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Mehr Tier- und Verbraucherschutz: Handelsriesen machen Druck

Handel Mehr Tier- und Verbraucherschutz: Handelsriesen machen Druck

Aldi, Edeka und Co. nutzen ihre Einkaufsmacht immer häufiger, um Tier- und Verbraucherschutz voranzutreiben. Tierschützer klagen jedoch: "Das Ganze ist scheinheilig, wenn gleichzeitig jede Woche so massiv auf Handzetteln für Billigfleisch geworben wird."

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Käfighaltung: Legehennen auf einem Hof in Nordrhein-Westfalen.

Quelle: Roland Weihrauch/Archiv

Düsseldorf. Deutschlands große Lebensmittelhändler machen Druck. Immer öfter nutzen Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka ihre Marktmacht, um in der Lebensmittelindustrie und der Landwirtschaft Forderungen nach mehr Umwelt-, Tier- und Verbraucherschutz durchzusetzen.

Discount-Marktführer Aldi untersagte erst vor wenigen Tagen seinen Lieferanten, beim Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln in Deutschland das Sprühen von acht umstrittenen Pestizid-Wirkstoffen. Das Ziel: Mehr Schutz für Bienen. Lidl als Nummer zwei der Branche setzt den Lieferfirmen unter anderem enge Grenzen beim Einsatz von Antibiotika in der Tiermast und betont selbstbewusst: "Die Einhaltung gesetzlicher Standards ist eine Selbstverständlichkeit. Lidl gibt sich damit nicht zufrieden."

Edeka akzeptiert inzwischen bei Obst und Gemüse seiner Eigenmarken maximal 50 Prozent der gesetzlich zugelassenen Mengen an Pflanzenschutzmittelrückständen. Rewe verbannte Mikroplastik aus den eigenen Kosmetikartikeln. Und auch sonst gehen die Händler immer wieder über geltende gesetzliche Vorgaben hinaus: Etwa wenn sie kein Frischfleisch von betäubungslos kastrierten Schweinen mehr anbieten wollen oder sich gegen das Schnabelkürzen bei Legehennen einsetzen.

Für den Marketingexperten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist dieses Engagement nicht zuletzt eine Antwort auf den wachsenden Druck der Öffentlichkeit. "Die Verbraucher erwarten heute von den Einzelhandelsketten, dass sie sich um Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz kümmern."

Wie groß dabei die Einflussmöglichkeiten von Aldi, Edeka und Co. sind, macht der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder, an einem Beispiel deutlich: "Es waren Aldi und Lidl, die gemeinsam als erste die Käfigeier ausgemustert haben. Und innerhalb eines halben Jahres waren die Qualeier verschwunden."

Tatsache ist: Wenn Edeka, Rewe, Aldi oder Lidl etwas von der Lebensmittelindustrie fordern, dann werden sich die Lieferanten den Wünschen nur selten verschließen, weil sie befürchten müssen, sonst bei den nächsten Orderrunden übergangen zu werden.

Unter welchem Druck sich die Lebensmittelindustrie zuweilen sieht, zeigt ein aktuelles Beispiel. Nachdem Aldi Süd von Lieferanten wirksamere Maßnahmen gegen die Verunreinigung von Lebensmitteln durch Mineralölbestandteile verlangte, klagte der Spitzenverband der Lebensmittelwirtschaft BLL: "Aldi fordert eine Nulltoleranz." Diese könne jedoch bei der unvermeidbaren Präsenz der Mineralöle in unserer Umwelt "von den Herstellern schlicht NICHT gewährleistet werden".

Trotz aller Bemühungen gibt es von den Umweltschützern aber nicht nur Lob für die Handelsriesen. Beispiel Tierschutz: "Das Ganze ist scheinheilig, wenn gleichzeitig weiterhin jede Woche so massiv auf Handzetteln für Billigfleisch geworben wird", meint der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. Wer Billigpreise für Fleisch bewerbe, der senke das Tierschutzniveau in den Ställen.

Stephanie Töwe, Greenpeace-Landwirtschaftsexpertin, meint: "Der Handel hat den Konsumenten beigebracht, dass Fleisch billig ist. Jetzt muss er den Kunden erklären, warum sie mehr dafür bezahlen sollen. Das tut er bisher nicht." Sie plädiert dafür, bei Fleisch eine Herkunfts- und Haltungskennzeichnung einzuführen wie bei Eiern. Dort kann der Kunde mit einem Blick erkennen, ob das Huhn aus Bodenhaltung, Freilandhaltung oder von einem Biohof stammt.

Der Marketingexperte Fassnacht sieht allerdings auch den Verbraucher in der Pflicht. Dessen Anforderungen bei Themen wie Nachhaltigkeit und Tierschutz würden zwar immer größer. "Das Problem ist nur, dass die meisten Konsumenten nicht bereit sind, dafür mehr zu bezahlen. Das macht die Sache für die Unternehmen schwierig."

dpa

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