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Richter weist Millionen-Forderung im Flowtex-Prozess ab

Kriminalität Richter weist Millionen-Forderung im Flowtex-Prozess ab

Gläubiger im Flowtex-Skandal hoffen auf Schadenersatz in Millionenhöhe aus der Schweiz. Doch im Strafverfahren um Geldwäsche lässt der Richter keine Forderungen deutscher Insolvenzverwalter zu.

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Von den mehr als 3000 «verkauften» Spezialbohrgeräten existierten die meisten nur auf dem Papier.

Quelle: Uli Deck

Frauenfeld. Rund 15 Jahre nach seiner Aufdeckung hat einer der größten Betrugsfälle in der deutschen Wirtschaftsgeschichte seit Montag ein juristisches Nachspiel in der Schweiz.

Allerdings lösten sich Hoffnungen von Gläubigern auf Schadenersatz-Überweisungen aus der Schweiz bereits am ersten Tag des Flowtex-Prozesses vor dem Bezirksgericht in Frauenfeld (Kanton Thurgau) weitgehend in Luft auf.

Auf Antrag der Verteidigung des einstigen Chefs von Flowtex, Manfred Schmider, sowie dessen Ex-Frau und deren Sohn und Tochter entschied das Gericht, zivilrechtliche Forderungen auf Entschädigungen in dem Strafverfahren um Geldwäsche, Veruntreuung und Urkundenfälschung nicht zuzulassen.

Richter Rudolf Fuchs folgte dabei der Argumentation, dass Forderungen deutscher Insolvenzverwalter bereits in einem Zivilprozess im Kanton Zürich anhängig seien. Es sei nicht zulässig, die gleichen Forderungen in zwei Prozessen parallel zu behandeln. Über die Zulassung der strafrechtlich relevanten Vorwürfe der Anklage werde das Gericht am Dienstag entscheiden. Die Verteidigung macht in mehreren Punkten der Anklage wegen Geldwäsche geltend, dass diese verjährt seien.

Die Staatsanwaltschaft wirft vor allem Schmiders damaliger Frau vor, Vermögenswerte von insgesamt umgerechnet rund 22 Millionen Euro in der Schweiz versteckt und so der Insolvenzmasse von Flowtex entzogen zu haben - darunter die Verkaufserlöse für eine Villa in St. Moritz, ein 51-Karat-Diamant und andere wertvolle Juwelen.

Manfred Schmider wird Geldwäsche vorgeworfen. Für ihn fordert die Staatsanwaltschaft dreieinhalb Jahre Haft, für die Frau fünf Jahre und fünf Monate. Zudem sollen nach der Vorstellung der Ankläger hohe Geldbußen gezahlt werden. Ursprünglich hatten die Staatsanwälte auch beantragt, den größten Teil des Schmider-Vermögens in der Schweiz einzuziehen und Geschädigten des Flowtex-Betrugs zu übergeben. Darüber kann nun nur noch in einem Zivilverfahren in Meilen am Zürichsee entscheiden werden, das bereits seit 2012 anhängig ist.

Die von Schmider in Ettlingen bei Karlsruhe gegründete Firma Flowtex hatte mehr als 3000 Spezialbohrgeräte zur unterirdischen Rohrverlegung "verkauft", von denen die meisten allerdings nur auf dem Papier existierten. Der Schaden durch diese Luftgeschäfte belief sich auf 2,6 Milliarden Euro. Schmider - bekannt als "Big Manni" - saß in Deutschland sieben Jahre in Haft, 2007 kam er frei. Er lebt heute auf Mallorca. Seine Familie war 2002 in die Schweiz umgezogen.

dpa

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