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Streit um VW-Vorstandsboni beschäftigt Spitze des Aufsichtsrats

Auto Streit um VW-Vorstandsboni beschäftigt Spitze des Aufsichtsrats

Wie teuer die Abgas-Affäre für VW am Ende wird, ist noch völlig offen. Klar ist, dass gespart werden muss. Die Höhe der Vorstandsboni ist in dieser Situation ein höchst brisantes Thema.

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VW-Chef Matthias Müller hatte schon 2015 erklärt, dass der Vorstand bei den Boni im Zuge der Krise «den Gürtel enger schnallen» werde.

Quelle: Julian Stratenschulte/Archiv

Wolfsburg. Der Streit um einen Verzicht der Volkswagen-Vorstände auf Bonuszahlungen im Zuge der Abgas-Affäre wird am Montag die Spitze des VW-Aufsichtsrates beschäftigen. Im Gespräch sind dabei verschiedene Vorschläge zum Umgang mit den Prämien.

Demnach stehen Ideen zu Kürzungen von 30 Prozent und mehr im Raum. Denkbar sei auch, einen Teil der Boni in eine Stiftung abzuführen. Eine abschließende Entscheidung wird aber nach Informationen von Insidern am Montag noch nicht fallen.

Das Präsidium ist die Spitze der insgesamt 20 Volkswagen-Kontrolleure. Die Boni sind ein heißes Eisen für den kriselnden Konzern. Einerseits sind die variablen Vorstandsvergütungen vertraglich fest geregelt. Sie hängen am wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens und zudem an individuell mit den Managern vereinbarten Zielen für die persönliche Leistung. Sowohl für einen Komplett- als auch für einen Teilverzicht müssten die Vorstände jeweils einwilligen und von den vertraglichen Regelungen zurücktreten. Sie könnten aber auch genauso gut auf einer Zahlung der Boni nach den Berechnungsregeln bestehen.

Die Höhe der Vorstandsboni und ein möglicher freiwilliger Verzicht haben im Strudel des Abgas-Skandals auch große öffentliche Signalwirkung. Erste Leiharbeiter müssen das Unternehmen schon verlassen. Die 120 000 Mitarbeiter im VW-Haustarif haben wegen roter Zahlen bei der VW-Kernmarke keinen Anspruch auf ihre gewohnte Erfolgsbeteiligung. Sie erhalten alternativ eine Anerkennungsprämie, deren Höhe aber noch unklar ist. Die Volkswagen-Aktionäre müssen sich diesmal auf weniger Dividende einstellen oder womöglich sogar auf eine Minimal-Zahlung.

Mit der Affäre um weltweit elf Millionen manipulierte Dieselfahrzeuge drohen besonders in den USA hohe Strafen und Prozessrisiken, die laut Konzernkreisen einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen können. Der US-Bezirksrichter Charles Breyer, bei dem die Klagen in den USA gebündelt sind, hat dem Konzern und den US-Umweltbehörden ein Ultimatum bis zum 21. April gesetzt, um eine Lösung für die mehr als eine halbe Million manipulierten Fahrzeuge in den USA zu finden.

Wegen dieses wichtigen Termins verschiebt der Aufsichtsrat auch seine Beratungen über den Jahresabschluss 2015. Das eigentlich für den 20. April anberaumte Treffen werde auf den 22. April verlegt, hieß es am Samstag in Aufsichtsratskreisen. Zuvor hatte das "Handelsblatt" darüber berichtet.

Spätestens bis zur Bilanz-Pressekonferenz am 28. April, die Europas größter Autobauer wegen des Abgas-Skandals verschoben hatte, sollte VW Klarheit haben, wie viel Geld für drohende Strafen zurückgelegt werden muss. Spätestens wenn der Konzern seinen Geschäftsbericht vorlegt, wird auch klar sein, wie hoch die Vorstandsvergütungen ausfallen.

Die Bonidebatte ist bei zwei Personen besonders delikat: Der in der Affäre zurückgetretene Konzern-Vorstandschef Martin Winterkorn hat noch finanzielle Ansprüche in Wolfsburg. "Ich kann bestätigen, dass er einen gültigen Vertrag hat", sagte ein Konzernsprecher am Sonntag. Für das Jahr 2014 kassierte Winterkorn knapp 16 Millionen Euro Gesamtvergütung. Der Wert seiner Pensionsvorsorge, für die das Unternehmen neben seiner jährlichen Vergütung aufkommt, belief sich zuletzt auf fast 29 Millionen Euro (Barwert zum 31. Dezember 2014).

Winterkorns früherer Finanzchef Hans Dieter Pötsch erhielt für 2014 6,8 Millionen Euro Salär. Der Barwert seiner Pensionsleistung lag zuletzt bei 21 Millionen Euro. Pötsch ist im Zuge des Abgas-Skandals Aufsichtsratschef geworden. In dieser Funktion verdient man weniger. Laut Medienberichten soll sich Pötsch mit dem Wechsel an die Spitze des Aufsichtsrats vertraglich eine zweistellige Millionensumme gesichert haben, um damit den Wegfall seiner finanziell besseren Perspektive als Vorstandsmann aufzufangen.

dpa

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