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Wirtschaft Lufthansa: Mehr Geld und Extra-Ausbildung für Flugbegleiter
Nachrichten Wirtschaft Lufthansa: Mehr Geld und Extra-Ausbildung für Flugbegleiter
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16:48 05.07.2016
Der frühere Ministerpräsident von Brandenburg, Matthias Platzeck, hat bei den Tarifgesprächen mit der Lufthansa geschlichtet. Quelle: Patrick Pleul
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Berlin

Bei den Flugbegleitern der Lufthansa herrscht in den nächsten Jahren wieder Tariffrieden. Die Fluggesellschaft einigte sich mit der Gewerkschaft Ufo auf ein Tarifpaket, das zum Teil bis zum Jahr 2023 gilt.

Beide Seiten nahmen am Dienstag in Berlin die Empfehlung des Schlichters und brandenburgischen Ex-Ministerpräsidenten Matthias Platzeck an. Für die rund 19 000 Flugbegleiter sieht die Einigung mehr Geld vor, ein neues System der Alters- und Übergangsversorgung sowie eine Beschäftigungsgarantie bis zum Jahr 2021.

Die Einkommen der Flugbegleiter steigen im Zeitraum Januar 2016 bis Juni 2019 um insgesamt gut fünf Prozent. Einer ersten Erhöhungsstufe von 2,2 Prozent im vorigen Januar folgen eine Anhebung um 1,0 Prozent im Oktober 2016 und eine weitere von 2,0 Prozent im Januar 2018.

Platzeck nannte die Alters- und Übergangsversorgung "eines der schwierigsten Themen" in der Schlichtung. Dabei sei eine Lösung gefunden worden, die für die Mitarbeiter gut auszuhalten sei und die betriebliche Versorgung für das Unternehmen kalkulierbarer mache.

Beide Seiten hatten sich fast drei Jahre über Gehälter und Arbeitsbedingungen gestritten. Ein erstes Schlichtungsverfahren war gescheitert. Dem SPD-Politiker Platzeck gelang nun die Vermittlung. Letzte Details seien erst am Dienstag geklärt worden, sagte er. Der Abschluss mit insgesamt 29 Tarifverträgen steht noch unter dem Vorbehalt, dass ihm die Ufo-Mitglieder bis zum 10. August in einer Urabstimmung zustimmen.

Wie bisher können Kabinenmitarbeiter auch künftig ab dem 55. Lebensjahr aus dem Flugdienst ausscheiden. Anders als bisher erhalten neu eingestellte Flugbegleiter für die ersten fünf Jahre aber keine Beiträge zur Alters- und Übergangsversorgung, es sei denn, sie absolvieren eine achtzehnmonatige Zusatzausbildung. Das spare Kosten, sagte Lufthansa-Personalvorstand Bettina Volkens. Deren Höhe sei aber noch nicht zu beziffern.

Ohne eine Extra-Ausbildung auf Bachelor-Niveau bekommen neue Mitarbeiter auch nach fünf Jahren keine Übergangsversorgung. Diese ist für die Zeit zwischen Ausscheiden aus dem Beruf und Beginn der gesetzlichen Rentenalters gedacht. Diese neuen Tarifregeln sind bis Ende 2023 festgeschrieben.

Alle Flugbegleiter sind nach dem Vertragswerk bis 2021 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. Das Unternehmen sagte außerdem zu, seine Flugzeuge bis 2023 nicht mit Fremdpersonal zu besetzen. Zuletzt war die Personaldecke sehr dünn geworden. In diesem Jahr will Lufthansa 1400 neue Flugbegleiter einstellen.

Ufo-Verhandlungsführer Nicoley Baublies sagte, Platzeck sei "der Kunstgriff gelungen, unsere unterschiedlichen Interessen auf bestmögliche Art zu verheiraten". Lufthansa-Vorstand Volkens hob hervor, dass langfristige Verträge geschlossen worden seien. Beide Seiten hätten sich auch darauf verständigt, dass vor einem "Vollstreik" künftig ein Schlichter angerufen werden müsse.

Ufo hatte im vergangenen November den härtesten Streik in der Geschichte des Unternehmens organisiert, bei dem rund 4700 Flüge ausgefallen waren. Im Januar hatte dann Platzeck das Amt des Schlichters übernommen und gleich zu Beginn eine erste Teileinigung erreicht. Noch offen ist allerdings der Tarifkonflikt mit den Piloten, die bereits 13-mal gestreikt haben.

Letztmalig hat die Ufo über die Tarife für die Flugbegleiter verhandelt. Die Kabinengewerkschaft geht in der neuen Industriegewerkschaft Luftverkehr (IGL) auf, die in Konkurrenz vor allem zu Verdi auch Verträge für andere Berufsgruppen abschließen will.

Über das Kabinenpersonal der Billigtochter Eurowings sprachen Lufthansa und Ufo in der Endphase der Schlichtung ebenfalls. Angestrebt wird hier eine Einigung bis Ende September, wie Volkens sagte. Es geht um Fragen der Mitbestimmung, Betriebsrenten und Möglichkeiten, von Eurowings zur Lufthansa-Mutter zu wechseln.

dpa

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