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Letzter US-Förderer pleite: Hype um Seltene Erden ist vorbei

Energie Letzter US-Förderer pleite: Hype um Seltene Erden ist vorbei

Was haben Smartphones, Windräder, Hybridautos, Flachbildschirme oder Präzisionswaffen gemeinsam? In ihnen werden Seltene Erden verbaut, eine Gruppe von 17 chemischen Elementen mit besonderen Eigenschaften, die in der Industrie gebraucht werden.

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Tagebau im chinesischen Ganxian: Der Markt um Seltene Erden wurde offenbar massiv überschätzt.

Quelle: Str

New York. In den USA hat Molycorp, der letzte Förderer dieser Rohstoffe, jüngst Insolvenz angemeldet - die größte Wirtschaftsmacht der Welt verabschiedet sich aus einem Geschäftsfeld, das unlängst noch als geostrategisch enorm wichtige Wachstumsnische galt. Doch inzwischen zeigt sich, dass der Markt offenbar massiv überschätzt wurde.

"60 Minutes", eine Doku-Reihe des Senders CBS, ist eines der renommiertesten Investigativ-Formate im US-Fernsehen. Doch die Folge zum Thema Seltene Erden, die sich vor allem Molycorp und seiner Bergbaumine Mountain Pass in Kalifornien widmete, erntete vor kurzem ungewöhnlich viel Kritik. Die Reportage vermittelt den Eindruck, dass China ein Monopol habe und für das Verarbeitende Gewerbe der USA, die Rüstungsindustrie insbesondere, eine große Gefahr darstelle. Peking könne die Abhängigkeit anderer Länder nach Belieben ausnutzen.

"Das Problem mit dieser Analyse ist, dass sie falsch ist", kommentierte der Branchenexperte Tim Worstall in einem Gastbeitrag für das Magazin "Forbes". Tatsächlich schwinde die Bedeutung Chinas immer stärker, von einer marktbeherrschenden Stellung könne keine Rede mehr sein. Der chinesische Anteil an der weltweiten Produktion Seltener Erden ist innerhalb weniger Jahre von über 97 auf gut 86 Prozent gefallen. Das ist immer noch viel, aber Worstall sieht darin keine Bedrohung. China habe bereits versucht, seine Marktmacht auszuspielen - vergeblich.

2010 schränkte Peking den Export Seltener Erden ein und katapultierte so die Preise in die Höhe. Das war aber zugleich der Startschuss für den Rest der Welt, nach neuen Quellen zu suchen - der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe BGR zufolge wurden auch rasch Hunderte entdeckt. Zudem fanden Firmen zunehmend Wege, die teuren Stoffe bei der Produktion zu ersetzen. Auch industrielle Entwicklungen, wie der Siegeszug der LED-Lampen, die viel weniger Seltene Erden brauchen als konventionelle oder Energiesparlampen, dämpften die Nachfrage.

Das Ergebnis: ein massiver Preisverfall. Dem "Wall Street Journal" zufolge haben sich Seltene Erden in den vergangenen fünf Jahren um mehr als das Zehnfache verbilligt. Das Marktvolumen sei mittlerweile von über 17 Milliarden Dollar auf nur noch etwa eine Milliarde Dollar geschrumpft. Unter dem Druck der Welthandelsorganisation hat China die Ausfuhrschranken Anfang des Jahres abgebaut, doch angesichts der Marktentwicklung hielt sich der Widerstand Pekings letztlich wohl auch in Grenzen. Ausgeschöpft wurden die Exportquoten ohnehin nicht.

Der Bedeutungsverlust der Seltenen Erden hat wesentlich mehr Opfer als das US-Minenunternehmen Molycorp, das es auf dem Höhepunkt des Booms auf einen Börsenwert von sechs Milliarden Dollar brachte - aber seit 2011 keinen Gewinn machte, und nun mit einem Schuldenberg von 1,7 Milliarden Dollar vor der Pleite steht. Auch diverse Anleger wurden kalt erwischt. Der Finanzvertrieb rührte eine Zeit lang in großem Stil die Werbetrommel für Zertifikate und Fonds zum Thema.

2011 sagten Analysten bis 2015 einen kräftigen Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Seltenen Erden auf mehr als 200 000 Tonnen pro Jahr voraus. Stattdessen sank die globale Produktion in den vergangenen Jahren auf etwa 110 000 Tonnen.

Der Bloomberg-Index für das Anlagesegment stürzte seit seinem Rekordhoch von 111,4 Punkten im April 2011 rapide ab und markierte zuletzt einen Tiefststand von 22,1 Zählern. Dennoch sollte die geopolitische Relevanz Seltener Erden nicht unterschätzt werden. Einige von ihnen bleiben für die Industrie unersetzlich und China kann den Markt weiter dominieren.

dpa

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