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Stiftungen trotzen Niedrigzinsen - Deutlicher Zuwachs

Soziales Stiftungen trotzen Niedrigzinsen - Deutlicher Zuwachs

Stiften liegt im Trend - im Schnitt werden jede Woche mehr als elf neue Stiftungen gegründet. Was auch auf ein größeres Engagement für Flüchtlinge zurückzuführen sei, wie der Stiftungs-Verband sagt. Dabei ist das aktuelle Marktumfeld alles andere als günstig.

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Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Main: Die dauerhaft niedrigen Zinsen in Folge der Geldflut durch die EZB machen den Stiftungen in Deutschland zu schaffen.

Quelle: Frank Rumpenhorst/Archiv

Berlin. Die Zahl der Stiftungen in Deutschland ist deutlich gestiegen - auch im Zuge der Flüchtlingskrise. Trotz der anhaltend niedrigen Zinsen, die die Erträge drücken, wurden im vergangenen Jahr 583 Stiftungen bürgerlichen Rechts neu gegründet.

Damit sei die Zahl der Stiftungen auf 21 301 gestiegen, wie der Bundesverband Deutscher Stiftungen in Berlin weiter mitteilte. Einige Neugründungen widmeten sich der Integration von Flüchtlingen und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt.

"Jede Woche gibt es mehr als elf neue Stiftungen – das ist eine gute Nachricht aus der Zivilgesellschaft", sagte Verbandschef Michael Göring. Auffallend und erfreulich seien die hohen Zuwachsraten in einigen ostdeutschen Ländern. Zu den großen Herausforderungen zähle vor allem für kleinere Stiftungen das weiter niedrige Zinsniveau. Darauf reagierten viele mit kreativen Sammel- und Spendenaktionen. Ausgelotet würden zudem "besondere Anlageformen", um soziale Unternehmen und Projekte zu stützen.

Die dauerhaft niedrigen Zinsen in Folge der Geldflut durch die Europäische Zentralbank (EZB) machen den Stiftungen schon länger zu schaffen. Die inzwischen mehr als 21 000 Förderer suchen händeringend nach neuen und vor allem ertragreicheren Geldanlagen. Offiziell verfügen die Stiftungen über ein Gesamtvermögen von rund 100 Milliarden Euro - was als äußerst konservativ geschätzt gilt.

Ohne nachhaltige Erträge wird es eng für Stiftungen, die zumeist in privatrechtlicher Form gemeinnützigen Zwecken dienen. Schütten sie kein Geld aus - für Soziales, Bildung und Forschung, Umwelt, Kunst oder Sport - verlieren sie nicht nur den steuerbegünstigenden Status der Gemeinnützigkeit. Auch wirtschaftlich würde es eng, Projekte müssten gestoppt werden. Kleine Stiftungen leben nicht primär von Zinsen, sondern überwiegend von Spenden. Die größeren Geldsammler und -geber sind längst breiter aufgestellt und legen Vermögen nicht mehr nur in sicheren Papieren an, sondern auch in Aktien oder Immobilien. Einige besitzen Firmenanteile oder ganze Unternehmen.

Inwieweit sich die anstehende Reform bei der Erbschaftsteuer bei den Neugründungen niederschlägt, ist offen. Dabei sollen die Bedingungen für Privilegien für Firmenerben auf Druck des Bundesverfassungsgerichts verschärft werden. Noch haben sich Union und SPD aber nicht geeinigt. Bis zum Sommer muss die Reform stehen.

Den größten Zuwachs an Stiftungen gab es den Angaben zufolge im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 117 Neugründungen. Dort gebe es mit 4 159 auch die meisten Stiftungen bürgerlichen Rechts. An zweiter Stelle liege Bayern (3 845), gefolgt von Baden-Württemberg mit 3 187. Sachsen sei "stiftungsreichstes" ostdeutsches Bundesland mit 509 Stiftungen. "Hauptstadt der Stiftungen" - gemessen an der Einwohnerzahl - bleibe Würzburg. Dort kämen auf 100 000 Einwohner 92 Stiftungen. Dahinter folgten Hamburg und Oldenburg mit jeweils 78 Stiftungen sowie Frankfurt/Main mit 77.

 

dpa

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