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Wirtschaft Rudolf von Sandersleben: Leipziger Wirtschaftsexperte wird 80
Nachrichten Wirtschaft Rudolf von Sandersleben: Leipziger Wirtschaftsexperte wird 80
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00:52 27.04.2018
Wünscht sich zum 80. Geburtstag ein Gremium zum Bürokratieabbau in Sachsen: Rudolf von Sandersleben. Quelle: Foto: André Kempner
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Leipzig

Die Liste seiner vergangenen und jetzigen Ehrenämter ist lang. Sie reicht vom amtierenden Präsidenten des Wirtschaftsclubs Leipzig über das Kuratoriumsmitglied der Mitteldeutschen Krebsforschung bin zum ehemaligen Honorarkonsul von Schweden in Sachsen und Sachsen-Anhalt. Lange Jahre arbeitete im In- und Ausland für verschiedene Industriekonzerne und Banken. 1991 kam er für das Bankhaus Sal. Oppenheim nach Leipzig, um das Geschäft in den neuen Bundesländern anzukurbeln. Einer breiten Öffentlichkeit ist er trotz aller Aktivitäten nicht gerade bekannt. Rudolf von Sandersleben kann also getrost als graue Eminenz bezeichnet werden. Heute feiert der in Pethau im Kreis Zittau Geborene seinen 80. Geburtstag.

Mit einer Tropenärztin verheiratet

Der mit einer Tropenärztin verheiratete von Sandersleben, der nach der Wende das Euro-Asian Business Center der Leipziger Messe aufbaute, hatte und hat diverse Aufsichtsrats- und Beiratsmandate in der Wirtschaft, unter anderem bei der Leipziger Software-Schmiede PC Ware AG. Zurzeit ist er der Vertreter der drei sächsischen Industrie- und Handelskammern im Außenwirtschaftsausschuss der Dachorganisation DIHK in Berlin.

Biedenkopf wollte ihn als Wirtschaftsminister

Erlebt hat er in seinem abwechslungsreichen Leben natürlich viel. So war er 1990 in Hamburg Gast des ehemaligen CDU-Wirtschaftsministers von Schleswig-Holstein, Jürgen Westphal (90). „Er bekam einen Anruf von Kurt Biedenkopf“, erinnert sich von Sanderleben. Aus den Antworten habe er mitbekommen, dass Biedenkopf (88) Westphal das Amt des sächsischen Wirtschaftsministers angeboten habe. Westphal lehnte dankend ab, empfahl aber seinen früheren persönlichen Referenten, der seit einiger Zeit Bürgermeister von Neumünster sei. So wurde Kajo Schommer, der 2007 im Alter von 67 Jahren starb, Wirtschaftsminister im Kabinett von Biedenkopf.

Geschichten von den Männern der ersten Stunde

„Dass Sachsen sich so fabelhaft entwickelt hat, ist ganz wesentlich drei Männern der ersten Stunde zu verdanken“, meint von Sandersleben. Neben Biedenkopf und Schommer sei das der frühere Finanzminister Georg Milbradt (73) gewesen. „Sie haben entscheidend dazu beigetragen, dass BMW das Werk in Leipzig und nicht in Rostock gebaut hat.“

Von Sandersleben berichtet, dass Schommer stets ein großes Interesse an der Luftfahrtbranche gehabt habe. So habe Schommer einmal den Vize-Verkehrsminister Chinas nach Leipzig eingeladen. „Als er mit seiner Delegation auf dem Airport-Tower stand, war aber weit und breit kein Flugzeug zu sehen. Erst später kam eine kleine Maschine mit BMW-Managern an Bord. Da haben sich die Chinesen höflich verabschiedet.“

Auch mit einem anderen Flughafen-Projekt sei Schommer gescheitert. So habe er vorgeschlagen, im Dreieck zwischen Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt einen internationalen Großflughafen zu errichten. Doch der damalige Regierende Bürgermeister von Berlin, der CDU-Politiker Eberhard Diepgen (76), habe die Idee kurzerhand vom Tisch gewischt: Berlin brauche alleine einen Großflughafen. „Das Ergebnis sieht man heute“, kommentiert von Sandersleben.

Tillich: Er wirkte im Stillen

Bis heute ist der Wirtschaftsberater, der einen Sohn, zwei Töchter und sieben Enkelkinder hat, sich treu geblieben: Er ist ein Mann des offenen und direkten Wortes. Der frühere sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU, 59), lobte ihn einmal als jemanden, der in Sachsen im Stillen wirke. „Aber Sie können uns auch durchaus die Leviten lesen, wenn Sie etwas erheblich stört.“

Da gibt es auch heute eine Menge Punkte, die von Sandersleben ärgern. So spricht er sich für eine „sinnvolle Zusammenarbeit mit Russland“ aus, denn das Land sei einer der wichtigsten Geschäftspartner der deutschen Wirtschaft in den kommenden Jahrzehnten.

Zudem sei eine aktive Wirtschafts- und Investitionspolitik im rohstoffreichen Kontinent Afrika nötig. „Stattdessen wird nur über Marschallpläne politisch schwadroniert.“

Ein dicker Dorn im Auge ist ihm auch die „krankhaft behindernde Bürokratisierung und Reglementierung durch Politik und Verwaltungen in Deutschland und Brüssel“.

Seinen Geburtstagswunsch richtet von Sandersleben daher an die sächsische Regierung. „Wie schön wäre es, wenn sie, vorbildlich für andere Bundesländer, ein Gremium aus klugen und unabhängigen Fachleuten gründet und es beauftragt, innerhalb von einem Jahr alle unnötigen bürokratischen Gesetze und Regulierungen, die Bürger wie Wirtschaft einengen und entmündigen, zu identifizieren und abzuschaffen.“ Dadurch könnte viel Geld in Bildung, Gesundheit und Innovationsinvestitionen gesteckt werden.

Von Ulrich Milde

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