größtes Kreuzfahrtunternehmen der Welt verständigt haben und nun prüfen, inwiefern in China das Design und die Produktion von Kreuzfahrtschiffen für den chinesischen Markt aufgebaut werden kann.

Geiken begrüßte ausdrücklich, dass der asiatische Genting-Konzern im vergangenen Jahr die Lloyd Werft gekauft und auch die drei Nordic Yards Werften in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt. Allerdings fehle nach wie vor ein Unternehmenskonzept. "Wir brauchen da Transparenz." Nach Gewerkschaftsangaben beschäftigen die Meyer-Werft und die Lloyd Werft Gruppe im Kreuzfahrtbereich allein in Deutschland 5500 Mitarbeiter. In der gesamten Schiffbauindustrie arbeiteten derzeit rund 90 000 Menschen, etwa 15 000 davon direkt auf den Werften.

dpa

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