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Nachrichten Wirtschaft Post macht Entfristung von Krankheitstagen abhängig
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17:26 06.05.2018
Die Deutsche Post entfristet Verträge nur unter strengen Auflagen. Quelle: dpa
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Hannover

Mit strengen Vorgaben für die Entfristung von Arbeitsverträgen sorgt die Deutsche Post für Kritik. Offenbar ist eine unbefristete Anstellung von der Anzahl der Krankheitstage abhängig: Wer in den vergangenen zwei Jahren mehr als sechs mal krank gewesen ist und mehr als 20 Fehltage hat, kann bei der Post nicht auf einen unbefristeten Vertrag hoffen. Das berichtet die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf ein vertrauliches „Entfristungskonzept“.

Demnach dürfen Postboten „höchstens zwei selbstverschuldete Unfälle mit einem Schaden unter 5000 Euro verursacht haben“. Weiter dürften die Angestellten „in drei Monaten nicht mehr als 30 Stunden länger für ihre Touren gebraucht haben als vorgesehen

Während die Post gegenüber der Zeitung von einer „verantwortungsbewussten Entfristungspolitik“ spricht, bezeichnete die Grünen-Sprecherin für Arbeitnehmerrecht, Beate Müller-Gemmeke, die Kriterien als „völlig menschenverachtend und sittenwidrig“. Die Post missbrauche die Befristung als verschärfte Probezeit, monierte die 57-Jährige.

Post kann Aufregung über Konzept nicht verstehen

Der Vorsitzende der Arbeitnehmergruppe der Union und arbeitsmarktpolitischer Sprecher, Peter Weiß, bezeichnete das Konzept der Post als „Quatsch“. Es sei der Personalabteilung eines Großunternehmens unwürdig, sagte der CDU-Politiker.

Ein Sprecher der Post in Bonn bestätigte den Bericht am Sonntag auf Anfrage. Die Aufregung darüber erschließe sich ihm nicht, sagte er. Die gleichen Medien, die das Konzept nun kritisierten, wären die ersten, die aufschreien würden, wenn es Mängel bei der Zustellung geben sollte.

„Dass wir im Konzern überlegen, wer auf Dauer den Anforderungen gewachsen ist, das ist im Interesse aller Beteiligten, insbesondere der Kunden“, sagte der Sprecher. Die Tätigkeit des Postboten sei auch körperlich anstrengend.

Millionen Menschen haben befristete Jobs

Im übrigen lege die Post aber keine Schablonen an, sondern berücksichtige immer das Gesamtbild. Da Zusteller im Moment dringend gesucht würden, könne man außerdem davon ausgehen, dass die Auswahl nicht nach zu strengen Kriterien erfolge.

Innerhalb des vergangenen Jahres habe die Post rund 9000 befristete Verträge in unbefristete Arbeitsverhältnisse überführt. Wie viele der insgesamt rund 216.000 deutschen Post-Mitarbeiter befristete Verträge haben, wollte die Post nicht mitteilen.

Laut Angaben des Statistischen Bundesamtes waren 2016 2,8 Millionen Menschen befristet beschäftigt. Während ihr Anteil an der Gesamtzahl der abhängig Beschäftigten im vergangenen Jahr relativ stabil war, stieg der Anteil bei jungen Arbeitnehmern zwischen 25 und 34 Jahren deutlich an: von 9,6 Prozent vor 20 Jahren über 16,6 Prozent 2006 bis auf 18,1 Prozent 2016.

Von RND/are/dpa

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