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Wirtschaft RWE streicht erneut Dividende
Nachrichten Wirtschaft RWE streicht erneut Dividende
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08:05 27.04.2017
RWE-Vorstandsvorsitzender Rolf Martin Schmitz Quelle: dpa
Essen

Bittere Pille für die Aktionäre des Energiekonzerns RWE: Nach der Aufspaltung des Konzerns und tiefroten Zahlen im vergangenen Jahr fällt wie schon 2015 die Dividende für Stammaktien aus. Das bringt der wichtigsten Anlegergruppe, Städten und Landkreisen vor allem aus Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, Millioneneinbußen in ihren knapp kalkulierten Haushalten.

Ein Aufstand der Kommunen bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Essen zeichnete sich dennoch nicht ab. Denn im laufenden Jahr soll sich die Geschäftslage von RWE leicht verbessern und für 2017 ist auch wieder eine Ausschüttung von 50 Cent pro Aktie geplant - immerhin die Hälfte des Wertes von 2014.

Börsengang von Großtochter brachte Milliarden

„Das hat die Gemüter beruhigt“, sagt der Geschäftsführer des kommunalen Anlegerverbandes VKA, Ernst Gerlach. Gegenanträge zum Aktionärstreffen oder gar die Forderung nach einer Nichtentlastung des Vorstandes planten die Kommunen nicht, die knapp ein Viertel der RWE-Anteile halten.

Der Konzern habe für 2017 und die Folgejahre ein stabiles Dividendenversprechen abgegeben, sagt auch VKA-Chef Günther Schartz. Das sei wichtiger als kurzfristige Ausschüttungen. Der teurere Atomausstieg und die Folgen der Energiewende - der Absturz des Strompreises an der Börse - belaste schließlich nicht nur RWE, sondern die ganze Branche.

Dass die Kritik mancher Kommunalvertreter an RWE deutlich leiser geworden ist, liegt vor allem an der gelungenen Aufteilung in einen Mutterkonzern mit konventioneller Stromerzeugung und die Großtochter Innogy für Ökostrom, Netze und Vertrieb im Jahr 2016. Der erfolgreiche Börsengang von Innogy im vergangenen Herbst hatte RWE 2,6 Milliarden Euro eingebracht - und eine lukrative Tochter mit sicheren Einnahmen aus staatlich garantiertem Netzgeschäft sowie Wind- und Sonnenstrom.

RWE plant 6,8-Milliarden-Euro-Überweisung an einem Tag

Die satte Dividende von 1,60 Euro, die Innogy Anfang der Woche beschlossen hat, fließt zu 77 Prozent der Mutter zu. RWE kann so gut 680 Millionen Euro Innogy-Ausschüttung verbuchen. Dass Vorstandschef Rolf Martin Schmitz Mitte März bei der Bilanzvorlage für 2017 leicht steigende Gewinne versprechen konnte, liegt ebenfalls maßgeblich an der erfolgreichen Tochter.

Allerdings hat RWE seine starke Tochter nach Meinung von Börsenfachleuten auch dringend nötig. Denn vor dem einst mächtigen Stromkonzern liegt ein jahrelanger mühsamer Schrumpfungsprozess bei Braun- und Steinkohle und kurzfristig eine Zahlung von 6,8 Milliarden Euro an den Atomfonds der Bundesregierung für die Zwischen- und Endlagerung. RWE will das Geld am 1. Juli 2017 auf einen Schlag überwiesen, um hohe Zinsen für eine Ratenzahlung zu vermeiden. Das fordere den Konzern bis an seine Grenzen, sagt der Fondsmanager Thomas Deser von Union Investment. Experten rechnen damit, dass RWE in den kommenden Jahren weitere Innogy-Anteile verkauft.

Der Stromriese mit seinen Tagebauen und Kohlekraftwerken stößt wegen des hohen CO2-Ausstoßes auf starken Widerstand in Teilen der Bevölkerung. Das lässt sich Jahr für Jahr bei Protesten und Menschenketten vor der RWE-Hauptversammlung beobachten. Auch in diesem Jahr gibt es wieder Aufrufe von Umweltschützern zu Aktionen, 2016 hatten sogar mehrere Demonstranten während des Aktionärstreffens die Bühne gestürmt. RWE pocht demgegenüber stets auf die Einhaltung aller Grenzwerte und noch viele Jahre reichende Genehmigungen für den Abbau von Kohle - als sicher gilt aber, dass größere neue Projekte politisch wohl kaum noch durchsetzbar sind.

Von dpa/RND/zys