Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Wirtschaft Krise bei Kaiser's Tengelmann: Tausende Jobs in Gefahr
Nachrichten Wirtschaft Krise bei Kaiser's Tengelmann: Tausende Jobs in Gefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:10 11.09.2016
Die Hängepartie um die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka dauert bereits seit zwei Jahren an. Quelle: Roland Weihrauch
Anzeige
Mülheim/Ruhr

Bei der angeschlagenen Supermarktkette Kaiser's Tengelmann stehen wegen hoher Verluste Tausende Jobs auf der Kippe. Mindestens 8000 Stellen seien akut gefährdet, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur am Samstag von einer Person, die mit den Vorgängen vertraut ist.

Die Kette erwirtschafte inzwischen monatlich zehn Millionen Euro Verlust und könne nicht mehr auf eine juristische Lösung im Streit um die Ministererlaubnis für den Zusammenschluss mit Edeka warten.

Wie die dpa weiter erfuhr, leiden die Geschäfte der Kette zum Teil unter sinkenden Kundenzahlen. Außerdem hätten wichtige Mitarbeiter - etwa aus der IT - von sich aus gekündigt. Kaiser's Tengelmann laufe deshalb die Zeit davon. "Es geht ums Eingemachte", hieß es in den Branchenkreisen.

Nach Informationen der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" ("WAZ", Samstag) will Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub bei einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 23. September einen Plan vorlegen, der die Schließung von Filialen und den Abbau von 5000 Arbeitsplätzen vorsieht - die meisten davon in Nordrhein-Westfalen. Eine Tengelmann-Sprecherin bestätigte am Samstag den Termin für das Treffen. Zum Inhalt der Sitzung machte sie jedoch keine Angaben.

Die Gewerkschaft Verdi erinnerte den Tengelmann-Chef an seine Verantwortung für die Beschäftigten. "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über einen möglicherweise drohenden Stellenabbau bei Kaiser's Tengelmann. Wir erwarten aber vom Eigentümer Karl-Erivan Haub, dass er im Rahmen des von ihm betriebenen Verkaufs die Verantwortung für den Erhalt und die Sicherheit der Arbeitsplätze in den Mittelpunkt stellt, um in einer schwierigen Situation eine gute Zukunft für die Beschäftigten zu ermöglichen", sagte ein Gewerkschaftssprecher.

Die Hängepartie um die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka dauert bereits seit zwei Jahren an. Zuletzt hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf die von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) erteilte Ministererlaubnis für den Zusammenschluss vorläufig gestoppt. Eine juristische Klärung könnte Jahre dauern.

Die "WAZ" berichtete unter Berufung auf einen Insider, Haub sei nach zwei Jahren inzwischen mit seiner Geduld am Ende. Statt die Verluste in der Supermarktsparte weiter auszugleichen, neige er nun zur Aushandlung eines gleichermaßen teueren Sozialplans, um Filialen mit roten Zahlen loszuwerden. Sollte Haub dies umsetzen, wäre allerdings Gabriels Ministererlaubnis hinfällig.

Die wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, forderte den Bundeswirtschaftsminister auf, seinen Kurs zu überdenken. "Statt in langwierigen Gerichtsverfahren die Ministererlaubnis erzwingen zu wollen, sollte Gabriel endlich umlenken und mit Kaiser's Tengelmann über rechtssichere Alternativen verhandeln." Ein anteiliger Verkauf der Filialen an verschiedene Supermarktketten - nicht nur an Edeka allein - wäre nach Einschätzung der Grünen von Anfang an die bessere Alternative gewesen. "Diesen Weg sollte Gabriel nun endlich einschlagen."

Das Bundeswirtschaftsministerium teilte am Samstag mit, es wolle Meldungen über die unternehmerische und geschäftliche Situation bei Kaiser's Tengelmann nicht kommentieren.

dpa

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

CSU-Chef Horst Seehofer (CSU) hält die Riester-Rente für gescheitert. Dem widerspricht der Produktvorstand der Allianz Lebensversicherung. Ganz glücklich ist er mit dem aktuellen System allerdings nicht.

11.09.2016

Die Mehrheit der Deutschen ist dafür, Dieselautos mit hohem Schadstoffausstoß aus Stadtteilen mit besonders schlechter Luft zu verbannen. 59 Prozent sprachen sich in einer Umfrage im Auftrag von Greenpeace dafür aus, dass schmutzige Diesel in belasteten Quartieren nicht mehr fahren sollten.

11.09.2016

Der Fahrermangel bereitet dem Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO) große Sorgen. "Es fehlen akut 2000 Busfahrer", sagte ein Sprecher des Verbands, der nach eigenen Angaben 3000 private und mittelständische Firmen aus dem Bereich Personennahverkehr, Bustouristik und Fernlinienbus vertritt.

11.09.2016
Anzeige