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Nachrichten Wirtschaft Studie zur Internetnutzung: Senioren entdecken das Smartphone
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11:56 22.01.2019
Eine Seniorin telefoniert mit ihrem Smartphone. Jeder fünfte über 65-Jährige nutzt inzwischen auch Messengerdienste wie Whats App. Quelle: Sebastian Gollnow/ dpa
Berlin

Der Siegeszug des mobilen Internets lässt sich nicht aufhalten. 84 Prozent der Menschen in Deutschland sind inzwischen online, 68 Prozent nutzen dafür unterwegs Smartphone oder Tablet – Tendenz steigend. Komplett offline sind nur noch 10 Millionen Bundesbürger, ihre Zahl wird immer kleiner. Als „digital Abseitsstehende“ bezeichnet sie der „Digitalindex 2018/2019“, den die Initiative D21 an diesem Dienstag im Bundeswirtschaftsministerium vorgestellt hat.

Wer nicht mit der Zeit gehe, werde in Zukunft Nachteile in unserer Gesellschaft haben, betont Lena-Sophie Müller, Geschäftsführerin der Initiative „D21“. Die digitale Avantgarde diskutiere schon lange über künstliche Intelligenz, in der Offline-Welt aber verstünden viele Menschen noch nicht, was sich hinter der Technologie verberge, so Müller. Daran müsse man arbeiten.

Seit 2013 veröffentlicht D21 deshalb den Digitalindex einmal im Jahr. Die Studie soll einen Überblick über den Stand der Digitalisierung verschaffen. Sie untersucht die Offenheit der Deutschen gegenüber neuen Entwicklungen, ihren Zugang zur digitalen Welt sowie ihre technischen Kompetenzen. Dahinter steckt viel Arbeit. Über 20 000 Interviews wurden in Privathaushalten geführt, Personen ab 14 Jahren in computergestützten persönlichen Gesprächen befragt. Finanziert wird das Ganze zur Hälfte vom Bundeswirtschaftsministerium, zur anderen Hälfte von großen Unternehmen und Institutionen wie „Fujitsu“, der „Allianz“ oder der „Barmer“.

Textnachricht von Oma: Jeder fünfte über 65-Jährige nutzt Whats App

Wichtigstes Ergebnis der Studie: Die mobile Internetnutzung über Smartphone und Tablet nimmt deutlich zu, besonders bei den älteren Semestern. Senioren entdecken mobile Endgeräte für sich. 79 Prozent der 60- bis 69-Jährigen und 45 Prozent der über 70-Jährigen sind inzwischen online. Whats App ist unter den sozialen Medien am weitesten verbreitet. Bei den über 65-Jährigen nutzt es inzwischen jeder Fünfte.

Die Studie zeigt auch: Generell nutzen Männer das Internet häufiger als Frauen, höher Gebildete häufiger als Menschen mit niedrigem Bildungsstand, Berufstätige mehr als Personen ohne Tätigkeit. In Großstädten wird mehr gesurft als auf dem Land. Zehn Millionen Menschen in Deutschland sind aber weiterhin offline. „Generell kein Interesse am Internet“, „Ist mir zu kompliziert“, „Sehe für mich keinen Nutzen“ sind die meist angegebenen Gründe dafür.

Nur ein Sechstel der Deutschen arbeitet mobil

Kritisch scheinen viele Deutsche zu bleiben, wenn es um Veränderungen durch die Digitalisierung in der Arbeitswelt geht. Knapp die Hälfte der Berufstätigen geht davon aus, dass sich ihre Tätigkeit in den nächsten fünf Jahren spürbar verändern wird. 41 Prozent fühlen sich deshalb einem ständigen Lern- und Anpassungsdruck ausgesetzt. Nur 38 Prozent sehen darin auch Chancen.

Eine Chance wäre etwa die Möglichkeit, im Home Office zu arbeiten. Doch bislang machen nur wenige Menschen davon Gebrauch. Nur ein Sechstel der Berufstätigen in Deutschland arbeitet teilweise von unterwegs oder von zu Hause aus. Die Gründe? 56 Prozent der Befragten sagt, ihre Tätigkeit sei nicht mit mobilem Arbeiten vereinbar. Ein Viertel derer, die bisher nicht mobil arbeiten, lehnt diese Form des Arbeitens ab – fünf Prozent mehr als noch im Vorjahr.

Viele Unternehmen setzen keine klaren Regeln beim Home Office

Bei einem Viertel der Berufstätigen scheitert die Heimarbeit daran, dass die Unternehmen die Voraussetzungen für mobiles Arbeiten nicht schaffen. So wurde nur 44 Prozent der befragten Arbeitnehmern vom Unternehmen ein Laptop gestellt, Smartphones bekommen 25 Prozent, einen Zugang zum Firmennetz von unterwegs haben 15 Prozent. Bei einem Drittel gibt es im Unternehmen keine erkennbare Regelung zum mobilen Arbeiten, in 30 Prozent der Fälle hängt die Position im Unternehmen davon ab, ob man ein Gerät bekommt.

Die Studie kritisiert, dass flexibles Arbeiten die Ausnahme bleibt. Berufstätige sollten da mehr mitbestimmen dürfen, fordern die Autoren. Schließlich glauben 49 Prozent der Befragten, dass zeitlich und räumlich flexibles Arbeiten zur Steigerung der Lebensqualität beitrage. Privates und Berufliches ließen sich dann besser vereinen.

Nischenprodukte: Selbstfahrende Autos und Assistenzroboter

Nur eine kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung sammelte bisher persönlich Erfahrungen mit digitalen Gesundheits- und Smart Home-Anwendungen. Zu teuer, Bedenken beim Datenschutz, mangelnder Nutzen – das sind die Hauptgründe für die geringe Attraktivität der neuen technischen Möglichkeiten. Nur sechs Prozent der Befragten nutzen beispielsweise Mäh- und Saugroboter im Haushalt, nur drei Prozent ein mit dem Internet verbundenes Auto.

Intelligente Geräte verursachen bei vielen schlechte Gefühle. 69 Prozent gaben ein Unwohlsein beim Gedanken an eine Reise im autonom fahrenden Auto an, auch einem Assistenzroboter bei Krankheit und Pflege stehen mehr als die Hälfte der Befragten skeptisch gegenüber. Die höchsten Wohlfühlwerte erhalten mit 41 Prozent Implantate, die bei Bedarf ein Medikament abgeben.

Die Zukunft: Mehr digitale Themen in der Schule

Die Digitalisierung entwickle sich rasant, umso wichtiger sei es, für alle Gesellschaftsschichten Bildungsangebote anzubieten, sagt Lena-Sophie Müller mit Blick auf die Ergebnisse der Studie: „Wir müssen Brücken und Hilfestellungen schaffen, damit niemand abgehängt wird.“ Vor allem in Schulen, dort müssten digitale Trends verstärkt thematisiert und Lehrer fortgebildet werden, fordert Müller.

China: Digitale Überwachung

Die Digitalisierung kann auch Gefahren der Überwachung mit sich bringen, wie die derzeitige Entwicklung in China zeigt: In rund einem Dutzend Versuchsregionen wird „Citizen Scoring“, eine Bürgerbewertung, ausprobiert. In den Regionen gibt der Staat seinen Bürgern Noten. Wer zum Beispiel über das Internet gesunde Babynahrung bestellt, erhält Pluspunkte. Wer sich hingegen Pornos ansieht oder zu viel Zeit mit Computerspielen verbringt, muss mit Abzügen rechnen. Über eine Smartphone-App kann sich jeder über den eigenen Punktestand informieren.

Von Saskia Bücker/RND

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