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Wirtschaft Lastwagen-Chef Bernhard verlässt Daimler
Nachrichten Wirtschaft Lastwagen-Chef Bernhard verlässt Daimler
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16:45 10.02.2017
Daimler Nutzfahrzeuge-Vorstand Wolfgang Bernhard verlässt den Konzern überraschend. Quelle: dpa
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Stuttgart

Daimlers Lastwagen-Chef Wolfgang Bernhard muss den Konzern verlassen. Der Vorstand werde mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben freigestellt, teilte der Konzern am Freitag mit. Zuvor hatte Bernhard erklärt, dass er seinen bis Februar 2018 laufenden Vertrag überraschend nicht verlängern will. Bernhard scheide auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus, hieß es in der Pressemitteilung. Übergangsweise werde Konzernchef Dieter Zetsche die Leitung des Geschäftsfelds übernehmen. Zetsche hatte den Posten des Nutzfahrzeugchefs schon einmal inne – Ende der 90er Jahre.

Schon am Donnerstagabend war bekannt geworden, dass Bernhard nicht weitermachen will. Laut „Spiegel Online“ erklärte der 56-Jährige, dass er künftig selbstständig arbeiten wolle, möglicherweise als Investor. Selbst unter Aufsichtsräten soll von Bernhards Plänen nichts bekannt gewesen sein. Das Kontrollgremium tagte erst am Freitag.

Spekulationen um Nachfolge – diverse Namen im Gespräch

Als potenzielle Nachfolger Bernhards werden die Namen von Volker Mornhinweg, Chef der Transporter-Sparte, und Stefan Buchner, Chef der Lastwagenmarke Mercedes-Benz und verantwortlich für das Europageschäft, ins Spiel gebracht. Beide sind mit 57 Jahren allerdings schon älter als Bernhard selbst. Chancen werden auch dem Produktionschef der Pkw-Sparte, Markus Schäfer (51), eingeräumt. Er bringe die Technikaffinität mit, die für das Lastwagengeschäft notwendig sei, heißt es im Umfeld des Konzerns. Auch das Alter spricht für Schäfer.

Bernhards Abgang trifft den Autobauer zu keinem glücklichen Zeitpunkt. Das Lastwagengeschäft läuft derzeit nicht rund, weil wichtige Märkte wie Nordamerika schwächeln. Im vergangenen Jahr verkauften die Stuttgarter mit 415 100 Einheiten knapp 90 000 weniger als im Vorjahr. Wichtige Märkte wie Nordamerika, Brasilien und Indonesien schwächelten. Dabei schaffte es Bernhard trotz der Schwäche die Gewinnmarge hoch zu halten.

Betriebsrat wollte sich noch nicht äußern

Ein neues Sparprogramm, dass jährlich 400 Millionen Euro sparen soll, soll den Bereich zumindest, was den Gewinn angeht, wieder auf Kurs bringen. Bernhard wollte Details dazu bis Ende März ausarbeiten. Auch einen Stellenabbau schloss der als harter Sanierer bekannte Manager zuletzt nicht aus. Diese Pläne wird nun allerdings wohl ein anderer umsetzen. Der Betriebsrat wollte sich am Freitag zunächst nicht zu dem Wechsel äußern.

Bernhard war 1994 zu dem Konzern gekommen und hatte sich im Alter von 42 Jahren in die Vorstandsetage des US-Autobauers Chrysler hochgearbeitet. Nach einem Streit mit dem Betriebsrat und dem damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp musste er 2004 gehen und landete bei Volkswagen. Nach seiner Rückkehr zu Daimler 2009 war er als Nachfolger von Zetsche gehandelt worden. Inzwischen gilt aber der deutlich jüngere Entwicklungsvorstand Ola Källenius als Kronprinz.

Dessen Vertrag verlängerte der Aufsichtsrat nun turnusmäßig um weitere fünf Jahre – bis Ende 2022. Damit dürfte schon jetzt feststehen, dass Källenius länger bei dem Konzern bleiben wird als Vorstandschef Dieter Zetsche, dessen Vertrag Ende 2019 ausläuft.

Zur Person

Als konfliktscheu kann man Wolfgang Bernhard nicht bezeichnen. Der 56-Jährige legte sich in seiner Kariere beim Autobauer Daimler sowohl mit dem damaligen Vorstandschef Jürgen Schrempp als auch mit dem mächtigen Betriebsrat an. Doch nun schmeißt er hin und verlässt das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Der Konzern stellt ihn sofort frei, dabei liefe sein Vertrag noch bis Februar 2018. Einst war Bernhard als potenzieller Nachfolger von Vorstandschef Dieter Zetsche gehandelt worden.

Bernhard wurde 1960 im Allgäu unter dem Namen Ayerle geboren, den er später gegen den Geburtsnamen seiner Mutter tauschte. Der promovierte Wirtschaftswirtschaftswissenschaftler kam 1994 über den Umweg der Unternehmensberatung McKinsey zu Daimler. Später arbeitete er sich über die Kaderschmiede des Konzerns, die Tuning-Sparte AMG, schnell in den Vorstand der Chrysler AG hoch.

Er galt eins als „Wunderkind“

Doch 2004 endete die Karriere des einst als „Wunderkind“ gehandelten Managers bei den Schwaben abrupt, unmittelbar bevor er sein Amt als neuer Chef der Mercedes-Sparte annehmen sollte. Der unbequeme Manager war beim damaligen Vorstandschef Schrempp in Ungnade gefallen. Auch der Betriebsrat war gegen Bernhard, der als harter Sparfuchs gilt.

Der Überflieger ging zur Konkurrenz und wurde Vorstand für die Marke Volkswagen. Als Martin Winterkorn im Januar 2007 allerdings den Chefsessel in Wolfsburg übernahm, war kein Platz mehr für Bernhard.

Ruf als harter Sanierer

2009 kehrte der Manager als Chef der Transportersparte nach Stuttgart zurück, um ein Jahr später Produktionsvorstand bei Mercedes-Benz zu werden. 2013 musste er nach Querelen mit dem Betriebsrat den Posten als Produktionschef der Pkw-Sparte gegen das Lkw-Geschäft tauschen.

In der Lkw-Sparte wurde er seinem Ruf als harter Sanierer erneut gerecht. 2015 trieb er das konjunkturanfällige Geschäft auf neue Profitabilitätshöhen und brachte die Forschung rund um vernetzte und autonom fahrende Lastwagen voran.

Von RND/dpa

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