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Wirtschaft Tausende beschweren sich über Paketdienste
Nachrichten Wirtschaft Tausende beschweren sich über Paketdienste
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12:32 12.12.2016
Ärger mit dem Paketdienst: Tausende haben sich bereits bei einer Beschwerdestelle über ihren Zusteller beklagt. Quelle: dpa / Symbolbild
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Berlin

Seit einem Jahr können sich Verbraucher an ein Beschwerdportal wenden, wenn sie Ärger mit einem Paketdienst haben. Die Verbraucherzentrale wertet die Beschwerden aus und legt sie den Dienstleistern mit Bitte um Stellungnahme innerhalb von 14 Tagen vor. Anschließend werden die Beschwerden anonymisiert auf der Website „Paket-Ärger“ veröffentlicht – inklusive etwaiger Stellungnahme des Dienstleisters.

Die Betreiber des Beschwerdeportals „Paket-Ärger“ ziehen eine positive Bilanz. „Wir haben das Gefühl, dass das beim Verbraucher sehr gut ankommt“, sagte Iwona Husemann von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Bisher seien rund 6500 Beschwerden eingegangen.

„Der Empfänger hat die schwächste Position“

Die Verbraucherzentrale sammelt die Beschwerden auch deshalb, um verlässliche Daten über die Probleme mit den Zulieferern zu bekommen. Auf dieser Basis wolle man die Empfängerrechte stärken, sagte Husemann. „Wir sehen, dass der Empfänger tatsächlich die schwächste Position hat.“ Konkrete Forderungen wolle man im kommenden Jahr ausarbeiten.

Die meisten Menschen – etwa 45 Prozent – beklagten sich darüber, dass ihr Paket nicht zugeliefert wurde, obwohl die Zustellung in der Smartphone-App des Paketdienstes oder per E-Mail angekündigt worden war. Stattdessen werden die Lieferungen in diesen Fällen in die nächste Filiale oder ein benachbartes Geschäft gebracht, wie Husemann berichtet.

Ärger mit dem Paketdienst: Drei Beispiele

„Ich finde das unter aller Sau“: „Ich bin den ganzen Tag zu Hause und warte auf das Paket und bekomme per digitaler Sendungsverfolgung gepusht, dass der Mitarbeiter angeblich bei mir war und mich nicht erreicht hat. Ich würde eher sagen, dass dieser Mann keine Lust hatte und einfach nicht geklingelt hat. Ich finde das persönlich echt unter aller Sau“, schreibt ein Verbraucher. Das Unternehmen reagierte mit einer Entschuldigung und erklärte: „Die Zustellfahrer sind dazu angehalten, Pakete erst dann alternativ zuzustellen, wenn der Empfänger nicht vor Ort war.“

Tagelang gewartet: Ein anderer Verbraucher schrieb, dass er drei Tage lang vergeblich zuhause auf den Zusteller gewartet habe, obwohl die Zustellung jedes Mal angekündigt worden sei. „Seltsamerweise wurde bei mir nicht geklingelt und ich hatte Besuch von meiner Schwester, welche bestätigen kann, dass um 9:00 Uhr niemand geklingelt hat um mir ein Paket zu liefern, schrieb er über den dritten Tag. Der Paketdienst antwortete, dass das Paket am folgenden Tag zugestellt worden sei. Für die Verzögerungen „möchten wir uns entschuldigen“.

Pöbelnder Zusteller: „Geliefert werden sollten drei Pakete. Der Zusteller klingelte an der Haustüre unserer Mietwohnung und weigerte sich, die Pakete in unsere Wohnung im 4. Stock zu tragen. Nach einiger Diskussion behauptete er, er müsse die Pakte nur in den ersten Stock tragen. Meine Frau ist im 8. Monat schwanger und verweigerte daher die Annahme, da sie aus medizinischen Gründen nichts Schweres heben darf. Daraufhin trug der Zusteller schimpfend die Pakete doch noch nach oben, warf sie dabei umher und trat dagegen und pöbelte! Offensichtlich hat dieser Zusteller kein Benehmen und verweigerte zu Beginn sogar die Arbeit, dann beschädigte er die Pakete.“ Die Zustellerfirma antwortete: „Ihre Zustellung verlief anders als erwartet und Sie sind zurecht verärgert.“ Das Unternehmen entschuldige sich. „Selbstverständlich wurde der zuständige Zustellfahrer durch seinen Transportunternehmer über die nicht korrekt ausgeführte Zustellung informiert und sensibilisiert.“

Wie Pakete richtig ankommen

Vor Weihnachten herrscht bei den Paketdiensten Hochbetrieb. Doch nicht immer kommt das Paket mit den Geschenken rechtzeitig vor dem Fest an. Wer selber ein Paket verschickt, sollte deshalb darauf achten, dass Name und Adresse vollständig und gut lesbar angegeben sind, empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So verhindert man, dass die Sendung unterwegs stecken bleibt oder automatisch aussortiert wird. Drei Tipps für Verbraucher:

Einfache Verpackung: Sortieranlagen lassen sich von schönen Verpackungen nicht beeindrucken. Im Gegenteil: Schleifen und Bänder können dazu führen, dass die Sendung aussortiert wird. Daher sollte der Karton möglichst schlicht sein.

Ersatzzustellung: Ist der Empfänger nicht zu Hause, geben Paketdienste die Sendungen oft in der Nachbarschaft ab. Wer ein Paket erwartet, kann häufig eine Wunschadresse angeben, an die das Paket alternativ geliefert werden soll. Das vermeidet langes Suchen.

Lieferzeiten: Paketdienstleister geben oft Lieferzeiten für die Zustellung an. Das sind aber in der Regel keine garantierten Termine. Mit Hilfe der Paketnummer kann im Internet verfolgt werden, wo sich die Sendung in etwa befindet. Wer will, dass seine Sendung zu einem bestimmten Termin geliefert wird, kann auf den Expressversand zurückgreifen. Das ist aber oft ein wenig teurer.

Stressige Zeit für Paketdienste

Gerade vor Weihnachten sind die Paketdienste besonders ausgelastet. Die Post etwa hat mehr als 10.000 Aushilfen eingestellt, um die Menge der Sendungen zu bewältigen. „Im Vergleich zum Vorjahr erwarten wir zehn Prozent mehr Sendungen“, sagte Post-Chef Frank Appel bereits Ende November. „An den Tagen vor Heiligabend rechnen wir mit mehr als acht Millionen Paketen täglich – doppelt so viele wie sonst.“

Von dpa/RND/wer

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